Titelverteidiger

Wandeln zwischen Extremen

Im Februar kam das neue Album von Kat Frankie „Bad Behavior“ raus. SPIESSER-Autor Paul hat sich mit ihr getroffen und über ihren außergewöhnlichen Werdegang gesprochen.

11. April 2018 - 13:59
SPIESSER-Autor PaulausMdorf.
Deine Bewertung bewertet mit 5 5 basierend auf 1 Bewertungen
PaulausMdorf Offline
Beigetreten: 18.05.2016

Paul: Ich habe gelesen, dass du schon extrem früh angefangen hast Songs zu schreiben. Mit sechs Jahren! Ist das richtig?

Kat: Früher sogar schon! Also schreiben konnte ich natürlich nicht wirklich, aber es gibt Tapes aus den Achtzigern. Meine Mutter hat Briefe an meine Großmutter geschickt, sie hat sie aber nicht geschrieben, sondern aufgenommen und sie wollte, dass ich immer etwas für meine Oma singe. Anstatt dann irgendein Lied zu singen habe ich dann selber Texte gebastelt und gesungen. Ich wollte immer nur meine eigenen Lieder singen.

Du hast dir auch selbst Gitarre spielen beigebracht. Würdest du sagen, dass du eine Art musikalisches Wunderkind warst?

Das mit der Gitarre kam ja erst sehr spät, ich war 17 oder so. Ich war also ziemlich spät dran. Ich würde sagen ich bin sehr autodidaktisch und kein Wunderkind.

Durch deine Familie hast du sehr viel Folk-Einfluss gehabt. Welche Musiker haben da für dich besonders hervorgestochen?

Das stimmt! Ich bin mit der Plattensammlung meiner Mutter aufgewachsen. Mit sehr viel Simon & Garfunkel. Das ist sehr melodische Musik mit akustischen Gitarren. Aber als Teenager habe ich dann sehr viel R&B gehört. TLC, Boys to Men, New Jack Swane. Solche Sachen. Meine Musik ist eine sehr komische Mischung aus all diesen Einflüssen.

Ist das die Musik, die du heute auch noch privat hörst?

Aktuell höre ich wieder mal TLC und Mary Jay Blade aber auch Whitney Houston. Ich bin dabei aber nicht nur am Songwriting, sondern auch an der Produktion interessiert.

Dein neues Album ist im Februar rausgekommen. Gab es da ein spezielles Konzept, dass du verfolgt hast?

Zum einen sind es einfach neue Songs. Früher wollte ich immer, dass alles ernst genommen wird und man darüber nachdenkt, was ich singe. Ich mag es, diese Lieder zu schreiben aber diesmal habe ich mir gedacht: Ach egal, ich mache einfach, was ich will! So sind dann einige eher poppige Lieder entstanden.

Wie du selbst gerade gesagt hast, sind deine Songs eine interessante Mischung. Zum Beispiel „Forgiveness“ und „Home“ sind zwei sehr unterschiedliche Stücke. Der eine Song ist sehr melancholisch, beinahe psychedelisch und der andere voller harter Gitarren. Würdest du selbst sagen, dass du eher der gedankenvolle oder der Hau-drauf-Typ bist?

Ich bin ein bisschen von Beidem. Es ist ein vielfältiges Album mit Extremen. Was soll ich dazu sagen? (lacht)

Was ist die Story hinter diesen beiden „extremen“ Liedern?

Bei „Forgiveness“ geht es um Party-Kids in Berlin und Paris. Es ist ein sehr melancholisches Stück. Angefangen hat es als ein Experiment mit einem Synthesizer. Es gibt dieses elektronische Gefühl, aber eben auch Melancholie. Ich habe dabei an junge Party-Kids gedacht.

Bei „Home“ war ich einfach nur total verärgert! Von dem ganzem f****** S** in den letzten Jahren. Wie kann man das beschreiben? Es gab in den letzten Jahren sehr große Bewegungen, wie „Black Lives matter“ oder „Marriage-Equality“, aber es gibt auch so viel Hass im Internet und in Person. Ich hatte einfach genug und darüber habe ich ein Lied geschrieben.

Schreibst du deine Songs immer aus Stimmungen heraus oder wann bist du am kreativsten?

