Nebenjob

Nachwuchspolitiker zähmen

Vom jahrelangen Ehrenamt zum Nebenverdienst: SPIESSER-Autorin Laura betreut neben ihrem Studium eine Gruppe junger Nachwuchspolitiker im Kinder- und Jugendparlament Castrop-Rauxel. Manchmal kein einfacher Job...

22. Oktober 2014 - 13:57
SPIESSER-Autorin Laura....
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Laura... Offline
Beigetreten: 17.05.2009

Freitagnachmittag: Ich betrete ein städtisches Jugendzentrum in Castrop-Rauxel. In 30 Minuten werde ich hier mit einer Horde Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren sitzen und mir mit ihnen Fragen zu den Themen Kinderrechte, Umweltschutz und über das Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) ausdenken. Außerdem werden wir Kreuzworträtsel entwickeln und Gummibärchen futtern, denn nebenbei sollen die Kinder etwas über Medien und Politik lernen und was ganz wichtig dabei ist: Spaß haben. Zwischen sechs und zehn Teilnehmer kommen regelmäßig zur Gruppenstunde. Alle vierzehn Tage betreue ich die Reporterkids und Nachwuchspolitiker des Kinder- und Jugendparlaments. Die Arbeit macht mir unglaublich viel Spaß; wohl auch, weil ich selbst vor meiner Anstellung als Honorarkraft neun Jahre lang Mitglied war und besonders die Gruppentreffen geliebt habe.

Mehr als Klassensprecher

Mit neun Jahren bin ich dem Kinder- und Jugendparlament Castrop-Rauxel beigetreten. Damals war das eine ziemlich große Sache für mich – die KiJuPa-Vertreter sind ein bisschen wie Klassensprecher, sie werden von ihren Mitschülern gewählt. Der einzige Unterschied: Sie vertreten alle Kinder und Jugendliche in der Kommune. Jede Grund- und weiterführende Schule entsendet pro Schuljahr mindestens zwei Vertreter ins KiJuPa, die die Wünsche und Belange der Gleichaltrigen vertreten sollen. Mir hat dieses Ehrenamt so viel Spaß gemacht, dass ich bis zum Abitur dabei geblieben bin.

Als ich 18 wurde, war gerade eine Stelle als Gruppenleiterin zu besetzen.  Plötzlich bezahlt werden für das, was ich seit neun Jahren freiwillig und umsonst mache? Gerne! Seitdem bin ich als Honorarkraft bei der Stadt Castrop-Rauxel eingestellt.


Laura legt mit ihren Reporterkids los.

Seit über drei Jahren betreue ich meine Reporterkids. Trotz einer gewissen Fluktuation von Schuljahr zu Schuljahr gibt es einen harten Kern, der dem KiJuPa und mir treu bleibt. Alle zwei Wochen treffen wir uns freitagnachmittags und arbeiten zusammen an einem Projekt, das sich die Kinder am Anfang des Schuljahres ausgesucht haben. Zuletzt war das eine KiJuPa-Zeitung, davor eine Art Imagefilm.

Wenn wir uns treffen, haben die Kinder immer viel zu erzählen. Wie war die Schule? Was gibt es Neues? Wir quatschen, bis ich für etwas Ruhe sorge. Was haben wir heute vor? Wir verteilen Aufgaben – Themenvorschläge sammeln, Interviewfragen aufschreiben, die wir den anderen Gruppen und dem Bürgermeister stellen möchten, um sie in der KiJuPa-Zeitung vorzustellen. Texte abtippen, Rätsel ausdenken, einen Brief an den Bürgermeister schreiben mit einer Anfrage für ein Grußwort in unserer Zeitung – und machen uns an die Arbeit. Die Kinder sind ziemlich selbstständig und haben viele Freiräume. Wenn sie Hilfe brauchen oder Fragen haben, bin ich zur Stelle. Lassen Konzentration und Motivation nach, räumen wir auf und gehen raus auf den Spielplatz. Mir ist wichtig, dass die Kinder gern zur Gruppenstunde kommen. Sie sollen sich ernst genommen fühlen und merken, dass sie mit Engagement und Ausdauer etwas erreichen können. Dass die Aufmerksamkeitsspanne manches Zehnjährigen eher gering ist, weiß ich. Mein Trick: Bestechung. „Die Aufgabe machen wir noch zu Ende, danach gibt es Schokolade“ – funktioniert immer!

Demokratische Toberunden

Früh übt sich: Abstimmung und Fragerunde im
Parlament.

Es ist schön, mit den Kindern rumzualbern und ihnen gleichzeitig etwas über Medien und Politik beizubringen. Im Kinder- und Jugendparlament werden Partizipation und Demokratie groß geschrieben. Wichtig ist deshalb nicht nur, dass ich mit den Kindern gut klar komme, sie mir vertrauen und mich zugleich respektieren. Wichtig ist auch, dass ich eine Ahnung von Demokratie und Politik in Deutschland, vor allem auch den Kinderrechten habe. Meine Studienfächer, Journalistik und Politikwissenschaft geben mir das nötige Rüstzeug dafür. Geduld und ein gewisses Gespür dafür, ob die Kinder gerade eine Toberunde vertragen könnten oder ich ihnen noch mehr Input geben kann, habe ich im Laufe der Zeit entwickelt.

Im Moment kann ich mir nur schwer vorstellen, das KiJuPa auf kurz oder lang zu verlassen. Als Kind und später Jugendliche war ich bereits stolzer Teil des Ganzen, als Mitarbeiterin bin ich es immer noch. Alle vierzehn Tage zwei Stunden tun, was ich schon immer gern tat, und damit Geld zu verdienen, ist super. Mich auch nach meiner Mitgliedschaft im KiJuPa für Partizipation und Kinderrechte einzusetzen, mein Wissen weiterzugeben ist auch toll. Zeit mit wissbegierigen, glücklichen Kindern zu verbringen, ist unbezahlbar.

Text: Laura Konieczny
Teaserfoto: Flickr-User Parlamentsdirektion / Bildagentur Zolles KG / Mike Ranz (CC BY-SA 2.0)
Fotos: Privat

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