Kinofeeling

Kinofeeling:
Milla meets Moses

Wer hat Bock auf eine optimale Mischung aus großen Gefühlen und bösen Gags? „Milla meets Moses“ bietet beides auf hohem Niveau! Die australische Indie-Perle dürfte allen gefallen, die sich auch jenseits vom Hollywood-Mainstream unterhalten lassen können.

01. Oktober 2020 - 09:02
SPIESSER-Redakteurin Onlineredaktion.
Deine Bewertung bewertet mit 5 5 basierend auf 2 Bewertungen
Onlineredaktion Offline
Beigetreten: 25.04.2009

Worum geht’s?

Ganz ehrlich: Die Filmbeschreibung von „Milla meets Moses“ liest sich erstmal, wie die von „Ich und Earl und das Mädchen“ (2015) oder auch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (2014). Da ist ein viel zu früh an Krebs erkranktes Mädchen auf der einen Seite und auf der anderen steht ein ziemlich übel an Pubertät erkrankter Junge. Die gutbürgerliche Milla spielt in ihrer Freizeit Geige und muss sich ganz nebenbei seelisch auf die anstehende Chemotherapie vorbereiten. Für diejenigen unter euch, denen die Handlung schon bekannt vorkommt, gibt es zum Glück ein großes „aber“: nämlich Moses.

Moses, in den sich die brave Milla verliebt, ist ein drogensüchtiger Schulabbrecher und das absolute Gegenteil von Schwiegermamas Liebling. Und allein durch seine Präsenz fällt der Film weitaus weniger melodramatisch aus, als man es hätte befürchten können. Moses bringt das sowieso schon chaotische Familienleben der Finlays noch mehr durcheinander.

 

Wer spielt mit?

Die Protagonisten werden von eher unbekannten Jungschauspielern verkörpert. Wer allerdings so ziemlich jedem ein Begriff seien müsste, der schon mehr als einen Film gesehen hat, ist Ben Mendelsohn („Star Wars: Rogue One“, „Dark Knight Rises“, „Captain Marvel“). Er spielt Millas Vater Henry, und das mit dem für ihn typischen einnehmenden Schauspiel. Mendelsohn ist dabei nicht nur der besorgte und führsorgende Vater, sondern gleichzeitig ein beinahe genauso kaputter Charakter wie Moses. Das macht ihn meines Erachtens zur wohl interessantesten und komplexesten Figur des Films.

Auf einen Blick
Action: ✪
Romantik:  ✪ ✪ ✪ ✪
Humor: ✪ ✪ ✪ ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪
Filmischer Augenschmaus?

Aber sowas von! Sehr empfehlenswert für alle, die auf Filme abseits vom großen Hollywood-Zirkus stehen und auch mal auf künstlich schön geschriebene Enden verzichten können. Das Coming-of Age-Drama hat mit der Figur „Moses“ ein Alleinstellungsmerkmal, der etwaigen Vergleichswerken bisher definitiv fehlte. Für Freunde der leichten Rom Com-Unterhaltung à la Hugh Grant oder Julia Roberts, würde ich eher von diesem Werk abraten, für alle anderen ist die australische Dramödie ein Muss.

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Gibt’s was zu meckern?

Zum Ende hin schießen die Drehbuchautoren meines Erachtens ein wenig über das Ziel hinaus. Aber selbst das kann das Gesamtpaket kaum weniger gut aussehen lassen. Natürlich hätte hier und da ein Klischee weniger dem Film gutgetan, aber das ist definitiv Meckern auf hohem Niveau!

Braucht man Taschentücher?

Wer schon durch die bereits erwähnten Krebsromanzen abgehärtet ist, kommt hier ganz gut ohne Taschentücher aus. Für alle anderen darf es gerne auch ein XXL-Paket Taschentücher sein.

Mit wem angucken?

Ich persönlich schaue Filme dieser Art am liebsten allein auf der Couch, aber wahrscheinlich stehe ich mit dieser Meinung auch eher alleine da. Wer hat, sollte definitiv auf seine Partnerin oder seinen Partner zurückgreifen, um nicht einsam heulen zu müssen.


Moses ist nun wirklich kein Traumschwiegersohn, dennoch nimmt
Millas Familie ihn auf.
Was macht man danach?

Darauf habe ich bislang leider selbst noch keine Antwort gefunden. Der Film lässt einen erst einmal tief schlucken und mit offenem Mund vor der Leinwand oder dem heimischen Bildschirm verweilen. Vielleicht hilft ein längeres Telefonat mit der besten Freundin oder dem besten Freund, ich bin allerdings immer noch sprachlos! Ich brauche wohl erst einmal eine Staffel „Modern Family“ um wieder runterzukommen.

In drei Worten:

Melancholisch, witzig, gut

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Da ich es bevorzuge im stillen Kämmerlein zu weinen, tendiere ich hier eher zu einem kleinen Bildschirm. Wer allerdings kein Problem damit hat, in der Öffentlichkeit spontan loszuheulen, der darf sich auch ins Kino setzen. Und durch die nötigen Mindestabstände im Kinosaal fällt man dabei wahrscheinlich auch viel weniger auf als in prä-corona-Zeiten.

Mainstream oder Independent?

Definitiv Independent! Mich erinnert der Film ein wenig an die amerikanischen Mumblecore-Filme, nur mit viel mehr Gefühlen und etwas weniger improvisierten Dialogen.

MILLA MEETS MOSES

Regie: Shannon Murphy
Darsteller: Eliza Scanlen, Toby Wallac, Essie Davis, Ben Mendelsohn u.a.
Filmstart: 08. Oktober 2020
Filmlänge: 118 Minuten
Genre: Komödie, Drama, Coming of Age
FSK: ab 12 Jahren

 

Text: Joshua Kuckherm

Bildmaterial: X verleih, ©Lisa Tomasetti

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