Was'n da los?

„Fake in Germany“:
Der VW-Skandal

Jeder von euch, der sich schon auf die Suche nach dem ersten eigenen Auto begeben hat, kennt die Marke „Volkswagen“. Denn fast jedes fünfte Auto in Deutschland ist ein VW, wodurch die „Volkswagen AG“ als größter Automobilhersteller Europas gilt. Doch gerade dieser Autokonzern machte in den letzten Tagen negative Schlagzeilen. Warum? SPIESSER-Praktikant Daniel hat sich für euch schlau gemacht.

28. September 2015 - 16:32
SPIESSER-Autor Minkho.
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Minkho Offline
Beigetreten: 06.11.2012

Was ist passiert?

Dem Automobilhersteller Volkswagen wird vorgeworfen, Abgastests bei Dieselfahrzeugen in den USA manipuliert zu haben. Das behauptet zumindest die amerikanische Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA), eine unabhängige Umweltschutzbehörde der US-Regierung.


Diese Umweltbehörde ist dem Konzern auf die
Schliche gekommen und droht Volkswagen mit

einer Milliardenstrafe.

EPA beruft sich dabei auf eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie, die erhöhte Werte hinsichtlich der Luftverunreinigung bei einigen VW-Autos festgestellt hat. Dadurch verstößt Volkswagen laut der Umweltbehörde gegen amerikanische Umweltgesetze, die vorsehen, dass nicht mehr als 31 Milligramm pro Kilometer Stickoxide ausgestoßen werden dürfen. Zum Vergleich: In Deutschland ist ein Ausstoß von 80 Milligramm pro Kilometer erlaubt.

Der Automobilhersteller soll ganz bewusst in einem seiner Dieselmotoren eine verbotene Software eingebaut haben, mit der das für den Umweltschutz festgesetzte Abgas-Limit um das bis zu 40-Fache übertroffen werden kann. Dieses verbotene System nämlich führt bei späteren Abgaskontrollen zur Ermittlung falscher Prüfwerte: Sobald das Auto auf Prüfstand ist, schaltet der Motor auf „umweltfreundlich“ und der Ausstoß der Stickoxide wird verringert. Somit werden die strengen Abgasnormen zwar während der Testphase erfüllt – nicht jedoch im normalen Straßenverkehr.

Im Alltag stoßen die betroffenen Fahrzeuge viel größere Mengen an Schadstoffen aus, als erlaubt ist. Auch in Europa wurde eine Vielzahl an Fahrzeugen des Konzerns mit dieser Software ausgestattet. Damit stellen VW-Autos eine große Gefahr für die Umwelt dar.

Was bedeutet das konkret für die Umwelt und für unsere Gesundheit?

Stickoxide und Feinstaub in Dieselabgasen sind nach wie vor ein großes Problem. Sie schädigen das Klima, die Umwelt und unsere Gesundheit.

Die Vegetation auf unserer Erde reagiert zum Beispiel sehr sensibel auf veränderte Stickoxid-Konzentrationen. Ist die Konzentration zu hoch, wachsen Pflanzen schlechter und bringen einen geringeren Ertrag. Ebenso trägt der Stoff zur Versauerung und Überdüngung von Böden und Gewässern bei.

Hinsichtlich unserer Gesundheit reizen Stickoxide die Schleimhäute der Augen und der Atemwege. Husten sowie Atem- und Augenbeschwerden können auftreten und stellen vor allem für Asthmatiker ein großes Problem dar. Ist die Konzentration zu hoch, kann sogar das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen steigen. Auch Kopfschmerzen und Schwindel sind Folgen zu hoher Stickoxid-Konzentrationen. Nicht zuletzt ist auch der Feinstaub aus Dieselmotoren für unsere Gesundheit gefährlich. Denn die Partikel sind so klein und leicht, dass sie nach dem Ausstoß nicht zu Boden sinken, sondern durch die Luft schweben und von uns eingeatmet werden. Dadurch können sie unsere Schleimhäute reizen und für Atemwegserkrankungen sorgen.

