Ins Netz gegangen

Zu gut für die Tonne

Die App „Too Good To Go“ will Lebensmittelverschwendung verringern und ermöglicht – so die Eigenwerbung – eine „Win-Win-Win-Situation“. Was an der Idee dran ist und wie gut sie umgesetzt wurde, hat SPIESSER-Autorin Helen für euch in München getestet.

19. August 2019 - 10:52
SPIESSER-AutorIn Helen16.
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Helen16 Offline
Beigetreten: 02.01.2018

Was erwartet euch?

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Laut der „Too Good To Go“-Website sind zehn der 18 Millionen Tonnen des jährlich weggeworfenen Essens in Deutschland noch genießbar. Für diese Menge an Lebensmitteln wird eine Anbaufläche so groß wie das Saarland benötigt – und das jedes Jahr! Das ist nicht nur unwirtschaftlich, sondert schadet auch der Umwelt enorm: Die globale Lebensmittelverschwendung ist für 8% der Treibhausgasemissionen verantwortlich.


Die Farben zeigen das aktuelle Angebot.

Hier setzt „Too Good To Go“ an und möchte noch essbare Lebensmittel unter die Leute bringen: Durch die App werden nicht verkaufte Gerichte, Backwaren und andere Produkte vergünstigt angeboten. Ihr wählt und bezahlt durch die App und könnt sie zu angegebenen Zeiten abholen. „Too Good To Go“ sorgt dafür, dass ihr Geld spart, die Läden und Restaurants weniger Lebensmittel wegschmeißen müssen und dadurch kostbare Ressourcen der Erde geschont werden. Nach eigener Statistik wurden durch die App bis heute fast 18 Millionen Mahlzeiten gerettet und damit über 45 000 Tonnen CO2 eingespart.
 

Was findet ihr dort?

Über die App könnt ihr euch bei den teilnehmenden Anbietern eine Mischung übriggebliebener Lebensmittel sichern, die ihr für meist drei bis vier, statt zehn Euro während der jeweils angegebenen Zeiten abholen könnt. Dabei könnt ihr euch manchmal die Produkte selber aussuchen, in den meisten Fällen gibt es jedoch bereits gepackte „Überraschungsboxen“.

Über eine Liste oder Karte könnt ihr die Bäckereien, Sushi-Restaurants, Döner-Läden, Supermärkte, etc. in eurer Nähe einsehen, die an diesem Tag Reste zu vergeben haben. Habt ihr euch für ein Angebot entschieden, kauft ihr es über die App und erhaltet daraufhin den Kaufbeleg auf euer Smartphone, mit dem ihr dann die Produkte abholen könnt.

Wer steckt dahinter?

Die Idee wurde 2016 von einem Team dänischer Entwickler ins Leben gerufen. Seitdem expandiert „Too Good To Go“: Heute gibt es die App schon in zwölf Ländern.


Hier sind die Angebote in Kategorien eingeteilt.
Was müsst ihr mitbringen?

Ihr braucht ein internetfähiges Smartphone und eine Möglichkeit, online zu bezahlen, also zum Beispiel über PayPal oder eine Kreditkarte. Außerdem hilft es, ein bisschen Flexibilität mitzubringen, da man in den meisten Fällen nicht genau weiß, was wirklich übrig bleibt. Wenn also in der Bäcker-Tüte unter anderem drei – wie in meinem Fall nicht sehr beliebte – Rosinenbrötchen sind, müsst ihr damit umgehen können ...

Wo ist der Haken?

Wie bei so vielem gilt auch hier leider: Je kleiner die Stadt, desto kleiner das Angebot. Allerdings schließen sich gerade auch immer mehr Ketten der App an: Neben „Nordsee“ und „dean&david“ ist auch die Supermarktkette „real“ seit kurzem bundesweit dabei. Und ihr könnt selbst aktiv dazu beitragen, dass mehr Unternehmen mitmachen! Sprecht doch euren lokalen Supermarkt oder eure Nachbarsbäckerei an, ob sie nicht auch dabei sein möchten. Auf der Website gibt es übersichtliche Informationen für interessierte Betriebe.

Leider gibt es in der App bisher keine Bewertungsfunktion für die Anbieter, das heißt, man muss sie selbst testen. So habe ich z. B. sehr gute Erfahrungen mit dem Bio-Supermarkt bei mir um die Ecke gemacht, während es in einem Käse-Laden sehr kleine und selbst bei vergünstigtem Preis qualitativ schlechte Produkte gab. Hier scheint es, dass der Anbieter das Konzept eher als Marketinginstrument nutzt.


Jedes Angebot enthält Infos (z. B. den neuen
und alten Preis).
Wie lange bleibt ihr?

Auf jeden Fall so lange, wie ihr als junger Mensch – mit schmalem Geldbeutel – zwischen Feierabendbier und Karotten abwägen müsst. Aber wahrscheinlich auch danach, denn erschwingliches Einkaufen mit gutem Gefühl macht ziemlich süchtig. In größeren Städten ist das Angebot mittlerweile so breit gefächert, dass man sich im Alltag auch ganz gut rundum versorgen kann.

Was erzählt ihr am nächsten Tag euren Freunden?

Mit „Too Good To Go“ hab ich gestern wieder richtig Geld gespart, jetzt kann ich doch mit ins Kino UND wir können morgen lecker brunchen mit all den Sachen aus dem Bio-Markt! Und ich habe sogar noch etwas gegen die krasse Lebensmittelverschwendung in Deutschland getan. Bringt doch eh nichts, meinst du? Naja, aber lieber Teil der Lösung als des Problems sein, oder?

Endfazit:

4 von 5 Punkten! Ich bin von der Grundidee der App überzeugt, jedoch bräuchte sie eine Bewertungsfunktion, um die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen.  Solange es die noch nicht gibt, muss man selbst ausprobieren, nach anderen Bewertungsplattformen schauen oder mal herumfragen, welche Erfahrungen andere gemacht haben. Hat man Läden mit einem fairen Deal gefunden, klappt es sehr gut.

In Summe also wirklich eine „Win-Win-Win“-Situation!

 

Text und Screenshots: Helen Pörtner

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