Kinofeeling

Django – Ein
Leben für die Musik

Paris, 1943: Der Meister des Gypsy-Swing und Virtuose an der Gitarre Django Reinhardt verführt die Menschen zu wippenden Füßen und Lächeln auf den Lippen. Wer seinen Namen nicht kennt, der kennt seine Musik.

02. November 2017 - 09:36
SPIESSER-Autorin cucumber.
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cucumber Offline
Beigetreten: 17.11.2016

Worum geht's?

In dieser Filmbiographie entführt uns Etienne Comar in das Leben des Django Reinhardt, einer der bekanntesten Gitarristen und Jazzmusiker des letzten Jahrhunderts. Der von französischen Sinti abstammende Django erlangte durch seine spezielle Spielweise der Gitarre besondere Aufmerksamkeit. Mit nur drei funktionsfähigen Fingern an der linken Hand verzauberte er Massen von Franzosen, Deutschen und weltweit.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪
Romantik: ✪ ✪ ✪
Humor: ✪ ✪ ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪

Dass auch den Deutschen der schwungvolle Swing des Sinti gefällt, ist im Jahr 1943 im besetzten Frankreich natürlich enorm spannungsgeladen. Schließlich stehen Sinti und Roma doch auf der Liste der zu deportierenden Bevölkerung der Nazis. Kann die Musik Django vor der Ideologie der Nazis beschützen? Und wie viel Politik wohnt der Musik inne? Kann Kunst überhaupt unpolitisch sein?

Wer spielt mit?

Reda Kateb verkörpert Django Reinhardt, als hätte er dessen Musik geatmet. Voll mit Exzentrik, Virtuosität und dem impulsiven Lebensstil des Musikers, kauft man Kateb („Lost River“) diese Rolle voll ab. Immerhin hat der Schauspieler ein Jahr lang sogar das Gitarre spielen geübt, um Django imitieren zu können. Django zur Seite stehen seine Frau Naguine, gespielt von der ungarischen Sängerin Bea Palya, sowie die Geliebte Louise. Diese verhilft dem Musiker zur Flucht in die Schweiz und wird von Cécile de France („In 80 Tagen um die Welt“) dargestellt.

Filmischer Augenschmaus?

Die Schnitte sind manchmal hart und einige Szenen wirken zu zufällig aneinandergereiht. So kommt einem der Film manchmal etwas ruppig vor. Dies passt gut zu der Tatsache, dass dieser nur ein kleines Standbild eines sehr kleinen Zeitraums in Reinhardts Leben darstellt und darin auch Zusammenhänge, Informationen und Zeiträume fehlen. So passt das filmische Handwerkszeug vielleicht zum Inhalt des Films, birgt aber dennoch einige irritierende Momente aus eben diesem Grund in sich. Letztlich sollte man erwähnen, dass dieser Film mehr Ohren- als Augenschmaus ist.

Gibt’s was zu meckern?

Ohne Vorwissen oder geschichtlichen Kontext ist der Film teilweise schwer nachzuvollziehen oder gänzlich zu durchsteigen. Somit ist der Zugang zu Thema und Musik eher sperrig und verlangt ein gewisses Maß an Interesse, um es in seiner Gänze erfassen zu können. Nichtsdestotrotz ist es ein kleiner Einblick in ein großes Leben. Wenn auch nicht unbedingt verknüpft mit dem samstagsabendlichen Unterhaltungsfaktor im herkömmlichen Sinne.

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Braucht man Taschentücher?

Flüsse der Tränen wird dieser Film auch mit all seiner berechtigten Dramatik eher weniger auslösen. Maximal einen Schock und vielleicht ein bitteres Lächeln über die unbegreiflich ambivalente Logik der Nazis – tief gespalten zwischen eigenem Lustempfinden und den engen Schlingen einer übergestülpten Ideologie.

Mit wem angucken?

Vorzugsweise mit Fans des Jazz, Gypsy-Swing oder generellem Interesse an Musik.
Aber natürlich ist es auch für alle anderen ein schöner, wenn auch unvollständiger, Einblick in eine turbulente Zeit des letzten Jahrhunderts und in das Leben eines großen Musikers.

Was macht man danach?

Entweder sich eingehender informieren über Django, seine Musik, seine Einflüsse. Oder über die Verfolgung der Sinti und Roma im Dritten Reich, die so gerne vergessen wird. Oder man hört sich einfach Reinhardts wundervoll Musik an und lässt sich in eine andere Zeit entführen.

In 3 Worten:

Gypsy-Swing. Leben. Musik.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Der Fernseher zu Hause genügt völlig. Die Kinoleinwand muss für diesen Film nicht unbedingt herhalten. Eine gute Soundanlage würde wesentlich mehr Effekt erzeugen als ein großer Bildschirm.

Mainstream oder Independent?

Bei aller Berühmtheit Django Reinhardts ist es wohl doch eher weniger Mainstream, sich eine Filmbiographie über einen Musiker anzusehen. Musikalisches und historisches Interesse sind nicht unbedingt ausschlaggebende Faktoren dafür, einen Film für ein großes Publikum reizvoll zu machen.

Django – Ein Leben für die Musik

Regie: Étienne Comar
Darsteller: Reda Kateb, Cécile de France, Beata Palya, Bimbam Merstein
Kinostart: 26. Oktober 2017
Filmlänge: 1 St. 57 min
Genre: Filmbiografie
FSK: 12

 

 

Text: Annika Bäse
Bildmaterial: © Roger Arpajou, 2000-2017 Muschalik Digitale Medien

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