Mach dein Ding!

Durchs Streamen bis zum Bachelor Abschluss

Achja, die Gamescom. Auch dieses Jahr wars wieder schön. Tausende Menschen pilgerten voller Freude zur Kölner Messe, um dort die neusten Games anzuspielen, Cosplay Kostüme zu bestaunen und sich mit der Community auszutauschen. Eine davon war Theres Modl, eine 25-Jährige aus der Nähe von München. Unter dem Namen „Sissorstream“ begeistert sie regelmäßig ihre Zuschauenden auf Twitch und moderiert darüber hinaus für eSPORTS1. Wir haben uns mit ihr getroffen und über die E-Sport-Branche gesprochen.

02. Oktober 2019 - 11:52
SPIESSER-Autor mclovin.
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mclovin Offline
Beigetreten: 27.05.2019

Der Markt für E-Sport wächst weiter. Es scheint gar so, als würde das Wachstum kein Ende nehmen. Preisgelder in Millionenhöhe sind längst keine Seltenheit mehr. Das hat auch die Fortnite WM im Juli gezeigt. Ganze 30 Millionen US-Dollar gab es zu gewinnen. E-Sport – daraus hat sich inzwischen ein komplexer Wirtschaftszweig entwickelt, bei dem die Spielenden angehimmelt werden wie Superstars. Um sie soll es hier jedoch nicht gehen, sondern um die im selben Zuge neu entstandenen Berufsfelder. Dafür habe ich mich auf der Gamescom mit Theres Modl getroffen. Sie ist E-Sport Moderatorin bei eSPORTS1 und als Streamerin unter dem Namen „Sissorstream“ unterwegs.

 

„Ich wollte natürlich wissen, was das ist“

Zum Gaming ist Theres übrigens durch ihren kleinen Bruder gekommen. Der hatte damals nämlich keinen PC und musste seine Spiele deshalb auf ihrem Computer installieren. Da wurde sie neugierig. „Ich wollte natürlich wissen, was das ist“, erzählt sie mir. Was sie herausgefunden hat, muss ein Feuer in ihr geschürt haben, welches bis heute anhält und sie nachhaltig prägt. Denn inzwischen hat die 25-Jährige auf Twitch über 120.000 Follower, die ihr beim Streamen regelmäßig zusehen. Für einen reibungslosen Ablauf stellt sie daher Streampläne auf. Diese sind auch die einzige feste Struktur in ihrem Arbeitsalltag. „Ansonsten mache ich halt immer das, was gerade ansteht“, ergänzt sie. Das bedeutet für Theres vor allem Emails beantworten, Neuigkeiten aus der Gamingwelt abchecken oder Events besuchen.


Für eSPORTS1 ist Theres auch auf Veranstaltungen unterwegs.

Streamen allein ist für „Sissorstream“ übrigens nicht genug, denn seit Anfang des Jahres ist sie auch als Moderatorin für eSPORTS1 unterwegs. Dabei handelt es sich um einen Ableger des TV-Senders Sport1, welcher sich auf E-Sport spezialisiert. Dort moderiert sie unter anderem das Magazin „Inside eSports“, sowie live E-Sport-Events. Ob sich die Berichterstattung von anderen Sportarten unterscheide, will ich darauf von ihr erfahren. Ihre Antwort erfolgt so kurz, wie prompt: „Wir berichten da genauso wie im sonstigen Sportbereich auch.“ So gibt es auch beim E-Sport-Transfers zwischen den einzelnen Teams. Da kann es sein, dass jemand aus Nordamerika oder Korea nach Europa wechselt. Ansonsten werden die Live-Records genauso kommentiert wie ein Fußballspiel. „E-Sport hat zwar seine Eigenheiten, aber es ist dennoch gut vergleichbar“, lautet ihr Resümee.

Zu meiner Überraschung musste ich noch feststellen, dass dies gar kein Vollzeitjob für Theres ist. Allein auf eine Karriere als Streamerin will sie sich eben nicht verlassen. Tatsächlich ist sie in erster Linie Studentin. Der Bachelor in Medienwissenschaft und -management – das ist momentan ihr Ziel. Dieses besitzt auch Priorität, denn mehr als 20 Stunden in der Woche sollen nicht investiert werden. Dennoch ist sich Theres ihres Privilegs bewusst und reflektiert: „Ich habe das große Glück, mich finanzieren zu können mit dem, was ich gerne mache.“

„Vorurteile gibt es aber auch überall“

Dass die Arbeit ihr Freude bereitet, hat die Streamerin bereits deutlich klargestellt: „Ich habe nette Leute um mich herum und kann meine Arbeit von überall aus machen.“ Mich hingegen interessieren eher die Schattenseiten der Branche. Ob es da wohl etwas gibt, was ihr nicht so gut gefällt? Für Theres bringt ihre Arbeit zwar wesentlich mehr Vorteile als Nachteile, trotzdem habe sie es in der Gaming-Branche manchmal etwas schwieriger als Frau. Beschäftigt man sich mit der E-Sport-Szene, so wird schnell auffallen, dass diese tatsächlich männlich dominiert ist. Das führe eben dazu, dass man ab und an mit Vorurteilen zu kämpfen habe. Jedoch relativiert Theres ihre Aussage im nächsten Atemzug ein wenig: „Vorurteile gibt es aber auch überall.“ Der allgemeine Umgang sei, laut ihr, sehr fair: „In der Branche geben sich alle Mühe, dass man da nicht so viele Differenzen spürt.“


Auf Twitch können Fans während eines Streams auch spenden.
„Ich versuche nicht auf Donations zu spekulieren“

Die Höhe ihres monatlichen Einkommens ist immer vom Sponsoring und den Donations ihrer Zuschauenden abhängig. Auf letztere setzt sie aber nicht unbedingt. „Ich versuche nicht auf Donations zu spekulieren“, sagt sie. Stattdessen lautet ihre Maxime: „Gönnt euch lieber selbst etwas!“ Immerhin sei es das hart verdiente Geld ihrer Fans, welches bei selbigen auch besser aufgehoben sei. Sie freue sich zwar, wenn die Leute zugucken und spenden, doch für sie ist es wichtiger klarzumachen, dass sie Sponsoren hat, über die sie Geld verdient.

Gaming, das heißt heute Konjunktur!

Wie anfangs bereits erwähnt ist Gaming längst nicht mehr das, was es einmal war. Das Bild von Jugendlichen, die tagelang in verstaubten Kellerräumen vor den Monitoren daddeln ist obsolet. Wie ein Muster Start-Up-Unternehmen, ist der E-Sport aus der einstigen Garage in die große Welt gezogen. Modern, frisch und populär! Daraus hat sich ein komplexer Wirtschaftszweig ergeben, welcher bis 2022 knapp 1,8 Milliarden Euro jährlich erwirtschaften soll. Somit ergeben sich nicht nur vielversprechende Chancen und Möglichkeiten, sondern komplett neue Berufsfelder. Bisher hat sich der E-Sport in einem parallelen Kosmos bewegt, losgelöst von unserer Gesellschaft. Doch dieses Bild durchläuft momentan eine Metamorphose. Das hat auch Theres Modl erkannt. Sie ist nicht nur selbst in der Branche tätig, sondern würde ihren hypothetischen Kindern eine Karriere im E-Sport ermöglichen. „Ich würde das auf jeden Fall unterstützen“, meint sie. E-Sport – das sei eben nicht nur zocken, sondern richtig harte, aber spannende Arbeit.

Text: Duc Hai Le
Bildmaterial: eSPORTS1

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