Faber - Sei ein Faber im Wind
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Faber

Derbe, wehmütig, trotzig, voll Wortwitz und Intelligenz: Fabers Musik ist anders als die deutsche Radiopoplandschaft. Heute kommt die neue Platte des Schweizers heraus. SPIESSER-Redakteur Henric hat sich mit ihm über Sex, Melancholie und Bartwuchs unterhalten.

14. Juli 2017 - 12:13
SPIESSER-Autor Henk Marzipan.
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Henk Marzipan Offline
Beigetreten: 22.01.2014

Hi Faber! Du hast dich nach dem Abi mit italienischen Schlagern in Restaurants durchgeschlagen. Findest du das war ein passender Auftakt für deine Künstlerkarriere? (Ouverture)

Ja voll. Ich hab in der Zeit sehr, sehr viel gelernt. Du hast drei Mal in der Woche ein anderes Publikum, was du von dir überzeugen musst. Das ist anders, als wenn die Leute zu einem Konzert von dir kommen. Die Leute warten nicht auf dich, die sind eigentlich aus einem anderen Grund an diesem Ort. Musik machen ist wie ein Handwerk und diese Zeit war meine Lehre.

Gehört zu guter Musik auch immer das Thema Sex? (Wem du’s heute kannst besorgen)

Nein, glaube ich nicht, aber es darf. Liebe, Sex, Drama und Politik, das sind Themen, die dürfen in der Musik vorkommen. Müssen sie aber nicht. Man kann auch über irgendwelche Random-Sachen singen. So wie in Deutschland sehr beliebt das Tanzen. Der Böhmermann hat das in seinem „Menschen. Leben. Tanzen. Welt.“ sehr gut zusammengefasst. Da bin ich ein bisschen neidisch. Hätte ich einen Song schreiben müssen, dann wäre es der gewesen!

3. Weißt du in der Regel, wann du genug hast? Oder neigst du zur Maßlosigkeit? (Nichts)

Eher die Maßlosigkeit. Kommt auf das Thema drauf an. Ich glaub nicht, dass ich besonders gut im Nein-Sagen bin.

Lebst du im Moment oder planst du immer schon den nächsten Schritt? (Es könnte schöner sein)

Voll im Moment. Das ist zum Teil sehr gut. Zum Teil aber auch sehr schlecht. Ich kann zum Beispiel dadurch super Sachen vor mir herschieben. Bei Rechnungen zum Beispiel sage ich gerne: „Das mache ich morgen. Morgen habe ich super viel Zeit.“ Den restlichen Tag kann ich dann genießen und nicht an morgen denken, und den ganzen nächsten Tag mache ich das genauso.

Braucht die deutsche Popmusik mal wieder einen Schuss Melancholie? (Lass mich nicht los)

Ja, das könnte sie schon vertragen. Ich kenne mich jetzt nicht sooo gut mit deutscher Popmusik aus. In der Schweiz ist die jetzt nicht so verbreitet. Aber was ich so mitbekomme, was sich so in den Charts hält, ist auch einfach nicht so geil.

Musstest du dich schon mal auf einen „normalen“ Job bewerben? (Bleib dir nicht treu)

Ich hab nur einmal richtig gearbeitet. Während meiner Restaurantzeit als Sänger hab ich ein Dreivierteljahr viel verdient und viel ausgegeben. Und dann kam der Januar und der Februar, wo ich einfach gar nichts verdient habe. Da habe ich dann so einen Promotion-Job gemacht, wo du so Leute dazu bequatschst für irgendwas zu spenden. Ein furchtbarer Job. Du musst die Leute ununterbrochen belügen.

Fühlst du dich, wenn du alleine mit dir selbst bist, wohl? Meinst du, dass das eine wichtige Eigenschaft ist, alleine sein zu können? (Alles Gute)

Ich glaube das ist eine wichtige Eigenschaft das zu können. Aber ich glaube, dass ich das nicht allzu gut kann. Das ist auf jeden Fall was, was ich üben sollte.

Vor Europa ertrinken Flüchtlinge, Terroranschläge in Europa, Wähler wählen rechte Parteien: Gehört es heutzutage dazu die Realität zu verdrängen? (In Paris Brennen Autos)

Nee, eher im Gegenteil. Der Punkt ist eher: Auch wenn du dich sehr informierst und du auf dem neuen Stand bleibst, man kann als empathischer Mensch mit Vielem mitfühlen, aber wenn dich wirklich etwas berührt, dann ist es Liebe. Was dich wirklich berührt bleiben deine Nächsten. Wenn du verliebt bist, bist du verliebt, egal ob du gerade in Damaskus lebst. Das sind die Dinge, die dich am krassesten bewegen, die Nähe von Menschen, die du wirklich magst.

Du hast in deinen Liedern einen ganz schön bösartigen, barschen Tonfall. Das Feuilleton ist empört. Muss Fluchen manchmal sein? (Bratislava)

Nee, muss nicht sein. Ich hab mich schon gefragt, ob ich so schreiben muss, aber wir reden ja auch so. Also ich mein Umfeld, meine Freunde, und du wahrscheinlich auch. Das ist ja schon ein Bestandteil von unserem Leben. Deshalb find ich es voll seltsam, dass das so wenig vorkommt in der Popmusik. Die Rapper scheuen sich ja auch nicht solche Sachen zu sagen.

Du bist gerade mal 24 Jahre alt, auf deiner Website steht, du singst wie mit 50. Als jemand der so einen Eindruck macht: Möchtest du deiner Generation gerne etwas sagen? (Wer nicht schwimmen kann der taucht)

Ich sehe mich jetzt nicht als Sprachrohr oder so. Es gibt schon ein paar Dinge, die man sagen könnte. Die Krisen in der ganzen Welt, die sind jetzt gerade sehr schlimm. Aber das wird auch in den nächsten 20 Jahren nicht aufhören. Es wird eher noch krasser werden. Um dem ein bisschen aus dem Weg zu gehen, sollte man vielleicht, so naiv das klingen mag, sich kennenlernen und nett sein miteinander. In der Schweiz waren erst die Italiener, die alle scheiße fanden, dann die Portugiesen, dann die Rumänen. Heute haben sich alle an die gewöhnt und keiner redet mehr darüber. Heute sind es halt die Muslime, die komisch beäugt werden. Wenn man sich ein bisschen kennenlernt, dann wird das alles schon.

Interpretieren die Leue zu viel in deine Texte hinein? (Brüstebeinearschgesicht)

Ich find das schön, wenn ein Text mehr aussagt, als ich selbst weiß. Dann ist es gelungen. Es wird natürlich etwas schwierig, wenn die Leute glauben ich hätte das genau so gemeint, wie sie es verstehen. Aber das spricht schon für einen guten Text

Du scheinst was gegen Leute mit Vollbart und Unterarmtattoo zu haben. Was ist dein Kommentar zur Hipsterszene? (Sei ein Faber im Wind)

Das ist nur weil ich neidisch bin! Die Hipsterszene ist mir egal. Mein Kommentar ist zum Bart! Ich konnte nie einen Bart wachsen lassen, weil ich keinen Bartwuchs hab. Das wird auch wieder umschlagen. Dann werden alle Bärte peinlich finden. Dann kann ich sagen, dass ich das schon immer wusste. Auf die Phase freue ich mich auf jeden Fall sehr!

 

Sei ein Faber im Wind" von Faber

 

VÖ: 07. Juli 2017
Label: Universal Music

 

 

 

Interview: Henric Abraham
Teaser-Foto: © Stefan Braunbarth / Vertigo Berlin

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