Es ist so unterschiedlich! Manchmal ist es einfach nur ein Sound. Manchmal ein Satz, den jemand zu mir gesagt hat und der hängen geblieben ist. Ich verstehe selbst nicht, wie es funktioniert. Es gibt da nicht „die Stimmung“. Es gibt einen Kern und dann ist da plötzlich ein Lied geboren.

In welchen Situationen sollte man deine Musik hören?

Auch das ist ganz unterschiedlich! (lacht) Wie alles bei mir. Es gibt Songs, die man am besten zu Hause über Kopfhörer hören sollte und es gibt Songs „to party“. Meine älteren Stücke gehen mehr in die nachdenkliche, melancholische Stimmung, sie sind eher Balladen. Bei dem neuen Album habe ich mir gesagt: Die Leute sollen auf den Konzerten feiern können und mehr tanzbare Musik gemacht. Ich denke es ist ein Auftrag, alles zusammen zu bringen.

 

„Bad Behaviour“

VÖ: 02.02.2018
Label: Groenland Records

Wenn ihr wissen wollt, wie SPIESSER-Autorin Maire „Bad Behaviour“ gefallen hat, dann gehts für euch jetzt zum Abgehört!

 

 

Text: Paul Hilliger
Bildmaterial: Christian Schneider

Dir gefällt dieser Artikel?

Kommentare

Trau' dich, schreib einen Kommentar!
Mehr zum Thema „Titelverteidiger
  • Helen16
    Titelverteidiger

    Abgehört: Tina Dico – Fastland

    Mit ihrem zweiten Album überzeugt die dänische Sängerin und Songwriterin Tina Dico durch einfühlsame Harmonien und poetische Texte, die anregen, sich Zeit zur Reflektion zu nehmen.

  • Noe_SB
    Titelverteidiger

    Abgehört: The Paper Kites – On the Corner where you live

    Sam Bentley, Christina Lacy, Dave Powys, Josh Bentley und Sam Rasmussen: Sie alle bilden „The Paper Kites“. Eine Band, die sehr gerne Musik macht, denn in diesem Jahr bringen sie sogar insgesamt zwei Alben raus: Nach „On the train ride home“ folgt am 21. September 2018 das Mid-Tempo-Album

  • MarvinGra
    5
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: DOTA – Die Freiheit

    DOTA hat einen neuen Keyboarder, ein neues Album wird released und es gibt einen neuen Proberaum. Genug Gesprächsstoff also, um Dota Kehr aus ihren Tourvorbereitungen zu reißen und das neue Album abzuklopfen. Denn während drinnen weitergeprobt wird, spricht die 39-Jährige mit SPIESSER-Autor

  • cana
    5
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: Alligatoah – Schlaftabletten, Rotwein V

    Er hat die unbegründete Angst, dass ihm jemand im Schlaf die Fußnägel lackiert, und gurrende Tauben sind für ihn Zuhause-Indikatoren. Um wen es geht? Um Alligatoah (aka „Flinte“) natürlich und sein neues Album „Schlaftabletten, Rotwein V“, das am 14.9.2018 erscheint.

  • Anzeige
    sophielorraine.senf
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: Tonbandgerät – Zwischen all dem Lärm

    „Zwischen all dem Lärm“ ist Tonbandgeräts drittes Album und erzählt vom Aufbruch in eine Zeit des Erwachsenwerdens, Reflektierens und Ankommens. Warum sie als Band plötzlich ernster sind, den Lärm noch immer ganz gerne mögen und Tinder eher abschreckend finden,

  • Kalendermensch
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: Clueso – Handgepäck I

    Der Sänger Clueso isst Sushi, als SPIESSER-Autor Vincent ihn zu seinem neuen Album „Handgepäck I“ telefonisch interviewt. Die Platte ist intensiv, da sie Songs versammelt, die allesamt auf Reisen entstanden sind. Mit vollem Mund erzählt Clueso vom XL-Reisen, funktionierender

  • mori-rau
    5
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger:
    BENNE

    Sein neues Album handelt von Vertrauen, Menschen und deren Beziehungen zueinander. Singer-Songwriter BENNE wagt sich auf eine emotional-musikalische Reise und findet schlussendlich am verletzlichsten Punkt zu sich selbst.

