Kinofeeling

Kinofeeling: Nur eine Frau

Stell dir ein Leben vor, in dem die Familie alles ist und ihre Ehre mehr zählt als deine Existenz. Stell dir ein Leben vor, in dem du keine Rechte hast und deine Eltern und Brüder bestimmen, was du trägst, wo du wohnst oder wen du heiratest. Für den Großteil von euch ist das unvorstellbar, doch für Aynur, deren Biographie in „Nur eine Frau“ verfilmt wurde, ist das Alltag.

24. Oktober 2019 - 08:00
SPIESSER-Autorin Blütenblatt.
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Blütenblatt Offline
Beigetreten: 12.09.2019

Worum geht’s?

Eindrücklich und aus der Ich- Perspektive wird die Geschichte von Aynur erzählt, die 2005 auf offener Straße von ihrem Bruder erschossen wurde. Die Protagonistin ist in einer sunnitisch kurdischen Familie in Deutschland aufgewachsen und in jungen Jahren in die Türkei zwangsverheiratet worden. Nach einem Jahr entflieht sie schwanger der gewaltsamen Ehe und kehrt zu ihrer Familie nach Berlin zurück. Als die Lebenssituation in der kleinen Wohnung für Aynur unerträglich wird, bricht sie mit den Traditionen ihrer Familie und sucht sich eine eigene Wohnung. Von nun an lebt sie ihr eigenes Leben, lernt einen Beruf, findet Freundinnen und geht mit Männern aus. Doch durch ihr Handeln fühlt sich ihre Familie in der Ehre verletzt und schon bald beginnen ihre Brüder sie mit Drohungen zu terrorisieren. Aynur ignoriert die Gefahr, denn ihr Drang nach einem selbstbestimmten Leben ist größer als ihre Angst.

 

 

Wer spielt mit?

In der Rolle der Aynur beeindruckt Shooting-Star Almila Bagriacik, die zuletzt unter anderem in „4 Blocks“ zu sehen war. An ihrer Seite spielt als ihre Bruder Rauand Taleb, der ebenfalls zum „4 Blocks“-Ensemble gehört. Ein weiterer Bruder ist durch Aram Arami besetzt, der durch die „Fack Ju Göhte“-Filme bekannt wurde.

Filmischer Augenschmaus?

Die nüchterne Stimme Aynurs aus dem Off, die ihre Sichtweise auf die Dinge schildert, steht im starken Kontrast zu der bewegenden Handlung und wirkt fesselnd. Durch Fotomontagen, welche die wichtigsten Momente des Filmes festhalten, schaffen es die Regisseurin Sherry Hormann und die Kamerafrau Judith Kaufmann, die Schlüsselmomente des Filmes hervorzuheben. Auch dass während des Filmes immer wieder Originalaufnahmen gezeigt werden, wirkt sehr eindrücklich und holt immer wieder die Realität in das Filmgeschehen.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪ 
Romantik: ✪ ✪
Humor:✪ 
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪ 
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪
Gibt’s was zu meckern?

Leicht irritierend war nur die etwas zu hastige Beschreibung der einjährigen Zwangsehe in der Türkei. Zwischen der Hochzeit und dem Rückflug liegen nur Sekunden und auch Aynurs Ehemann wird kaum gezeigt.

Braucht man Taschentücher?

Aynur hat in ihren jungen Jahren schon so viel Leid erleben müssen, dass man es manchmal nur schwer ertragen kann. Da sollte man das ein oder andere Taschentuch parat halten.


Aynur (Almila Bagriacik) im Kreise ihrer Schwestern
Mit wem angucken?

Obwohl der Film auch wirklich schöne Momente hat, hinterlässt er doch ein eher bedrückendes Gefühl. Die Tatsache, dass der Tod von Aynur auf einer wahren Begebenheit beruht und auch beispielhaft für viele anderen Ehrenmorde steht, verstärkt dieses Gefühl zusätzlich. Aus diesem Grund sollte man den Film besser mit einer vertrauten Person sehen, mit der man anschließend darüber reden kann.

Was macht man danach?

Ein paar Tränen aus den Augen wischen und über die vielen offenen Fragen nachdenken, die der Film hinterlässt.

In drei Worten:

tiefbewegendes, starkes Drama

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Im Kino läuft der Film leider nicht mehr, doch wenn ihr die Möglichkeit habt, holt ihn euch unbedingt auf die große Leinwand. Ansonsten tut es aber auch der kleine Bildschirm.

Mainstream oder Independent?

Auf der einen Seite weckt der Film durch die bekannte Regisseurin Sherry Hormann sicher einige Interessenten. Doch das Filmthema verspricht ein eher bedrückendes Filmerlebnis und lädt nicht zum fröhlichen Filmeabend mit Freunden ein. Auch die Tatsache, dass der Film von einem Ehrenmord handelt und auf einer wahren Begebenheit beruht, könnte dazu führen, dass ihn nur eine kleine Interessentengruppe anspricht.

Nur eine Frau

Regie: Sherry Hormann
Darsteller: Almila Bagriacik, Rauand Taleb, Aram Arami, Armin Wahedi und Mehmet Atesci, Meral Perin, Mürtüz Yolcu, Merve Aksoy, Lara Aylin Winkler

DVD-Start: 24.10.2019
Filmlänge: 93 Minuten
Genre: Drama
FSK: 12

Wir verlosen den Film 3x auf DVD. Hier geht's zum Gewinnspiel!

 

Text: Naomi Asal
Bilder:
Mathias Bothor

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