Kinofeeling

Dem Horizont so nah

Jessica Koch schrieb vor zehn Jahren ihre tragische Jugendgeschichte nieder, doch verbrannte sie. Es kostete sie Mut und Überwindung, eine zweite Version zu verfassen, die mit 500.000 E-Book-Lesern auf großen Erfolg stieß. Ihr herzzerreißendes Drama kommt am 10. Oktober in die Kinos. SPIESSER-Autorin Noelia hat sich den Film angeschaut und war überwältigt von ihrer Geschichte über Liebe zwischen Leben, Kampf und Tod.

10. Oktober 2019 - 10:50
SPIESSER-Autorin Noe_SB.
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Noe_SB Offline
Beigetreten: 05.10.2017

Worum geht’s?

Im Sommer 1999 wird sich in Jessicas Leben vieles verändern: Sie beginnt bei der Catering-Firma ihrer Eltern zu arbeiten, ihre beste Freundin zieht nach Berlin und eine unerwartete Person wird die Welt, die sie bisher kannte, auf den Kopf stellen. 

„Weißt du, mein Leben ist in Wirklichkeit eine richtige Katastrophe und wenn du schlau bist, dann läufst du ganz schnell weg“, Danny trägt eine dunkle Vergangenheit mit sich. Als er Jessica auf der Kirmes trifft, merkt er schnell, dass sie anders als die anderen Mädchen ist. Sie ist schlau, lustig und lässt sich von seinen Worten nicht einschüchtern. „Wenn du mich kennenlernen willst, mach es ordentlich“, entgegnet sie ihm mit ihrer selbstbewussten und kühnen Art, als er versucht, sie von sich wegzustoßen.

Seine Model-Welt scheint auf den ersten Blick perfekt zu sein. Jessica erfährt aber immer mehr von der Geschichte hinter seiner Schutzmaske: Gewalt, Drogen und Krankheit sind einige der dunklen Stationen, die er zusammen mit seiner besten Freundin Tina durchlebt hat. Beide Hauptcharaktere machen im Film eine starke Entwicklung durch: Er lernt durch Jessicas Leichtigkeit und Humor die positiven Seiten des Lebens kennen und sie, ein sehr behütet aufgewachsenes Mädchen, entpuppt sich als starke und mutige Frau, die ihre Ängste überwindet, um auf die Liebe zu setzen. Egal wie lange sie andauert.

Wer spielt mit?

Luna Wedler und Jannik Schümann spielen das starke Paar vor der Kamera. Die junge Schweizerin ist unter anderem bekannt aus „Das Schönste Mädchen der Welt“ und „Blue in my Mind“. Der 27-jährige Hamburger ist sowohl in nationalen („LenaLove“, „Jugend ohne Gott“) als auch internationalen Filmproduktionen („Grenzenlos“, „The Aftermath“) zu sehen. Luise Befort („Club der roten Bänder“), Victoria Mayer („Berlin Station“) und Stephan Kampfwirth („Agnes“) runden den Cast ab.

Filmischer Augenschmaus?

Der Film zeichnet sich vor allem durch den nostalgischen Soundtrack und die Liebe zum Detail aus. Sowohl zu Beginn als auch zum Ende des Films wird die intensive und turbulente Romanze mit einer Achterbahnfahrt verglichen. Als das Lied „Hey little Girl“ von ICEHOUSE die Schlüssel- und Kennenlern-Szene auf der Kirmes melodisch und emotional begleitet, wird dem Zuschauer sofort klar, wie stark die Anziehung zwischen den beiden Charakteren ist. Keine Worte, nur Blicke, die alles sagen. Ein magischer Moment, der vergessen lässt, in welcher ungerechten Realität sie leben. Und das macht das eigentliche Drama umso größer. „When everything goes wrong, sometimes it makes no sense.“ (ICEHOUSE)

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪ ✪
Romantik: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Humor: ✪ ✪ ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪
Gibt’s was zu meckern?

Kritik auf hohem Niveau: Die Handlung spielt in den 1990ern, einem Jahrzehnt, in dem das Klapp-Handy-Modell, das Jessica verwendet, noch nicht auf dem Markt war.

Braucht man Taschentücher?

Ganz viele. Wer in der letzten Szene keine Träne vergießt, hat die wahre Essenz des Films nicht gespürt. Es ist eine authentische Geschichte mit authentischen Figuren und authentischen Gefühlen, die keinen besseren Soundtrack hätte bekommen können. Das musikalische Meisterwerk von Foreigner aus dem Jahre 1984 untermalt den Wende- und Höhepunkt im Film: „In my life there's been heartache and pain. I don't know if I can face it again. Can't stop now, I've travelled so far to change this lonely life.“ Nach dem Auf und Ab ihrer Beziehung und in ihrem Umfeld kommt es auf der Kirmes zum emotionalen Wiedersehen zwischen Jessica und ihren Freundinnen. Danny hat sie eingeladen, nachdem sie sich nach einem Streit um ihn von ihr distanziert hatten. Ein Geburtstagsgeschenk an „Ducky“, wie er sie auf seiner amerikanischen Art nennt. Aber auch die Vorbereitung auf das, was bald eintreffen wird.


Danny und Jessica wissen, dass ihre Liebe nur von kurzer Dauer ist.
Foto: Studiocanal GmbH / Bernd Spauke
Mit wem angucken?

Mit der besten Freundin oder dem besten Freund.

Was macht man danach?

Im Kinosaal sitzen bleiben und mit den Gefühlen klarkommen. Was ist gerade passiert? Wie kann diese Geschichte wahr sein? Wie ist Jessica mit ihren zarten 18 Jahren mit all den Erlebnissen umgegangen? Es sind viele Fragen, die offen bleiben.

In drei Worten:

Emotionen, Abgründe, Mut

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

„Das Drama hinter der männlichen Hauptfigur gibt der Liebesgeschichte Größe und Wucht“, erklärt die Produzentin Kristina Löbbert. Und nur eine Kinoleinwand kann dieser realen Erzählung verpackt in märchenhaften Settings und Eichendorff-Zitaten gerecht werden. Die Ruhe im Wald, die freien Vögel am Himmel stehen dem Chaos der Kirmes und Dannys körperlichen Auseinandersetzungen im Film gegenüber. Diese mit Bedacht ausgewählten Szenen spiegeln die Innenwelt des 20-Jährigen perfekt wider.

Mainstream oder Independent?

Schwer zu sagen. Auf der einen Seite handelt es sich um eine Coming-of-Age-Geschichte, die sich durch Ehrlichkeit und Tiefgang auszeichnet. Jedoch erinnert der Kerngedanke, der durch den internationalen Blick von Regisseur Tim Trachte geprägt ist, an Filme wie „Ein ganzes halbes Jahr“ oder „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, die den Aspekt der endlichen Liebe schon einmal in den Fokus nahmen.

Dem Horizont so nah

Regie: Tim Trachte
Protagonisten: Luna Wedler, Jannik Schümann, Luise Befort

Kinostart: 10.10.2019
Filmlänge: 109 Minuten
Genre: Drama
FSK: 12

 

Text: Noelia Sanchez-Barón
Bildmaterial: © 2019 STUDIOCANAL GmbH. Alle Angaben ohne Gewähr.

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