Kinofeeling

Egal was kommt

Auch wenn der letzte wirklich coole Motorradfahrer Werner war, ist die Faszination für „die Maschine“ beständig. Wenn das dann auf die Sehnsucht nach der weiten Welt trifft und jemand ein paar Kameras laufen lässt, dann steht einer Dokumentation über eine Weltumrundung auf zwei Rädern nichts mehr entgegen. Egal, was kommt.

08. August 2018 - 15:52
SPIESSER-Autor Der Mann den Sie Pfirsich Nannten.
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Der Mann den Sie Pfirsich Nannten Offline
Beigetreten: 24.04.2015

Worum geht's?

Christian Vogel will trotz des Nachnamens nicht fliegen, sondern die Welt umrunden mit zwei Rädern. Der alltägliche Kaffee auf dem Weg zur Arbeit kommt ihm irgendwann zu den Ohren heraus und so beschließt er den langen Traum einer Welttournee nur mit seinem Motorrad zu starten. In dieser Dokumentation archiviert Christian seine Eindrücke, die er in diesem Jahr sammeln konnte und schafft ein Zeitzeugnis von globaler Mitmenschlichkeit und der mitreißenden Aura großer Träume. Denn auch wenn der Film anfängt über eine lange Reise zu erzählen, kristallisiert sich im Laufe der Spielzeit immer mehr heraus, dass es vor allem ein Weg ins Zwischenmenschliche war, der besonders prägend ist, weil Christian die Unterstützung von Freunden und Unbekannten hatte und brauchte, um seinen eigenen Traum in‘s Rad umzusetzen.

Wer spielt mit?

Biker aller Länder vereinigen sich.

Filmischer Augenschmaus?

Mit der großen Kamera als unnützes Gepäck auf einer Weltumrundung bleibt die Optik etwas auf der Strecke. Die Consumer-Kamera liefert zwar ordentliche Bilder, aber für eine Kinoleinwand wird es doch oft dürftig und es übersteigt selten die Qualitätsmerkmale von Selfiestick-Reise-Vloggern. Aber der Hauptdarsteller ist nicht so penetrant zwangsunterhaltsam, sondern Mensch.

Und genau hier kann der Film auch punkten – die grenzübergreifende Gemeinschaft von Zweiradzweibeinern, die sich in der gegenseitigen Verrücktheit unterstützt, weiß zu faszinieren. Von Übernachtungsplatz, Reparaturen und Geldnöten wird alles durch die Gemeinschaft besiegt, weil alle diesen Traum der Weltreise mit dem Motorrad in sich tragen oder zumindest so damit sympathisieren, dass keine Barriere groß genug ist. Wenn du willst, ist es kein Traum. Und genau das erzählt der Film dann gut und hält sich zum Glück kurz mit überflüssigen, sich wiederholenden Aufnahmen von Straßenzügen, Alleen und „Könnte überall sein“-Landschaftspanoramen.

Gibt’s was zu meckern?

Leider ist die Dokumentation stellenweise etwas pathetisch, wenn die schweren Streicher das Wiedersehen mit der daheimgebliebenen Freundin untermalen und probiert der kleinen netten persönlichen Geschichte etwas zu sehr Dramaturgie einzuträufeln. Und anfangs ist der Film eher in der verkehrsberuhigten Zone der Spannung unterwegs, nimmt gegen Ende jedoch durchaus an Fahrt auf. Christan ist ein sympathischer Durchschnittstyp, der mit seinem Durchschnittsmotorrad durch die Welt juckelt. Lebt damit.

Auf einen Blick
Action:
Romantik:✪ ✪ ✪
Humor: ✪
Niveau: ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪
 
Braucht man Taschentücher?

Höchstens, um das Visier sauberzuwischen.

Mit wem angucken?

Guckt den Film doch mit eurem Vater, der sich gerade das Midlife-Crisis-Geschenk eines Motorrads selbst vor die Doppelhaushälftengarage gestellt hat. Oder mit jemandem, von dem ihr mal ein Jahr Ruhe haben wollt und der leicht auf verrückte Ideen anspringt.

Was macht man danach?

Einen Motorradführerschein. Oder richtigen Urlaub.

Und man hört sich unbedingt den tollen Text von Dietmar Wischmeyer zu „Weekendrebellen on Wheels“ an, wenn man von Motorradfahrern nicht so viel hält.

In 3 Worten:

Brumm. Brumm. Brumm.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Auch wenn die Schriftgröße der Untertitel ganz klar sagt: Zeig mich auf der Leinwand – es reicht auch auf dem alten Werbefilmabspielgerät in der Schrauberbude um die Ecke.

Mainstream oder Independent?

Eine Weltreise alleine auf dem Motorrad – mehr Unabhängigkeit geht kaum, und das spiegelt sich auch wider.

Egal was kommt

 

Regie:Christian Vogel
Kinostart: 2. August 2018
Filmlänge: 121 Minuten
Genre: Dokumentation
FSK: ab 6 Jahren

 

 

Text: Christian Schneider
Teaser: ©Busch Media Group

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