SPIESSER Beschäftigungstherapie

Zwischen Fangesang und dem perfekten Motiv

Eine ganz neue Erfahrung wartet auf den 17-jährigen Samuel Grösch – als Sportfotograf darf er in der Ersten Fußball-Bundesliga Linienluft schnuppern und berichtet für SPIESSER.de hautnah von der Partie zwischen Hoffenheim und dem großen FC Bayern München – einzigartige Bilder inklusive.

02. Mai 2015 - 12:47
SPIESSER-AutorIn samuel.groesch.
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samuel.groesch Offline
Beigetreten: 24.04.2015

Das Navi zeigt noch 10 Kilometer bis zur Arena. Heute ist Samstag – für mich kein normaler Samstag. Denn heute, am 29. Spieltag der 1. Bundesliga, trifft in der Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim die Mannschaft von 1899 Hoffenheim auf die des FC Bayern München. Und ich werde dieses Topspiel als Fotograf begleiten. Na klar, meine Vorfreude ist in den letzten Wochen ins fast Unermessliche gestiegen. Natürlich war ich schon mal im Stadion – aber noch nie so nah am Spielfeld und direkt am Geschehen.

Ankunft an der Arena

Schon vor Spielbeginn sind die Fotografen hinter
dem Hoffenheimer Tor beschäftigt bei vielen
Torschüssen haben sie noch mehr zu tun.

Noch eine halbe Stunde bis zum Spiel: Kaum ist das Stadion zu sehen, kommt auch schon eine unendlich scheinende Masse an Autos zum Vorschein, die sich im Stop-&-Go-Tempo Richtung Arena bewegt. Glücklicherweise erhält man als Fotograf einen Parkplatz direkt am Stadion, sodass ich meine Ausrüstung nicht ganz so weit schleppen muss.

Am Presseeingang hole ich einen Fotografenausweis ab, den jeder Fotograf im Innenbereich tragen muss. Im Anschluss heißt es: Platzsuche. Über den Seiteneingang gelangt man direkt an den Rasen und platziert sich dort an einem geeigneten Ort. Mein Equipment stelle ich an der Bande zwischen anderen Fotografen ab und muss erstmal die Arena auf mich wirken lassen. Vom Innenraum aus erscheint das mittlerweile schon recht gut gefüllte Stadion noch mal deutlich größer als von den Tribünen aus.

Nur kurz nachdem ich meine Kamera ausgepackt und aufgebaut habe, kommen auch schon die ersten Spieler der Mannschaften von Hoffenheim und Bayern München auf das Spielfeld. Ich positioniere mich nah am Spielertunnel, um möglichst gute Bilder von den hereinkommenden Mannschaften zu knipsen. Während sich die Spieler aufwärmen, wird mir klar, dass hier kein Platz mehr frei bleiben wird. Bewegen kann ich mich während des Spiels übrigens frei an der Außenlinie – nur der Mannschaftsbereich ist tabu.

Kamera bereit, der Ball rollt, auf geht’s!

Hoffenheim kann Bayerns Thomas Müller nur auf
diese Art vom Ball trennen.

Und kurz vor halb vier ist es dann soweit – die Schieds- und Linienrichter sowie die beiden Mannschaften laufen ein. Nur ein kurzes Gruppenbild und schon wird das Spiel pünktlich angepfiffen.

Die Dominanz der Bayern ist von Anfang an zu spüren. Die Münchner drücken das Spiel deutlich in die Hoffenheimer Hälfte. Um unter diesen Umständen gute Bilder zu schießen, ist eine Position am Hoffenheimer Tor von Vorteil. Hier entstehen die meisten actionreichen Szenen, die man als Fotograf gerne auf die Speicherkarte bannen möchte.

Eine riesige Möglichkeit in der 29. Minute lässt die Anhänger von Hoffenheim aufspringen. Antony Modeste läuft allein auf Neuer zu, doch der Nationalkeeper kann den Schuss halten. Nur langsam wird es auf der Südtribüne wieder ruhiger: Solche Chancen bekommt man nicht oft. Nachdem die missglückte Möglichkeit fotografisch festgehalten ist, geht es selbstverständlich daran, die Emotionen der Fans aufzunehmen. Nach solchen Situationen entstehen häufig die besten Motive!

Galerie

In der
Ersten
Bundesliga
trifft Hoffenheim
auf die Bayern

Knipsen, knipsen und nochmals knipsen

Tatsächlich gelingt es Sebastian Rode in der 38. Minute, die Überlegenheit der Bayern in ein Tor umzusetzen. Ein Schuss von der Strafraumgrenze ist unhaltbar für den Hoffenheimer Torwart Baumann. Der Jubel im Bayern-Block kennt keine Grenzen. Sogar Rauchfackeln werden gezündet – was natürlich verboten ist und bei den zahlreichen Fotografenkollegen für Unmut sorgt, die aufpassen müssen, dass die teuren Objektive vom Rauch nichts abbekommen. In die Halbzeitpause geht es beim Stand von 1:0 für die Bayern.

Alle Berufsfotografen sind ziemlich beschäftigt und arbeiten mit Laptop am Spielfeldrand, um schon während des Spiels die ersten Bilder hochladen und an Bildagenturen schicken zu können. Auch sonst achtet eher jeder darauf, dass er persönlich das beste Bild schießt. Viel sprechen wir Fotografen nicht miteinander.

Nach der Pause schlägt die Stimmung in der Südkurve der Hoffenheimer um. Mit Sprechchören beleidigen sie das Gast-Team aus München. Auf dem Spielfeld geht es unterdessen heftig her – sechs gelbe Karten werden gezückt. Zwar dominiert der FCB nicht mehr so, aber auch die Hoffenheimer erarbeiten sich keine Chancen. Und so kommt es, dass sich 1899 Hoffenheim und der FC Bayern München nach einem unglücklichen Eigentor von Andres Beck in der 90. Minute mit einem Endspielstand von 0:2 trennen.

Kein Feierabend nach Spielende

Bei der anschließenden Pressekonferenz bewertet
Bayerns Coach Pep Guardiola das Spiel.

Nach dem Abpfiff gehen die meisten Zuschauer nach Hause. Erstaunlich wie schnell sich das Stadion leert. Die Hoffenheimer Spieler bedanken sich noch bei ihren Fans, verlassen dann aber auch den Platz Richtung Kabinen.

Doch der Arbeitstag für Fotografen und Journalisten ist noch lange nicht beendet. Alle packen ihr Equipment zügig zusammen und wechseln den Standort in den Medienbereich des Stadions. Hier geben einige Spieler nach kurzem Zwischenstopp in den Kabinen Interviews zum Spielverlauf. Auch die Pressekonferenz mit Markus Gisdol und Pep Guardiola, den Trainern von 1899 Hoffenheim und dem FC Bayern München, geht recht bald nach Spielende los. Journalisten und vor allem Fernsehvertreter stellen hier ihre Fragen. Natürlich ist auch das wichtige Spiel der Bayern gegen den FC Porto ein Thema. Und für das Bildmaterial sorgen selbstverständlich wir Fotografen.

Der erste Besuch eines Bundesligaspiels als Fotograf war für mich ein absolut beeindruckendes Erlebnis. Ich konnte in viele Bereiche einen Blick werfen, die bei einem normalen Stadionbesuch verschlossen bleiben. Besonders überrascht hat mich, wie nah man an die Spieler herankommt. Was das für mich bedeutet? Den Fotografenpass für das nächste Heimspiel von 1899 Hoffenheim – gegen Borussia Dortmund – habe ich auch gleich beantragt.

Text & Fotos: Samuel Grösch

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Kommentare

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