Titelverteidiger

Titelverteidiger: DONOTS

Sie sind laut, sie sind direkt und sie verstecken sich nicht: Die Jungs der Punkrockband „DONOTS“ bringen im Januar ihr neues Album „Lauter als Bomben“ raus. Im Interview mit Bandmitglied Jan-Dirk hat Rebekka erfahren, was es mit einem Kniebiss und einem Kreissägenunfall auf sich hat.

12. Januar 2018 - 13:19
SPIESSER-Autorin breakfastatspiesser.
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breakfastatspiesser Offline
Beigetreten: 28.07.2017

Was ist die absurdeste Geschichte, die du aus eurer gemeinsamen Bandvergangenheit erzählen kannst? (Geschichten vom Boden)

Wir haben mal auf einer kleinen Bühne in Budapest gespielt, in so einer Kneipe im Keller. In der ersten Reihe war ein Pärchen, die fanden uns richtig gut. Die Frau anscheinend so sehr, dass sie Ingo immer wieder berührt hat, wenn er auf ihre Seite kam. Erst am Fuß, dann ging die Hand hoch ans Bein, ans Knie und irgendwann zwischen die Beine. Das fand wiederum ihr Partner nicht so geil. Das nächste Mal, als Ingo zu ihnen gekommen ist, hat er Ingo ins Knie gebissen, so richtig heftig. (lacht) Unsere gesamte Crew lag lachend am Boden und konnte es nicht fassen. Am Ende des Abends musste der Mann sich dann bei Ingo entschuldigen.

Die Apokalypse beginnt: Was ist deine Überlebensstrategie? (Keiner kommt hier lebend raus)

Möglichst penne ich und habe einen saugeilen Traum und da kommt die Apokalypse über mich drüber. Diese Antwort hätten meine Kollegen jetzt voraussagen können, weil ich sehr gern schlafe.

Was geht dir so richtig gegen den Strich? (Rauschen auf jeder Frequenz)

Also man kann jetzt so Sachen sagen, wie „Mir geht tierisch gegen den Strich, dass so jemand wie Trump Präsident der Vereinigten Staaten ist. Mir geht’s gegen den Strich, dass es wirklich passiert ist, dass die AfD gut im Bundestag vertreten ist.“ Aber noch mehr würde es mich aufregen, wenn die Menschen wegschauen, weil ihnen diese Dinge alle egal wären. Sowas sollte auch etwas Gutes haben, nämlich dass man wieder wachgerüttelt wird.

Wo habt ihr die meiste Asche hinterlassen nach einem Auftritt? (Asche sammeln)

Ich habe mal aus Versehen sehr viel Blut hinterlassen nach einem Auftritt! Wir haben auf einem Festival in Hessen gespielt und in einer Schützenhalle standen noch die Bauutensilien für die Bühne rum, unter anderem auch eine Kreissäge. Wir haben dann dort gepennt und irgendwann musste ich noch mal aufs Klo. Anstatt von der Bühne runter, bin ich im Dunklen geradeaus gelaufen und komplett auf die Kreissäge gefallen. Als endlich jemand das Licht gefunden hatte, bin ich aufgestanden und dachte es wäre nichts passiert… Während durch mein weißes T-Shirt schon Blut tropfte.

Wie würdest du die Zeit nutzen, wenn du unsterblich wärst? (Alle Zeit der Welt)

Ich bin Verfechter der Tatsache, dass Unsterblichkeit nicht erstrebenswert ist. Ich glaube, dass die Zeit, die man auf der Welt verbringt, erst dadurch wertvoll wird, dass man sie nicht unendlich hat. Ruf mich in 20 Jahren noch mal an, es kann sein, dass ich dann anders denke. Aber jetzt gerade glaube ich, dass es wichtig ist, dass es die Sterblichkeit gibt.

