SPIESSER Bildungsweg

Studiengang: Welt retten

Du kannst die Welt vielleicht nicht im Alleingang retten, aber einen Studiengang wählen, mit dem du sie ein Stückchen besser machen kannst. Und dafür musst du nicht unbedingt Entwicklungshelfer, Arzt oder Politiker werden.

30. Januar 2020 - 08:00
SPIESSER-AutorIn Dana Marie.
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Dana Marie Offline
Beigetreten: 01.07.2019


Leila, Foto: privat
Laila, 23, beendet gerade ihren Meteorologie-Master in Hannover

Warum dieser Studiengang?

Als der Klimawandel immer mehr in den Fokus rückte, zogen mich die Nachrichten und Reportagen darüber besonders in den Bann. Ich fand es ungerecht, dass die, die am wenigstens für den Klimawandel können, am meisten davon betroffen sind: Vor allem Kinder oder Länder im globalen Süden, die von Extremereignissen am stärksten betroffen und so vulnerabel sind, dass sie sich daran gar nicht anpassen können. Ich denke, wenn man eine Veränderung sehen möchte, sollte man versuchen, diese auch herbeizuführen. Mich interessiert inzwischen am meisten die Klimaanpassung: Wie kann man Gesellschaften, Bevölkerungen und Länder besser an den Klimawandel anpassen, damit die Konsequenzen nicht so stark ausfallen?

Was beinhaltet das Studium?

Mathe und Physik, einführende und später theoretische Meteorologie, Wolkenpyhsik und Klimatologie, Versuchspraktika wie ein Physikpraktikum und ein Instrumentenpraktikum, Agrarmeteorologie und vieles mehr.

Dein Studiengang im Zusammenhang mit aktuellen Problematiken:

In meiner Masterarbeit geht es um Klimawandelprojektionen. Ich untersuche, wie sich Niederschlag und andere meteorologische Parameter im Tschadseebecken in Westafrika, eine der ärmste Regionen auf der Welt mit einer teilweise sogar gravierenden Hungersituation, verändern. Meine Masterarbeit soll eine Hilfestellung für das Grundwassermanagement sein. Ich schaue dabei zum Beispiel auch, wie sich die Wachstumsperiode von Pflanzen verändert: Wie viele Tage im Jahr kann in dieser Region eine Pflanze wachsen? Daraus kann man ablesen, was man dort anbauen kann – sehr wichtig für die Landwirtschaft dort.


Marvin, Foto: privat
Marvin, 27, studiert Geografie im 5. Semester in Hamburg

Was beinhaltet das Studium?

Unter anderem: Physische Geografie wie Plattentektonik, Vulkanismus, Geomorphologie, Vegetation, Klimawandel, Anthropogeografie, auch Humangeografie genannt, darunter Wirtschafts- und politische Geografie und Stadtgeografie.

Dein Studiengang im Zusammenhang mit aktuellen Problematiken:

Im nächsten Semester findet ein Studienprojekt im Wattenmeer statt, bei dem Bodenproben entnommen und auf Mikroplastik untersucht werden. Außerdem habe ich mich viel mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Gletscher beschäftigt. Interessant: Durch den Feinstaub, der sich auf den schneebedeckten Gletschern ablagert, entstehen dunklere Schichten, wodurch die hohe Albedo des Schnees – die Reflexionsfähigkeit des Schnees – reduziert wird. Es wird mehr Licht absorbiert. Dadurch erwärmt sich die Oberfläche und der Schnee schmilzt stärker. Wenn der Schnee weg ist, greift das Sonnenlicht den Gletscher direkt an. Die vergletscherten Hochgebirge werden auch „Wassertürme der Erde“ genannt, denn sie sind die Wasserquelle für viele Regionen der Erde. Wenn diese schmelzen, fehlt die Wasserversorgung und dies hat dramatische Folgen für die Menschheit.

Berufsaussichten:

Ich möchte in Richtung Klimageografie gehen. Man kann auch Stadtplanerin oder Stadtplaner werden, in der Forschung, bei NGOs, im Ressourcenmanagement oder im ökologischen Tourismus arbeiten.


