Kinofeeling

Endzeit

Spätestens seit „The Walking Dead“ wissen wir, dass postapokalyptische Zombieszenarien beim Publikum bestens ankommen. Mit „Endzeit“ folgt nun auch eine deutsche Verison. „Was noch eine Zombieapokalypse? Das ist doch schon ausgelutscht!“, wirst du dir vielleicht denken. Dennoch kann „Endzeit“ mit einigen Eigenheiten auftrumpfen, die den Streifen aus der Masse hervorstechen lassen.

28. August 2019 - 14:09
SPIESSER-Autor mclovin.
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mclovin Offline
Beigetreten: 27.05.2019

Worum geht’s?

Zu Beginn folgt alles dem Schema F eines jeden beliebigen Zombiefilms: Zwei Jahre ist es her seit die Erde von Zombies überrannt wurde. Ein Biss von ihnen bedeutet den sicheren Tod. Nach einiger Zeit kehren die Toten zurück in neuem Gewand und auf der Suche nach fleischhaltiger Nahrung. Und die Menschheit? Die gibt es zwar noch, aber sie muss um ihre Existenz bangen. Zurückgezogen verbringen die letzten Exemplare unserer Spezies ihr Leben in Thüringen. Einen Moment mal, Thüringen?! Ja richtig, Thüringen! Nicht New York, Berlin, Paris oder London, sondern das grüne Herz Deutschlands bildet hier den Schauplatz! Als letzte Bastion der Menschheit konnten sich Jena und Weimar behaupten. (Was Goethe und Schiller davon wohl halten würden? Immerhin dient die Weimarer Statue der beiden inzwischen als Halterung für ein Solarpanel, welches Autobatterien auflädt.) Und während die Weimarinnen und Weimarer darauf bedacht sind in Sicherheit zu leben, indem sie ausnahmslos und mit eiserner Faust frisch infizierte Personen erschießen, wird in Jena nach dem so dringend benötigten Heilmittel gesucht. Als einzige Verbindung zwischen den beiden Städten fungiert ein autonom fahrender Zug, welcher ohne Besatzung Waren hin und her karrt.


Die jungen Frauen müssen achtsam sein, sonst geraten sie in gefährliche Situationen.
Foto: Anke Neugebauer

Sich in einen Zug ohne Besatzung einzuschleichen – das ist mit Sicherheit einfacher, als bei einem mit Besatzung. Das werden sich auch die beiden Protagonistinnen Vivi und Eva gedacht haben. Ohne voneinander zu wissen schleichen die jungen Frauen sich an Bord, um ihre Ziele zu verfolgen. Dabei könnten ihre Charaktere nicht unterschiedlicher sein. Eva ist eine badass-Zombie-Killerin, welcher es schwer fällt Emotionen zu zeigen. Dagegen ist Vivi eher zaghaft, gar ein wenig naiv. Sie hat Mitleid mit den Zombies, aber auch große Angst vor ihnen. Dennoch begibt sie sich voller Verzweiflung auf die Suche nach ihrer Schwester. Eva hingegen wurde von einem Zombie erwischt und ihre letzte Hoffnung zum Stoppen der Infektion liegt in Jena. Also ziehen die beiden schutzlos, aber zusammen los. Unterwegs müssen sie nicht nur mit Zombies, sondern auch mit der eigenen Vergangenheit ringen.

Wer spielt mit?

Der Cast des Filmes besitzt keine allzu hohe Bekanntheit und wird niemanden zu Jubelstürmen verleiten. Dennoch waren Maja Lehrer, welche Eva porträtiert, und Gro Swantje Kohlhof, die Darstellerin von Vivi, bereits über verschiedene Produktionen im deutschen Fernsehen zu betrachten. Während Maja unter anderem bei „Unter uns“ oder der „SOKO Wismar“ zu sehen war, trat Gro Swantje bereits in mehreren Tatort-Folgen auf. Ihnen zur Seite stehen Trine Dyrholm als die Gärtnerin und Barbara Philipp als Heimleiterin. Unabhängig davon stellt der Film eine absolute Besonderheit dar, denn alle wichtigen Positionen wurden mit Frauen besetzt. Das Drehbuch stammt aus der Feder Olivia Viewegs und wurde durch die Regisseurin Carolina Hellsgard umgesetzt. Das hat traurigen Seltenheitswert in der Filmbranche.

