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Madsen

Auf den Punkt gebracht, bodenständig und trotzdem lyrisch sind die Texte von Madsen. Der Sound: unvergleichlich. Das Cover des neuen Albums: genial. Das neue Album: geil. SPIESSER-Autorin Marie hat Sebastian Madsen telefonisch auf einem Parkspaziergang begleitet und erfahren, was hinter dem neuen Album „Lichtjahre“ steckt.

14. Juni 2018 - 09:53
SPIESSER-Autorin VeryMary94.
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VeryMary94 Offline
Beigetreten: 13.08.2012

Hast du schon mal etwas gemacht ohne vorher zu überlegen, wofür du heute noch dankbar bist? (Wenn es einfach passiert)

Da gab es diesen Moment 1993 als ich als Schlagzeuger mit meinem Bruder das erste Mal auf der Bühne stand bzw. saß. (lacht) Da merkte ich, dass der Funke übergesprungen ist und mir wurde klar, dass ich nichts anderes mehr machen will.

Auf eurem Album „Kompass“ ging es auch schon um Fernweh, wovon auch euer Lied „Rückenwind“ handelt. Inwiefern hat sich dein persönliches Fernweh verändert?

Es gehört essenziell zu meinem Leben, dass ich mich immer wieder überwinden muss. Das Schwierigste an einem Urlaub ist für mich der Weg zum Ziel, das in den Flieger Steigen zum Beispiel. Sobald ich da bin, ist alles schön und dann bin ich auch froh, dass ich mal weg bin. Deswegen würde ich sagen, das Fernweh in mir selbst hat sich nicht verändert. So ein Stück wie „Rückenwind“ ist für mich ein Motivator, um mir klar zu machen, dass es wichtig ist, rauszukommen.

Was war für dich das Schwierigste am Erwachsenwerden? (Sommerferien)

Buchhaltung, Rentenversicherung, Finanzen generell. Das sind Begriffe, mit denen man mich jagen kann. Ich bin jetzt 36 und muss mir über all diese Dinge dann doch Gedanken machen, das fällt mir aber überhaupt nicht leicht.

Wer hat euch Madsen-Brüder musikalisch geprägt? (Mein erstes Lied)

Da könnte ich dir jetzt 1000 Bands nennen, aber wir können uns auch einfach auf die „Beatles“ einigen. Mit denen wurden wir als Babies schon gefüttert. Tatsächlich gibt es gibt keine andere Band, die ich so lange liebe und höre. Jeder von uns hat da natürlich noch so seins: Johannes ist sehr Hip-Hop begeistert, Nico ist eher so ein Metall-Typ und Sascha hört wie ich ganz viel, über Nirvana bis Björk.

Stört es dich/euch, dass Social Media so ein großer Teil der Bandvermarktung geworden ist? (Keiner)

Eigentlich vereinfacht es viele Dinge. Ich habe Facebook immer abgelehnt. Komischerweise – und da verstehe ich mich selber nicht – finde ich Instagram total spannend. So ein Leben in Bildern, das jeder für sich gestalten kann, ist doch eine ganz elegante Lösung. Da kann man Dinge selbst in die Hand nehmen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich viele (vor allem junge) Leute über Likes definieren. Das heißt, man muss das Thema auch kritisch sehen! So romantisch Instagram am Anfang auch war, jetzt ist es eben eine riesige Werbeplattform.

Wohin gehst du, wenn du dich mal sammeln willst? (Wenn alles zerbricht)

Es gibt nicht „den Ort“ aber „die Bewegung“. Zum Beispiel Laufen gehen. Das geht hier im Humboldthain in Berlin gut. Es geht aber fast noch besser im Wendland, in unserer Heimat. Beim Laufen krieg ich den Kopf immer ganz gut frei

Du hast mal gesagt: „Küsse sind ehrlicher als Worte“ – würdest du über Tanz dasselbe sagen? (Ich tanze mit mir allein)

(lacht) Das kommt drauf an, wie man tanzt. Wenn man beim Tanzen diesen hypnotischen Zustand erreicht, dann ist die Bewegung ehrlicher als das Wort. Ich muss halt gestehen, ich bin kein Tänzer, ich bin Kopfnicker. Aber ein Kopfnicker kann auch ehrlicher sein als ein Wort.