Was ist das Vermächtnis der DONOTS? (Whatever forever)

Wir sind zwar eine Punkrockband, aber letztendlich soll das Ganze auch Spaß machen. Schön wäre es aber, wenn wir bei dem ein oder anderen noch eine Message hinterlassen. Vielleicht so was wie „Habe Spaß am Leben, aber informiere dich und kümmere dich gleichzeitig.“ Die kann bei jedem ein anderes Aussehen haben, aber dass man eben nicht einfach vor sich hinlebt.

Wenn die DONOTS ihr eigenes Dorf gründen würden, wie würde das Leben dort aussehen? (Das Dorf war L.A.)

Von jedem Ort, an dem wir gespielt haben, will Ingo Bürgermeister werden. In unserem Dorf könnte er das dann erreichen. Die Gesetze würde ich von Guido schreiben lassen, weil die dann am absurdesten werden. Die wären auch flexibel, sodass er sie täglich ändern würde. Eike wäre Familienminister, weil er die meisten Kinder bei uns hat. Ich würde das Ganze wahrscheinlich dokumentieren. Und die ganze Kacke, die Ingo baut, müsste Alex wieder ausbaden. Das alles wäre wahrscheinlich ein heilloses Chaos.

Wie würdest du gern den allerletzten Auftritt der DONOTS zu Ende gehen lassen? (Eine letzte Runde)

Letztendlich soll das auch eine Show sein, wie jede andere auch. Wir sind ohnehin schon die glücklichsten Menschen der Welt, weil wir das, was wir machen, schon seit rund 22 Jahren machen können und dürfen. Das ist ein unglaublicher Glücksfall, den wir zu schätzen wissen und auch noch lange weiter nutzen wollen. Den Auftritt würden wir dann selbstverständlich in unserem Dorf haben wollen. (lacht)

Warst du schon immer einer, der eher gegen den Strom schwimmt, als mit ihm? (Gegenwind surfen)

Ich bin kein klassischer „Gegen den Strom Schwimmer“. Beschreiben würde ich es so, dass ich mich öfters mal links und rechts am Ufer festhalte, um zu schauen, was da so los ist. Wenn es dann genug ist, kann man auch gern wieder in den Strom reinschlüpfen. Ich bin keiner der sagt: „Ich muss unbedingt gegen den Strom schwimmen.“ Wenn das zu einer grundsätzlichen Haltung wird, halte ich das für Quatsch.

Verrätst du uns, was hinter dem Trick mit dem Fliegen steckt? (Der Trick mit dem Fliegen)

Laut Douglas Adam ist der Trick die Kunst, beim Fallen den Boden zu verfehlen. Bei uns ist das auch so ähnlich. So wie wir an unsere Band herangehen, hätten wir schon so oft dermaßen auf die Schnauze fallen müssen, aber es hat trotzdem immer geklappt. Oder es ist eine Art Unwissen, wie bei der Hummel. Die soll angeblich nicht fliegen können, sie weiß das nur nicht, also macht sie es einfach. Dementsprechend sind wir wahrscheinlich Hummeln.

Lebst du im Hier und Jetzt oder hast du schon Pläne für die nächsten Jahre? (Heute Pläne morgen Konfetti)

Nee, ich bin immer so ein „Hier und Jetzt“-Leber. Gerade weil es bei uns in der Band so oft passiert, dass wir stundenlang Dinge festlegen und planen und am nächsten Tag wird das alles wieder in Stücke zerrissen. Von daher ist lange Pläne schmieden als Band auch fast nicht möglich. Privat kann man dann auch sagen man fährt im Sommer in den Urlaub und dann kommt irgendeine wichtige Tour dazwischen. Dann ist der Plan auch schon wieder „Konfetti“. Aber daran haben wir uns gewöhnt.

Lauter als Bomben von den DONOTS

 

: 12.01.2018
Label: Solitary Man Records

 

 

 

Interview: Rebekka Hörnig
Teaser-Foto: © Dennis Dirksen

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