Nebenjob

Nichts für Langschläfer

SPIESSER-Autorin Saskia ist seit einiger Zeit neben ihrem Studium als Postbotin unterwegs. Ein Nebenjob mit frühem Aufstehen, steilen Fahrmanövern und glücklichen Rentnern.

20. August 2014 - 12:53
SPIESSER-Autorin SaskiaS.
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SaskiaS Offline
Beigetreten: 22.11.2013

Wenn morgens das Postauto vor unserem Haus hält, nehme ich das nicht nur wahr, sondern freue mich – der Mann im Post-T-Shirt ist mein Arbeitskollege. Seit nun etwas mehr als einem Jahr bin ich im Nebenjob Postbotin. Nach dem Abitur musste, auch wegen meinem angestrebten Studium, ein größerer Job her. Ich machte mich auf die Suche und eine Bekannte meiner Mutter erzählte mir: „Also uns bringt immer ein Student die Post, das kannst du doch bestimmt auch!“

Viel an der frischen Luft

Saskia bringt die Post an den Mann und die Frau.

Gesagt getan: angerufen, eine Bewerbung geschrieben, ein Vorstellungstermin bei der Deutschen Post gehabt, einmal Probearbeiten. Schon beim Probearbeiten musste ich feststellen, dass der Job eines Zustellers körperlich viel von mir abverlangt. Pakete bis zu 31,5 kg muss ein Postler austragen. Doch das schreckte mich nicht ab, denn die Arbeit, die ich im Sommer 2013 begann, hat auch viele Vorteile. Sobald man morgens das Haus verlässt, ist man sein eigener Chef und zudem den ganzen Tag an der frischen Luft.

Nachdem ich dann unzählige Verträge, von Versicherungen bis hin zum Postgeheimnis, unterschrieben hatte, ging es schon los. Die ersten 10 Arbeitstage gelten als Einarbeitungsphase, in der man einen Zusteller begleitet. Das wichtigste bei der Arbeit ist, die Post zuverlässig und richtig zuzustellen. Auf vielen Klingelschildern steht schließlich nur der Nachname, aber da die komplette Adresse korrekt sein muss, weiß man als Postbote auch den Vornamen der Familienmitglieder. Mein Arbeitstag beginnt schon um 6.15 Uhr. Meine Freunde schauten mich zu Beginn entgeistert an und fragten sich, wie ich diesen Job nur aushalten würde. Aber da ich von Natur aus kein Langschläfer bin, macht mir das frühe Aufstehen wenig.

Mein Bezirk!

Pakete-Tetris deluxe...

Die ersten Aufgaben in der Post ist bis 8.30 Uhr das Sortieren per Hand vom „Langholz“. Das ist all die Post, die nicht das Standardbrief-Format hat. Kataloge, große Briefe und kleine Pakete fliegen dann über meinen Tisch. Ist alles fertig sortiert, kommen die Standard-Briefe an. Diese müssen einmal kontrolliert werden. Kunden, die kürzlich umgezogen sind, bekommen ihre Post dann nachgeschickt.

Mein Bezirk ist ein Verbund-Bezirk, das bedeutet, dass ich sowohl die Briefpost als auch Pakete ausliefere, deswegen kommt dann ein LKW voller Pakete – die unbeliebteste aller meiner Aufgaben. Die Pakete müssen in die verschiedensten Bezirke verteilt werden. Die Pakete, die für meinen Bezirk bestimmt sind, muss ich dann mit dem Handscanner einlesen und dann wird losgefahren.

Erst seit meinem Nebenjob ist mir klar geworden, wie viel wir alle bestellen. Das skurrilste Paket, das ich je ausgeliefert habe, war eine Stoßstange. Als ich die irgendwie in mein Postauto manövriert hatte, war das Auto schon fast voll. Wegen solch sperrigen Paketen muss ich oft eine Sonderfahrt machen. Da ich als Fahranfängerin nur Kleinwagen gefahren bin, war das gefühlt riesige Postauto anfangs eine große Herausforderung.

In den Ortschaften hat man dann Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen. Manche reagieren gereizt auf die Klingel, andere, besonders ältere Menschen sind unglaublich herzlich und freuen sich über die Post. Wichtig ist, die Nerven zu behalten und immer freundlich zu bleiben, auch wenn man bereits zum wiederholten Male mit einem schweren Paket niemanden antrifft, denn es gilt – der Kunde ist König. Vor Feiertagen halten ältere Personen teilweise ein kleines Geschenk, wie eine Schokolade bereit, um sich zu bedanken. Wenn sie schon an der an der Straße stehen und warten, macht mich das ein bisschen traurig, da ich weiß, dass Rentner häufig mit wenigen Menschen Kontakt haben und sich deswegen so über einen kurzen Plausch mit dem Postboten freuen.

Mehr als nur Pakete ausliefern?!

Damit die Kunden auch die Post erhalten, die sie
wollen.

Nachdem ich zwischen Abitur und Studienbeginn acht Wochen am Stück gearbeitet habe, kann ich jetzt meine Arbeit bei der Post frei gestalten. Während der Semesterferien bringt der Job bei der Post das nötige Kleingeld und auch freie Tage in der Vorlesungszeit, an denen ich arbeiten kann, lassen die Kasse klingeln. Für mich ist der Lohn, der pro Tag und nicht pro Stunde gezahlt wird, absolut angemessen. Wenn man sich bei der Post bewerben möchte, muss man anfangs Zeit mitbringen. Außerdem sollte man zuverlässig sein. Den sportlichen Aspekt darf man nicht vernachlässigen. Das Treppenlaufen sowie das Paketschleppen ist nichts für körperlich schwache Persönlichkeiten. In der Poststelle, in der ich angestellt bin, sind wir acht Studenten – fast in jedem Bezirk gibt es also eine studentische Aushilfskraft, sodass die Chancen für diesen Job, wenn man einen Führerschein hat, zumindest bei mir, im ländlichen Teil NRWs, recht gut stehen.

Durch die Arbeit bei der Post habe ich gelernt, diesen Beruf zu respektieren. Früher habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, etwas Großes oder Schweres mit der Post liefern zu lassen – heute umgehe ich dies komplett. Am meisten geprägt hat mich jedoch der Umgang mit den Kunden. Man trifft auf so viele Charaktere und lernt auf diese zu reagieren. Außerdem nehme ich mir jetzt mehr Zeit für ein Gespräch mit meinen älteren Nachbarn, die alleine leben, da ich nun weiß, wie einsam sie tatsächlich sind.

Text: Saskia Schneider
Fotos: Flickr-User gajman
(CC BY 2.0), Privat

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