  • Alaniel
    Titelverteidiger

    Abgehört: Jazzanova

    Ein Album, das deutlich macht, was aus Liebe zur und Spaß an der Musik entstehen kann: ein bunter Mix mit zwölf unterschiedlichen Gastkünstlern und genauso vielen verschiedenen musikalischen Einflüssen. „The Pool“ ist nach zehn Jahren ein absolut gelungenes Comeback der

  • Jasmin Nighaoui
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    Árstíðir

    Árstíðir? Klingt das nicht wie ein schwedisches Möbelstück oder wie ein holländischer Käse? Ist es aber nicht. Árstíðir ist eine außergewöhnliche Band, die auf Deutsch „Jahreszeit“ heißt und von SPIESSERin Jasmin abgehört wurde.

  • whityhumbuk
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    Granada

    Die Grazer Band „Granada“ hat mit ihrem Debütalbum gute Laune vertont. Die Nachfolgerplatte „Ge bitte“ klingt sowohl verspielter als auch ernster und macht trotzdem glücklich. SPIESSER-Autorin Anh hat sich die Platte angehört.

  • VeryMary94
    Titelverteidiger

    Abgehört: Fantastic Negrito

    Fantastic Negrito, der mit bürgerlichem Namen Xavier Dphrepaulezz heißt, ist nicht nur ein autodidaktischer Musiker, sondern auch ehemaliger Dieb und Dealer, Barbesitzer und Mitbegründer des kalifornischen Kollektivs „for struggling black artists“. Die Musik auf „Please

  • breakfastatspiesser
    5
    Titelverteidiger

    Abgehört: Blackout Problems

    Schon der Bandname verrät: Diese vier Münchner lassen es ordentlich krachen. Mit englischen Texten und innovativem, rockigen Sound, präsentieren sie ihr neues Album „Kaos“. SPIESSERin Rebekka hat es sich vorab für euch angehört.

  • Noe_SB
    5
    Titelverteidiger

    Abgehört: Leon Vynehall

    Der britische Musiker und Produzent Leon Vynehall kehrt zwei Jahre nach seinem letzten erschienenen Werk „Rojus“ mit „Nothing is Still“ zurück. SPIESSERin Noelia hat sich mit dem Album der etwas anderen Art auseinandergesetzt.

  • VeryMary94
    5
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger:
    Milliarden

    Sie sind schon extrem aufgeregt, weil ihr neues Album am 1. Juni erscheint. Nach einem „Tag, wo alles dabei war“ haben sich Ben und Johannes von der Formation „Milliarden“ an das Berliner Spree-Ufer gechillt und sich den kniffligen Fragen unserer SPIESSER-Autorin Marie hingegeben.

  • VeryMary94
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger:
    Madsen

    Auf den Punkt gebracht, bodenständig und trotzdem lyrisch sind die Texte von Madsen. Der Sound: unvergleichlich. Das Cover des neuen Albums: genial. Das neue Album: geil. SPIESSER-Autorin Marie hat Sebastian Madsen telefonisch auf einem Parkspaziergang begleitet und erfahren, was hinter dem neuen

  • VanessaJason
    5
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    Samuel Hope

    Das Debütalbum „OTHER MAN“ des Amerikaners Samuel Hope überzeugt nach dem Motto „Weniger ist mehr“ – Mit oftmals lediglich dezenter Musik begleitet, steht die Stimme im Vordergrund und erzählt seinen Zuhörern von Liebe und Schmerz. Ein echter Geheimtipp

  • strumpfmitloch
    Titelverteidiger

    Abgehört: Danger Dan

    Viele Menschen schreiben Tagebücher, um Erlebtes zu verarbeiten. Danger Dan geht einen anderen Weg: Er machte eine Therapie und produzierte ein Album. Am 1. Juni erscheint „Reflexionen aus dem beschönigten Leben“. SPIESSERin Jana hat für euch reingehört.

  • TheresaMarie
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    Destination Anywhere

    Mit deutschen und englischen Texten und den klassischen Rockinstrumenten erweitert durch Blasinstrumente sorgt das neue Album „Bomben“ durchgängig dafür, dass man seinen Fuß nicht stillhalten kann – findet jedenfalls SPIESSER-Autorin Theresa.