Filmischer Augenschmaus?

Unterschiedlicher hätten Vivi und Eva kaum sein können. Foto: Leah Striker

Audiovisuell kann der Film eine breite Varietät aufweisen. Angefangen bei spannenden Jagd- und Actionszenen, über wunderschöne Naturbilder, bis hin zu lieblichen Naturklängen. Hört sich doch ganz gut an, oder? Wohlgemerkt ist es dann doch nicht ganz so atemberaubend. Besonders die Gestaltung der Zombies ist ein schmaler Grat zwischen Gut und Böse. Mal sehen sie furchterregend aus, mal eher nach günstigem Halloweenkostüm. Dagegen kann die Belichtung auf ganzer Linie überzeugen. Besonders bei Szenen in Gebäuden kommt immer wieder ein beeindruckender Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit zustande. Dieser Kontrast vermittelt die Botschaft, dass sich trotz aller Gefahren oder gerade wegen dieser Gefahren auch immer neue Möglichkeiten auftun. Licht und Schatten liegen eben – wie oft bemerkt – nahe beieinander. Darüber hinaus wird die postapokalyptische Stimmung gut aufgefangen. Auf Musik wurde weitestgehend verzichtet. Dafür treten umso mehr Naturklänge auf den Plan. Die Szenerie wirkt fast durchgehend düster und zugleich hoffnungsvoll. Also ja, ich würde den Film als filmischen Augenschmaus ansehen.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪
Romantik:  
Humor: ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ 
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ 
Gibt’s was zu meckern?

„Endzeit“ betrachtet die postapokalyptische Welt aus einer anderen Perspektive als die meisten Filme. Zwischenmenschliche Konflikte und der harte Überlebenskampf stehen hier nicht zwingend im Mittelpunkt. Klar, man merkt schon an einigen Szenen, dass die Protagonistinnen am Verhungern sind und auch um ihr Überleben bangen müssen. Dennoch ist die Botschaft eine andere. Es geht vielmehr um die menschliche Existenz in unserer Welt, deren Berechtigung und Vergänglichkeit. Das ist an sich erstmal lobenswert, jedoch wird diese ethische Fragestellung aus meiner Sicht zu oberflächlich betrachtet – aber vielleicht sollte dies auch lediglich zum Nachdenken anregen.

Braucht man Taschentücher?

Nein, die Handlung schafft es nicht, emotional zu berühren. Wir erfahren etwas über die Vergangenheit der Charaktere, empfinden aber keine tiefe Zuneigung zu ihnen. Das liegt auch daran, dass viele Informationen über die Vergangenheit weggelassen wurden.

Mit wem angucken?

Eigentlich könnt ihr den Film mit allen Personen in eurem Umfeld anschauen. Mit euren Eltern, Freunden oder Partnern. „Endzeit“ bietet eine gewisse Abwechslung, weshalb es auch nicht essentiell ist, über die gesamte Dauer voll fokussiert zu sein. Aber bitte nicht falsch verstehen, aufpassen solltet ihr trotzdem.


Auch Vivi muss um ihr Überleben kämpfen. Foto: Anke Neugebauer
Was macht man danach?

Ich habe mir danach Gedanken über die menschliche Existenz gemacht.

In drei Worten:

Existenz, Natur, Tod

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Seht euch den Film unbedingt im Kino auf einer großen Leinwand an. Es gibt viele tolle Aufnahmen, die es lohnenswert machen. Dort kann viel besser auf kleine Details geachtet werden, welche ansonsten an euch vorbeigehen würden.

Mainstream oder Independent?

Der Film hat keine allzu bekannten Darstellenden. Darüber werden die großen Massen also nicht in die Kinos gelockt. Dennoch wurde schon häufig bewiesen, dass das postapokalyptische Zombiesetting viele Zuschauende anlockt. Allgemein ist es sehr beliebt in unseren Sphären. Daher würde ich dem Film zumindest in Deutschland ein gewisses Potenzial einräumen, am Mainstream anschließen zu können.

Endzeit

Regie: Carolina Hellsgard
Protagonisten: Maja Lehrer, Swantje Kohlhof, Trine Dyrholm
Kinostart: 22.08.2019
Filmlänge: 90 Minuten
Genre: Drama, Horror
FSK: 16

 

 

Text: Duc Hai Le
Teaserbild: 
Anke Neugebauer

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