Philipp, Foto: privat
Philipp, 32, hat einen Bachelor in Sozialwissenschaften und macht nun seinen Master in Düsseldorf

Was beinhaltet das Studium?

Politikwissenschaften, Soziologie sowie Kommunikations- und Medienwissenschaften.

Dein Studiengang im Zusammenhang mit aktuellen Problematiken:

In einem Lehrforschungsprojekt konnten wir länderübergreifende Zusammenhänge zwischen Wohlstand, Wertvorstellungen und Umweltbewusstsein feststellen. Zum Beispiel: Materiell abgesicherte Menschen entwickeln eher ein gewisses Maß an Umweltbewusstsein. Es verwundert nicht, dass von bitterster Armut betroffene Menschen hingegen sich zuerst um das eigene Wohlergehen kümmern. Solche Erkenntnisse sind in der Entwicklungspolitik von Nutzen. In meiner Bachelorarbeit ging es um Diskrepanzen zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten: Wieso handeln Menschen umweltschädlich, obwohl sie vermeintlich umweltbewusst sind und umgekehrt. Die Sozialwissenschaften können zum Verständnis gesellschaftlichen Wandels beitragen und auf die Mechanismen hinweisen, die zu einer umwelt- und klimafreundlicheren Transformation führen können. Auch zur medialen Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen können sie beitragen: Wir analysieren, welche Personengruppen über welches medial vermittelte Wissen zum Klimawandel verfügen. Dann wird ermittelt, welche Zusammenhänge zwischen jenem Wissen und dem sozio-ökonomischen Hintergrund bestehen, um bei der Entwicklung von „schichtspezifischen“ Formaten zu helfen.

Berufsaussichten:

Von Politik und Verwaltung über Bildung, Grundsatzarbeit und Strategieplanung in Unternehmen, Parteien, Verbänden, … Tätigkeiten in der Forschung, bis hin zur Markt- und Meinungsforschung.


Rebecca, Foto: privat
Rebecca, 28, hat kürzlich ihren Master in International Marketing und Media Management beendet

Was beinhaltet das Studium?

International Management, International Financial Management, Controlling, Communication, Advertising, Media Management, Business and Media Law, Medienproduktion, Führungskompetenz, Ethik, Interkulturelles Management.

Dein Studiengang im Zusammenhang mit aktuellen Problematiken:

Man kann sich den Studiengang zunutze machen und damit nachhaltig arbeiten, auch wenn man in der Hinsicht nicht direkt ausgebildet wird. Bei der Wahl des Unternehmens für meine Masterarbeit habe ich versucht, einen Job zu finden, in dem ich das Gelernte mit Nachhaltigkeit verbinden kann. Ziel der Masterarbeit war die Entwicklung eines Markteintrittskonzept für das erste nachhaltig produzierte Produkt des Lebensmittelunternehmens. Viele Produkte werben nur damit, nachhaltig zu sein. Oder gehen nur auf die Aspekte ein, die der Konsument als nachhaltig empfindet, wie Regionalität oder saisonale Produkte. Man muss allerdings schauen, ob die Produkte echt nachhaltig sind. Man muss die CO2-Bilanzen verschiedener Produktvarianten vergleichen und schauen, welche wirklich nachhaltig ist, auch wenn es für Werbezwecke nicht so erscheint. In meiner Masterarbeit geht es um ein Produkt, das wir aus dem Ausland importieren und das nicht regional ist. Wir haben festgestellt: Wenn man den CO2-Ausstoß von Transportwegen, sei es Schiff oder Flugzeug, gegenrechnet, hat das ausländische Produkt eine wesentlich geringere CO2-Bilanz, als wenn es regional hergestellt wird. Das liegt an den umweltfreundlicheren Produktionsbedingungen im Ausland. Meine Aufgabe ist es, zu kommunizieren, dass dies die nachhaltigere Variante ist.

 

Text von Dana Marie Weise, 28, wohnt in Köln und arbeitet als freie Autorin für Print, Online und TV. Website: danamarieweise.de
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