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Kinofeeling: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Das Kapital verbinden die meisten Menschen mit Industrialisierung, Kommunismus und Karl Marx. Dass der deutsche Gesellschaftstheoretiker mit seinem Werk jedoch eine sehr kritische Analyse des kapitalistischen Wirtschaftssystems geschaffen hat, wird häufig außen vor gelassen. Wie wichtig diese kritische Betrachtung auch im 21. Jahrhundert ist, hat uns der französische Ökonom Thomas Piketty 2013 mit seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ vorgeführt. Am 17. Oktober feiert die Kinoadaption des Klassikers Premiere.

21. Oktober 2019 - 10:47
SPIESSER-Autor mclovin.
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mclovin Offline
Beigetreten: 27.05.2019

Worum geht’s?

2013 hat Thomas Piketty mit seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ für Furore gesorgt. Darin zeigt der französische Wirtschaftswissenschaftler eindrucksvoll, dass seit den 1970er Jahren die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen stark zunimmt. Damit äußert Piketty Kritik am bestehenden kapitalistischen Weltsystem. Spätestens seit der Finanzkrise 2008 dürfte dieses Thema auch im 21. Jahrhundert angekommen sein. Nun folgt also die Sachverfilmung des Buches durch den neuseeländischen Filmemacher Justin Pemberton.

Zu Beginn des Filmes springen wir in die Vergangenheit, um die Entstehung von Geld und Kapital verfolgen zu können. Dieser Abschnitt nimmt in etwa die Hälfte des Filmes ein und führt uns durch verschiedene Zeitepochen – die französische Revolution, den 1. Weltkrieg und noch viele mehr. Immer wird versucht das dort Geschehene mit der Verteilung von Kapital zu erklären. Der zweite Teil setzt sich mit der Gegenwart auseinander und all den Technologien und Fortschritten. Unter Einfluss von Interviews wird den Zuschauenden verdeutlicht, wie stark diese Ungleichheit uns immer noch betrifft und soziale Ungleichheit reproduziert wird.

Wer spielt mit?

Mitspielen tut hier niemand, dafür treten einige Expertinnen und Experten im Interview auf. Angeführt natürlich von Thomas Piketty selbst, welcher weiterhin von Faiza Shaheen, Gilian Tett und Joseph E. Stieglitz unterstützt wird.

Filmischer Augenschmaus?

Nein nicht wirklich, es passiert nicht wirklich etwas Aufregendes. Vielmehr ist der ganze Film ein einziges Gespräch, welches von etwas Musik und Videomaterial untermalt wird. Ungleichheit lässt sich natürlich am besten mit Unzufriedenheit darstellen, weshalb es neben einigen symbolischen Szenen viele Videoaufnahmen von Demonstrationen zu sehen gibt.

Gibt’s was zu meckern?

Ziel des Filmes ist es aufzuzeigen, wie sich im kapitalistischen Weltsystem zunehmend Ungleichheit entwickelt hat. Das gelingt dem Film soweit auch ganz gut, aber erweckt auch den Anschein, dass die Machenden jede Krise der Moderne auf den Kapitalismus zurückführen. Diese These kann man schon vertreten, jedoch bedarf es dafür einer tiefergehenden Analyse und schlagfertigen Argumenten. Sicherlich korrelieren die Krisen in der Moderne mit dem Kapitalismus, jedoch sollte man die Multikausalität nicht einfach außen vor lassen. Eine kritischere Auseinandersetzung mit den inhaltlichen Punkten hat mir gefehlt.

Auf einen Blick
Action: 
Romantik: ✪ (Da kommt doch gleich Sozialismusromantik auf)
Humor:
Niveau: ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪
Braucht man Taschentücher?

Weinen muss ich nur bei dem Gedanken, dass die Spekulation an der Börse zu häufig auf Kosten der erwerbstätigen Bevölkerung geht.

Mit wem angucken?

Schaut euch den Film mit euren Leidensgenossinnen und -genossen aus der Arbeitendenschaft an.

Was macht man danach?

Die Internationale hören.

In 3 Worten:

Ungleichheit, Verteilung, unkritisch

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Dokumentation – ‚genießt‘ den Film also ruhig vor dem Laptop oder dem Monitor. Es geht ja auch stärker um den Inhalt. Dieser wird lediglich visuell untermalt, was eine große Leinwand eigentlich obsolet macht. Wer Bock hat, kann natürlich trotzdem ins Kino!

Mainstream oder Independent?

Zwar konnte Thomas Piketty mit seinem Buch für Aufsehen sorgen und vor allem in den USA eine Diskussion anstoßen, doch glaube ich nicht, dass der Film daran anknüpfen kann und damit eher im Schatten der großen Buchvorlage verbleiben wird.

Das Kapital im 21. Jahrhundert“

Regie: Justin Pemberton
Drehbuch: Thomas Piketty, Matthew Metcalfe, Justin Pemberton

DVD- Start: 17.10.2019
Filmlänge: 92 Minuten
Genre: Dokumentaion
FSK: 12

 

 

Text: Duc Hai Le
Bildmaterial:
© 2019 STUDIOCANAL GmbH. Alle Angaben ohne Gewähr.

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