Titelverteidiger

Titelverteidiger:
Milliarden

Sie sind schon extrem aufgeregt, weil ihr neues Album am 1. Juni erscheint. Nach einem „Tag, wo alles dabei war“ haben sich Ben und Johannes von der Formation „Milliarden“ an das Berliner Spree-Ufer gechillt und sich den kniffligen Fragen unserer SPIESSER-Autorin Marie hingegeben.

14. Juni 2018 - 09:53
SPIESSER-Autorin VeryMary94.
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VeryMary94 Offline
Beigetreten: 13.08.2012

SPIESSER: In welchem Kiez lebt ihr und was macht diesen Kiez so besonders? (Berlin)

Ben: Ich wohne in Süd-Friedrichshain. Diesen Kiez macht besonders, dass er die Vorhölle der Touristenattraktion Berlins ist. Es ist eine Flanier- und Amüsiermeile und es ist jede Nacht laut.

Johannes: Ich wohne in Friedrichshain/Kreuzberg am Mariannenplatz, da ist es tatsächlich ganz schön. Meinen Kiez zeichnet die perfekte Lage zwischen Ruhe und extremer Eskalation am Kotti aus. Es ist ruhig, aber direkt um die Ecke lauert alles, was man braucht.

Rosemarie- ist sie echt oder fiktiv? Und was macht sie so attraktiv?

Ben: Sie ist echt und ihre Attraktivität besteht darin, dass sie diesen Tanz auf der Rasierklinge wirklich tanzt. Sie ist sich ihrer Sache sehr bewusst, und man kann wirklich dabei sein.

Wer ist Roberto? (Roberto)

Ben: Roberto ist ein Obdachloser, der oft vor meinem Haus sitzt und im Dachboden des Hauses schläft, in dem ich wohne.

Was hat euch an dem Platz so beeindruckt, dass ihr ihm ein Lied gewidmet habt? (Die Toten vom Rosenthaler Platz)

Ben: An dem Platz gar nichts. Eher an den Toten, um die es da geht. Das hängt natürlich auch mit Roberto zusammen. Er ist sozusagen die Brücke, die in den Song hineinführt:
Das Stadtbild Berlins verändert sich momentan dahingehend, dass du immer öfter die Zelte in den Büschen siehst und immer mehr Leute auf den Straßen und in den U-Bahnhöfen betteln. Ich sehe das in meinem Alltag, weil die Leute direkt vor meiner Wohnungstür sind und dort verenden, vor sich hinvegetieren und doch irgendwie überleben. Man darf den Blick für sowas nicht verlieren. Das ist, als würden wir alle mit einer zerkratzten Sonnenbrille rumlaufen, aber unsere Augen immer mehr anfangen diesen Kratzer auszublenden. Umso mehr Leute es werden, desto mehr tun wir so, als ob es sie nicht gäbe.

Gehört das U-Bahn oder S-Bahn-Fahren zu eurem Alltag? Wie bewegt ihr euch üblicher Weise durch Berlin? (Morgen)

Johannes: Alles dabei. Von Radfahren, über Laufen und so weiter. Mir ist gerade ein alter Opel Corsa zugeflogen, den teile ich mir mit einem Kollegen. Mit dem baller ich gerade durch Berlin und hoffe, dass mich die Polizei nicht anhält.

Ben: Meins ist kaputt. Aber Fahrrad, U-Bahn und S-Bahn sind alright.

Johannes: Außer, wenn du dich mit den Kontrolleuren beschäftigen musst.

Ben: Dafür muss man einen Blick entwickeln, dass du denen aus den Weg gehst.

Wann habt ihr das letzte Mal etwas so richtig übertrieben? (Über die Kante)

Johannes: Letzte Bandprobe mit unserem Freund Florian. Ich musste ihn im letzten Moment zum Bahnhof bringen. Eigentlich bin ich nicht so, dass ich Menschenleben gefährde. Aber da habe ich schon übertrieben, und bin ein paar mal über rot gefahren. Hätte das jemand gefilmt, hätte ich keinen Führerschein mehr.

Ben: Ich habe heute früh einen Bauarbeiter angeschrien, weil gestern abend die Decke in meiner Wohnung eingestürzt ist. Ähm, vielleicht habe ich da ein ganz kleines bisschen übertrieben.

Wogegen lohnt es sich nicht zu rebellieren? (Jajaja)

Johannes: Das sind ja ein paar schindige Fragen, da muss man erstmal eine Stunde lang nachdenken! (lachen) Es lohnt sich nicht gegen Straßenkünstler oder Sprayer zu rebellieren, die versuchen sich zu verwirklichen.

Ben: Aber wenn in Gegenden, in denen man früher frei wohnen konnte, plötzlich teure Neubauten und Loftwohnungen stehen, dann lohnt es sich rebellieren!


Ständig bemüht Kontrolleuren aus dem Weg zu gehen und sich nicht an Kratzer auf der Sonnenbrille zu gewöhnen.
Welche Reihenfolge haben die Farben eines Regenbogens? (Regenbogen)

Ben: Sind im Regenbogen nicht alle Farben enthalten? Mh... und in welcher Reihenfolge…? Oder kommt es nicht darauf an, von wo man den sieht?

Johannes: Jo, passt auf! Milliarden sagen euch jetzt eine Wahrheit: In Australien sind Regenbögen umgekehrt.

Was ist das Positive am Liebeskummer? (Ich vermisse dich)

Johannes: (überlegt) Wenn man da Zuhause sitzt und verzweifelt ist und sich fragt was die andere Person gerade macht und wenn man sich mal darauf konzentriert, warum das gerade so ist und merkt, dass man liebt, weil es gerade so ist. Das ist ein wunderschöner Moment, den man einfach nur bemerken muss und in dem man sich auch selbst erkennt.

Ben: Jede Trennung kann auch eine Form von Neuanfang sein.

Johannes: Heißt Liebeskummer gleich Trennung? Habe ich das richtig verstanden?

Ben: Das hab ich jetzt mal so interpretiert. Also, an Liebeskummer an sich gibt es ja nichts wirklich Gutes. Es kann höchstens was Gutes draus resultieren.

 

Ohrwurm: „Berlin“, „Baukran“
Hinhörer: „Rosemarie“, „Ultraschall“
Album in drei Worten: wortgewandt, stark, Berlin
Passt zu: Leben in Berlin
Erinnert an: Hubert Kah, TonSteineScherben

„Berlin“ von Milliarden

 

: 01.06.18
Label: Universal

 

 

Text: Marie Robinski
Teaserbild: © Christian Schneider

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