Kinofeeling

Filmfest Dresden: Das ist doch der Knaller!

Demnächst flimmern existenzielle GIF-Krisen und Ereignisse in Nasenlöchern über die Leinwand. In einer Woche feiert das Dresdner Filmfest seinen dreißigsten Geburtstag. Sechs Tage voller kontroverser Filme stehen bevor. SPIESSER-Autor Vincent, bekennender Kulturenthusiast, hat im Programm gestöbert.

16. April 2018 - 15:59
SPIESSER-Autor Kalendermensch.
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Kalendermensch Offline
Beigetreten: 14.12.2015

Trailer sind Multifunktionäre. Wie impertinent, dass Filmkonzerne dafür vereinzelt Szenen produzieren, die im richtigen Film dann nicht zu sehen sind. In die Pfanne hauen geht schnell, im Kinosessel verschluckt man sich womöglich vor Enttäuschung an seinem Popcorn (oder Nachos). Bleiben wir bei den sehenswerten Trailern. Die des Dresdner Filmfestes sind es. Regisseurin Antje Heyn hat für 2018 ein sonderbares Wesen animiert, das sich in 50 Sekunden turbulent verwandelt. Ein Blubberfisch könnte es sein, Popcorndachs und Regenschirmbär zugleich. Die lebenslustige Musikuntermalung hat Mitwipp-Potenzial. Was für ein Knaller! Am Ende knallen die Raketen und Sektkorken. Es gibt weit mehr als nur diesen drolligen Trailer zu feiern.

Vom 17. bis 22. April ist Dresden wieder Kurzfilmhauptstadt – zum 30. Mal seit der Gründung. 31.400 Filmminuten hat das Team selektiert. Übrig geblieben: über 300 Filme, die in fast 40 Programmen laufen. 69 davon ringen um die Goldenen Reiter. Am 21. April werden diese und Preisgeld in Höhe von 67.000 Euro in der Schauburg, einer der elf Spielstätten, verliehen. Mit krasser Förderung der Filmemacher gehört das Dresdner Filmfest zu den höchstdotierten in ganz Europa. Renommiert ist es auf der ganzen Welt.


Über 300 Filme! 69 davon ringen um die Goldenen Reiter
Lasst euch flashen!

Ein kurzer Blick ins Programm reicht: es ist unmöglich, in einer Woche alles zu sehen. Ein Muss für alle SPIESSER ist das Jugendprogramm. „Jugend 1“ (13 bis 16 Jahre) beschäftigt sich mit Zwischenräumen, in der „Jugend 2“ (16 bis 18 Jahre) singt jeder sein eigenes Lied. Geht da rein, lasst euch flashen, erzählt es weiter. Jeder nimmt etwas aus den Filmen mit. Versprochen. Ein besonderer Geheimtipp ist der „Fokus Europa“. Er geht in drei Teilen auf die Frage ein, inwiefern die EU um Identität ringt. Die Festivalleiterin Sylke Gottlebe macht auf den griechischen Fokus aufmerksam. Dieses Sonderprogramm gäbe einen Überblick darüber, wie junge Filmemacher der wirtschaftlichen Misere ihres Landes Kunst entgegensetzen. Etwas Lokales gefällig? Während der mitteldeutschen Filmnacht kommen „kurze Sachsen“ auf ihre Kosten.


Ein besonderer Geheimtipp ist der „Fokus Europa“

Mehrere Wettbewerbsprogramme (FSK: 18) bilden die Seele des Festivals. Im Katalog sprechen banale Bildunterschriften Bände. „Mein Vater hat mir das Packen beigebracht“, „Ereignisse, die sich in den Nasenlöchern von jemanden ereignen“ oder auch „Ein sich wiederholendes GIF hat eine existenzielle Krise“. Alle drei Streifen fallen unter das Genre Animation. Über die Hälfte der Kurzfilme, die in der kommenden Aprilwoche gezeigt werden, sind dieses Typs. Die steigende Förderung dieser könnte eine Erklärung sein. Sylke Gottlebe fällt es schwer, Favoriten zu markieren. Im nationalen Wettbewerb findet sie dann doch welche, die Gruppen Nummer eins und vier seien ganz nett. Dazu ist das Sandwich-Talkformat empfehlenswert. Gemütlich, kostenfrei, einzigartig ist das Kurzfilm Open Air, das stündlich auf dem Dresdner Altmarkt startet. Ad libitum in irgendeinen Kinosessel hineinplumpsen lassen – „Man kann absolut nichts falsch machen“, so Gottlebe.


Das Kurzfilm Open Air: gemütlich, kostenfrei, einzigartig
Kulturförderung adé

Bemerkenswert, was das kurzfilmliebende Filmfest-Team da zusammenzimmert. Umso trauriger dann, wenn von finanziellen Engpässen die Rede ist. Abgestürzte Sponsorenverträge und Fördergeldkürzungen sorgten für Abstriche. Sylke Gottlebe findet skandalös, was abgeht. Mittlerweile sähe es gut aus, ein Crowdfunding läuft. Die große Festivalparty hängt davon ab. Ein Paradebeispiel für fehlende Kulturförderung ist die Nummer allemal.

Es ist angerichtet. Das Filmfest Dresden wird auch in diesem Jahr wieder außergewöhnlich horizonterweiternd wirken und das Publikum glücklich machen. Wie war das mit dem Trailer, der nicht im Film vorkommende Szenen enthielt? Alles, was in dem diesjährigen Festivaltrailer mit dem sich verwandelnden Wesen zu sehen ist, wird nächste Woche über die Leinwand flimmern. Turbulenzen inbegriffen.

Links, die Du jetzt brauchst
Viele weitere Information findet du auf: www.filmfest-dresden.de
Wenn du direkt im Online-Programm stöbern willst, dann klick hier!
Die Sneak Preview im Thalia-Kino findet am 12. April um 20 Uhr statt!
Zum Crowdfunding, bei dem es Instant-Karma zu gewinnen gibt, geht’s hier lang.
Nutze den Hashtag #FFD18 für weitere Recherchen und Support.

 

Text: Vincent Koch
Bildmaterial: Filmfest Dresden

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