  • Alaniel
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    Henrik Schwarz

    Am 25.Mai erscheint Henrik Schwarz’s neues Album „Scripted Orkestra“ in Kooperation mit dem Metropole Orkest: ein einmaliges Konzept, das funktioniert, findet SPIESSER-Autorin Annika.

  • nicohaji
    Titelverteidiger

    Abgehört: Paul Kalkbrenner

    Nach einer langen Pause meldet sich Paul Kalkbrenner mit frischen Techno-Sounds zurück. Das Ergebnis ist ein erstaunlich ehrliches Album – ohne viel Schnickschnack. SPIESSER-Autor Nico hört gerne hin.

  • Onlineredaktion
    Titelverteidiger

    Festivalkalender

    Mal klein, mal groß, mal um die Ecke und mal weiter weg: Einiges davon, was im Sommer an der Festivalfront so ansteht, haben wir hier für euch gesammelt. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, dafür aber mit der tollen Möglichkeit, Festivaltickets abzusahnen.

  • Leamarie25
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    Jarle Skavhellen

    Es fühlt sich an wie ein gemütlicher Nachmittag, an dem man bei einem Tee mit einem guten Freund in der Küche sitzt und stundenlang über die Welt redet. Der norwegische Singer-Songwriter Jarle Skavhellen schafft mit seinem Debütalbum eine ganz besondere Stimmung, ohne viel TamTam,

  • I'mSimon
    5
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    Middle Kids

    Middle Kids? Für viele von euch vermutlich musikalisches Neuland. Warum das Trio einen Ausflug nach Australien wert wäre, weiß SPIESSER-Praktikant Simon.

  • Valentina Schott
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    Yan Wagner

    In seinem zweiten Album nimmt uns Yan Wagner mit auf eine Zeitreise – aber nicht in die Zukunft, wie man es angesichts der futuristischen Klänge des Titelsongs denken könnte, sondern in die Jazz- und Popszene der 70er und 80er Jahre.

  • VeryMary94
    Titelverteidiger

    Pogo zu Akustikmusik: Monsters of Liedermaching

    Die Monsters sind auf Tour durch Deutschland. Eine Band, viele Gitarren, mehrere Stimmen und viele Stile aber vor allem – ganz viel Humor. SPIESSER-Autorin Marie besuchte ein Konzert der sechs liedeslustigen Typen und ging komplett begeistert nach Hause.

  • Lea Sophie
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    Ego Super

    Ego Super sind auf großer Mission! Ab 20. April wollen die drei Diplom-Psychologen Daniel, Pit und Xaver mit ihrem Album „Ego Politur“ musikalisch das Land therapieren. Bei SPIESSER-Autorin Lea schlägt die Behandlung bereits an.

  • Em
    5
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    MATU

    Ein Vorort von Stuttgart, dieselbe Schule und eine Leidenschaft für Musik – das vereint die drei Jungs Mario, Max und Thomas. Schon als Schulband spielten sie immer nur deutsche Popmusik. Mit Timo und Daniel sind die Jungs nun komplett und starten mit ihrem Album „Alles was bleibt“

  • PaulausMdorf
    Titelverteidiger

    Abgehört: Bad Stream

    Wenn man einsam unter Millionen auf den Wogen des World Wide Web dahinschwebt, liefert „Bad Stream“ die perfekten Gänsehautmomente. Am 6. April erscheint das Solo-Debüt-Album des Gitarristen Martin Steer und seiner Maschinen.

  • whityhumbuk
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    Wolfgang Müller

    Drei Jahre hat Wolfgang Müller für sein neues Album „Die sicherste Art zu reisen“ gebraucht. Darin hat er einiges anderes gemacht und wird das erste Mal in seiner musikalischen Laufbahn auffallend politisch. SPIESSER-Autorin Anh hat reingehört und eine moralische Stütze

  • PaulausMdorf
    Titelverteidiger

    Abgehört: Tom Misch

    Multiinstrumentalist, Mädchenschwarm und neuer Stern am … Jazz? Pop? House? ... Rap?!–Himmel. Tom Misch hat mit 22 Jahren seinen ganz eigenen Sound gefunden, der von SPIESSER-Autor Paul als absolut hörenswert befunden wurde!