SPIESSER Beschäftigungstherapie

Aus dem
Tagebuch
eines Sportmuffels

Ohne Fleiß bekanntlich kein Preis. Gerade wenn es um unsere Fitness geht, müssen wir uns dahinterhängen, am (Sport-)ball bleiben und Rocky-like durch die Gegend schwitzen. SPIESSER-Autorin Kathrin hat sich mit guten Vorsätzen am Jogging ausprobiert – hier ihr Weg der Selbsterkenntnis.

12. März 2015 - 15:20
SPIESSER-Autorin Downtowngirl.
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Downtowngirl Offline
Beigetreten: 04.02.2012

Es ist Februar. Meine Vorsätze fürs neue Jahr sind noch frisch und der Gedanke an ein sportliches, fittes Leben verführerisch. Zur Umsetzung des Plans meines neuen Selbst hab ich beschlossen, mich der beliebtesten deutschen Freizeitsportart zu widmen und dabei so richtig durchzustarten.

Wo ein Wille ist…

Darf bei keiner Jogging-Erfahrung fehlen:
Die Running-App.

Foto: N i c o l a  (CC BY 2.0)

1. Februar
Das wird spitze! Ich fühl mich so motiviert und sportlich – während ich das hier tippe, ess‘ ich sogar eine Schüssel #overnightoats. Obwohl die wie der Babybrei aus dem Gläschen schmecken. Aber die geben mir sicher gleich richtig Power für meinen ersten Run. Run, so nennen das die hippen Instagram-Mädels, die jeden Tag vor dem Frühstück ihre Runtastic-Statistik posten. Nee, is klar, läppische 10 Kilometer vor dem ersten Kaffee… wer wünscht sich das nicht? Bald schaff ich das auch – wenn auch garantiert erst nach dem Koffeinschub.

2. Februar
Wow! Ich hab heute quasi meinen ersten 5 Kilometer Lauf hinter mich gebracht. Ist echt nicht so schlimm. 2,5 Kilometer hin und 2,5 zurück. Na gut, ich hab abgerundet. Bei 5 darf man doch noch abrunden, oder? Also waren es quasi 4. Aber das liegt auch an dieser Running App, ehrlich – bis die mal auf 4 Kilometer gezählt hatte, bin ich ja schon 6 gelaufen. Mindestens! Morgen starte ich dafür dann richtig durch! Habe allen meinen Mädels erzählt, dass ich ein richtiger Sportler werde. Ha, die werden Augen machen!

… da ist manchmal trotzdem kein Weg.

3. Februar
Aufstehen… das geht heute aber schwer. Was sind das für Muskeln, die ich da spüre? Schienbeinmuskeln? Gibt’s sowas überhaupt? Wie hab ich mich die letzten 25 Jahre nur fortbewegt, mit diesen gummiartigen Schwächlings-Muskeln, die nach einem 5-Kilometer-Lauf direkt den Dienst verweigern? Wer hat überhaupt diese Jogging-Folter erfunden? Gibt’s keine Sportart, die fit macht, ohne dass man sich tatsächlich bewegen muss? Warum musste ich auch allen meinen Freunden stolz erzählen, dass ich jetzt mit dem Laufen anfange – sonst könnte ich das jetzt einfach im Sand verlaufen lassen…

6. Februar
Habe online gelesen, dass es unglaublich motivieren soll, die Sportschuhe vors Bett zu stellen. Dann springt man morgens direkt aus den Federn und in die frischgeputzten Nikes und sprintet dem Sonnenaufgang entgegen. Ich habe berechtigte Zweifel an dieser Theorie. Bin beim Aufstehen erst einmal über meine Schuhe geflogen. Und zwar so richtig mit Karacho. Jetzt tun mir nicht nur meine Waden und Oberschenkel vom Muskelkater weh, sondern auch noch meine aufgeschlagenen Ellenbogen. In Burundi steht Joggen ja direkt unter Strafe – da wandert man in den Knast dafür. Ich kann das jetzt total verstehen – das ist gar keine diktatorische Unterdrückung, sondern dient nur dem Schutz der Bevölkerung!

Meine sportliche Höchstleistung: „The Walking Dead“ …

Beim Joggen ganz sportlich den Untoten ausweichen.
Foto: Bo Jørgensen (CC BY-ND 2.0)

7. Februar
Habe festgestellt, dass die eigentlich Schwierigkeit beim Joggen nicht die ist, bei Atem zu bleiben, sondern im Park den Hundehäufchen und den anderen Joggern aus dem Weg zu gehen. Der reinste Spießrutenlauf ist das an so einem Sonntag. Das ist ja die halbe Stadt im Park. Lauter halbstarke Jugendliche starren einem nach, wenn man vorbeiläuft, man wird von Dackeln gejagt und muss Tretminen ausweichen. Das ist der reinste Hindernislauf! Ich schwör’s euch, Jogging ist harte Arbeit für jedes einzelne Körperteil und danach fühlt man sich wie ein Zombie –  als würden die Beine nicht mehr zum Rest des Körpers gehören.

9. Februar
Habe den gutaussehenden, netten Dänen namens Soren, der unter mir wohnt in Sportklamotten im Treppenhaus getroffen. Habe gesagt, ich trainiere für den Halbmarathon. Dabei ist die einzige Herausforderung, die ich heute noch geplant habe ein „The Walking Dead“-Marathon – immerhin ist das auch eine treffende Beschreibung für meine bisherigen Jogging-Erlebnisse. Ich hoffe nur, dass wir uns niemals wieder in Sportkleidung begegnen. Sonst muss ich direkt umziehen, die Stadt verlassen, auswandern…

…mit Happy Ending.

Die Dänen haben auch leckere Sachen zu bieten.
Foto: Tavallai (CC BY-ND 2.0)

11. Februar
Habe meinen netten dänischen Nachbarn im Park gesehen und versucht, ihm davonzulaufen… äh zu joggen. Bin leider über einen Stein gestolpert und habe mir den Knöchel verstaucht. Damit bin ich jetzt also offiziell vom Joggen befreit. Vorerst. Soren hat mich zu Arzt begleitet und mich bemitleidet, weil meine Marathon-Pläne gescheitert sind. Ich habe versucht, Contenance zu wahren und nicht irre zu grinsen wie der Joker aus Batman. Er kommt nachher vorbei, wir bestellen Pizza. Ich hätte ja niemals gedacht, dass dieses Joggen doch noch zu was gut sein könnte…

Was sonst noch geschah ...

05. März
Mein Fuß ist zwar inzwischen kuriert, das Joggen hab ich aber trotzdem aufgegeben und mir ein neues Hobby gesucht: Lerne jetzt Dänisch. Sprachen liegen mir sowieso mehr. Und Soren hat mir erklärt, dass die Dänen gar nicht so die großen Jogger sind – die fahren lieber Fahrrad. Das ist mir so richtig sympathisch. Ab jetzt ernenne ich mich zum radelnden Wahldänen – und überrunde alle, die in schicken Funktions-Thights durch den Park traben.

Und den Marathon? Den schau ich mir vom Straßenrand an – ich hab ja jetzt jemanden, dem ich wild zujubeln kann. Und falls ihr auch einen laufen solltet, diesen Sommer, dann werde ich natürlich auch gern für euch ein Fähnchen schwenken. Versprochen!

Text: Kathrin Knorr
Teaserfoto: Flickr-User d26b73 (CC BY 2.0)

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