Dass dementsprechend ein Grenzwert gilt, der vorschreibt, wie viel Stickoxid pro Kilometer ausgestoßen werden darf, ist für unsere Umwelt und unsere Gesundheit unheimlich wichtig.

Welche Folgen hat das nun für VW?

Ein VW-Auto mit TDI-Motor, sprich: Diesel.

Zu Beginn des Skandals wusste man von circa 500.000 Autos, die von dieser Manipulation betroffen sind. Inzwischen ist von elf Millionen verfälschten Fahrzeugen die Rede. Die Dunkelziffer wird jedoch nach wie vor weitaus höher sein. Sollte nun bei jedem Einzelnen dieser Fahrzeuge Verstöße gegen die Umweltauflagen festgestellt werden, könnte der Konzern mit einer Strafzahlung in Milliardenhöhe rechnen.

Bislang wurde aber von der EPA keine Strafe ausgesprochen, da auch das Ausmaß des Skandals noch unklar ist. Der Konzern wurde jedoch dazu aufgefordert, Untersuchungsprozesse einzuleiten und die Abgassysteme dieser Autos zu reparieren. Zusätzlich kommen auf den Konzern weitere Kosten zu, da VW jedes betroffene Auto zurücknehmen und dafür die Kosten tragen muss.

Wieso lässt sich Volkswagen auf so etwas ein?

Womöglich versuchte Volkswagen auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen und für ihren „Clean Diesel“ zu werben, um so den Konzern weltweit weiter etablieren zu können. Darüber hinaus wären die Kosten für einen VW vermutlich zu hoch gewesen, wenn man sie mit der korrekten Ausstattung versehen hätte, anstatt eine günstigen Software einzubauen, die einen verfälschten Emissionswert anzeigt.

Es wird jedoch auch vermutet, dass sich nicht nur Volkswagen auf solche Manipulationen eingelassen hat. Deshalb wurden nun weitere Untersuchungen ins Rollen gebracht, in denen auch andere Konzerne genauer unter die Lupe genommen werden sollen.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Konzernchef Martin Winterkorn bat bereits am Dienstag um Entschuldigung und kündigte ausgiebige Untersuchungen an. Mittlerweile ist er von seinem Amt zurückgetreten.
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat inzwischen eine Untersuchungskommission eingesetzt, die noch diese Woche nach Wolfsburg reisen soll. Diese Kommission soll prüfen, ob die betroffenen Fahrzeuge den deutschen und europäischen Richtlinien entsprechen oder auch hier Missstände auftreten. Des Weiteren ermittelt nun das US-Justizministerium gegen den Wolfsburger Konzern in Zusammenarbeit mit der New Yorker Staatsanwaltschaft.

Inzwischen wird ebenso vermutet, dass neben Volkswagen auch andere Konzerne die Abgaswerte manipuliert haben könnten und das nicht nur in den USA. So geriet zum Beispiel nun auch der Autohersteller BMW unter Verdacht. Sollte das der Fall sein, könnte die Marke „Made  in Germany“ seinen guten Ruf verlieren.

 

Update 30.09.:

Mittlerweile ist der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller das neue Oberhaupt des Volkswagen-Konzerns und damit Nachfolger Martin Winterkorns. Mehrere VW-Mitarbeiter sind bereits beurlaubt worden, die an der Entwicklung der Software beteiligt gewesen sein sollen, darunter sind vorrangig Entwickler und Manager des Konzerns. Auch für Martin Winterkorn hat der Spuk nach seinem Rücktritt als VW-Chef noch kein Ende: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitete ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein. „Betrug durch den Verkauf von Autos mit manipulierten Abgaswerten“, lautet der Vorwurf. Auch die Produktion in Salzgitter, in einem der größten Motorenwerke der Welt, wurde mittlerweile zurückgefahren. Ob und inwiefern Volkswagen diese Krise bewältigen wird, lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich erahnen.

Text: Daniel Korenev
Teaserfoto: Flickr-User Santosh Puthran, flickr.com, (CC BY 2.0)
, bearbeitet
Fotos: Flickr-User Kārlis Dambrāns, flickr.com, (CC BY 2.0) / Flickr-User TexasGOPVote.com, flickr.com, (CC BY 2.0)
 

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