Madsen gibt es jetzt schon seit über zehn Jahren. Welches Lied spielst du am liebsten live? (Lichtjahre)

Es ist immer das Neueste, weil das immer am spannendsten ist. Was gerade am meisten Spaß macht, ist „Rückenwind“.

Wenn du in der Zeit reisen könntest, welchen Moment würdest du gerne miterleben? (Ein paar Runden)

Ich bin ein riesiger Fan von Zeitreise-Geschichten! Ganz vorne mit dabei: „Zurück in die Zukunft I“. Kein anderer Film hat es so gut und humorvoll auf den Punkt gebracht wie dieser. Deshalb würde ich am liebsten zurück in die 70er nach Dänemark reisen, wo sich meine Eltern kennengelernt haben. Wäre doch interessant zu sehen, wie sie so waren als junge Menschen, die sich noch nicht kannten.

Kreuzfahrt all inclusive oder Backpacking mit Zelt und Schlafsack – worauf hättest du mehr Lust? (Kapitän)

Kreuzfahrt habe ich noch nie gemacht. Vielleicht, weil mir die Vorstellung nicht gefällt, auf einem Schiff gefangen zu sein. Dann eher Backpacking. Wandern mag ich sowieso. Aber dann gerne auch abends ins Hotel und im Bett schlafen. So viel Spießigkeit muss mir erlaubt sein an dieser Stelle. (lacht)

In welchen Klamotten fühlst du dich am attraktivsten? (Wird sie mich sehen)

Ich trage immer schwarze Jeans und schwarze Schuhe und unter der Jacke am liebsten einen grauen Pullover mit einer riesen Kapuze. Dann fühle ich mich nicht unbedingt attraktiv, aber wohl.

Wie achtest du auf Nachhaltigkeit in deinem Alltag? (Wo mal Wüste war)

Wir sind ja viel unterwegs und sind alle große Fans von Raststätten-Kaffee. Normalerweise bekommt man da Plastikbecher, die einfach nur weggeschmissen werden. Wir haben jetzt angefangen Kunststoffbecher mitzunehmen und diese auffüllen zu lassen. Beim Einkaufen nehme ich meine eigenen Beutel mit, damit ich nicht unnötig Plastiktüten benutzen muss.

Wie geht es euren Ohren nach so vielen Jahren Live-Rock? Ich habe euch 2007 live gesehen und es war nicht nur grandios, sondern auch ziemlich laut. (lacht) (Macht euch laut)

Mittlerweile verspüren wir da eine gewisse Verantwortung. Wir verteilen Ohrstöpsel am Eingang der Konzertstätten. Dass es laut ist, gehört zur Band und dem Konzerterlebnis, aber jeder sollte selbst entscheiden, ob er sich was in die Ohren macht oder nicht. Seit ich mit 16 einen Hörsturz hatte, tue ich mir bei jeder Probe und bei jedem Konzert was in die Ohren. Die große Sorge, dass das Piepen nicht mehr weggeht, hat mich sehr vorsichtig gemacht.

Ohrwurm: „Ein paar Runden“, „Mein erstes Lied“
Hinhörer: „Ich tanze mit mir allein“, „Keiner“
Album in drei Worten: kräftig, meinungsstark, kickt   
Passt zu: Madsen-Fans
Erinnert an: Bosse in rockig

„Lichtjahre“ von Madsen

 

: 22.06.18
Label: Arising Empire

 

 

 

Text: Marie Robinski
Teaserbild: © Dennis Dirksen

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