Kinofeeling

The Killing of a Sacred Deer

Steven Murphy hat die grausame Wahl: Entweder er selbst tötet eines seiner Familienmitglieder – oder er erlebt, wie sie alle sterben. SPIESSERin Rebekka hat sich für euch ins Kino gesetzt und versucht, sich so wenig wie möglich die Augen zuzuhalten.

05. Januar 2018 - 15:01
SPIESSER-Autorin breakfastatspiesser.
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breakfastatspiesser Offline
Beigetreten: 28.07.2017

Worum geht's?

Der erfolgreiche Herzchirurg Steven Murphy lebt gemeinsam mit seiner Frau Anna und den beiden Kindern in einem idyllischen Vorort. Seine Frau und er sind wohlverdienend, die Kinder beide begabt in Musik. Das Leben könnte für sie nicht besser laufen – wäre da nicht der Halbwaise Martin. Denn der Vater des 16-Jährigen ist vor Steven auf dem OP-Tisch verstorben. Aus unterbewussten Schuldgefühlen heraus, trifft er sich ab und zu mit dem Jungen, gibt ihm Geld und wird von ihm als Vaterersatz angesehen. Das geht so weit, dass Martin versucht, Steven mit seiner arbeitslosen Mutter zu verkuppeln. Der seit 16 Jahren verheiratete Chirurg empfindet das als Wahnsinn und stößt Martin damit vor den Kopf. Als dann sein Sohn Bob eines Morgens merkwürdigerweise mit tauben Beinen im Bett aufwacht und sich im Krankenhaus keine Ursache finden lässt, teilt Martin Steven mit, er habe einen Fluch über die Familie Murphy gelegt, der in kurzer Zeit jeden außer dem Familienvater umbringen wird – wenn dieser nicht selbst ein Mitglied der Familie opfert. Es beginnt der reinste Psychoterror sowie ein Wettlauf gegen die Zeit.

Wer spielt mit?

Der Film kommt in absoluter Starbesetzung daher: Colin Farrell zeigt sich in der Rolle des verzweifelten und aufgewühlten Steve Murphy, während Nicole Kidman seine Frau Anna spielt. Barry Keoghan überzeugt auf beeindruckende Weise in der Psychorolle des Martin. Wer „Clueless“ (1995) kennt, der wird seine Mutter auch wiedererkennen, denn hinter dieser verbirgt sich Alicia Silverstone. Die Kinder Kim und Bob werden von Raffey Cassidy und Sunny Suljic gespielt und liefern für ihr Alter eine extrem professionelle Performance.

Filmischer Augenschmaus?

Ja, ja und noch nochmals JA. Das, was den Film für mich so ausgezeichnet macht, sind allem voran die Kameraführung und Perspektiven. Der Zuschauer wird wirklich an die verschiedenen Figuren herangeführt und aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln wird das größtmögliche emotionale und handlungsbezogene Verständnis in einem hervorgerufen. Auch die ungewöhnliche Musik ist dermaßen gut gewählt, dass es einem das Herz in der Brust hüpfen lässt.

Gibt’s was zu meckern?

Das Einzige, was mich stört, ist die Altersbeschränkung. Der Film ist ab 12 Jahren freigegeben, was er meiner Meinung nach einfach nicht sein sollte. Er enthält nicht nur viele erotische Szenen und Nacktszenen, sondern auch extrem blutige Darstellungen.

Braucht man Taschentücher?

Besonders gegen Ende geschehen einige Dinge, für die man mit Taschentüchern gewappnet sein sollte. Sei es, um hineinzuschniefen oder sich damit die Augen zuzuhalten.

Mit wem angucken?

Auf jeden Fall NICHT mit zartbesaiteten Wesen, so viel steht fest. An einigen Stellen klappt sogar dem härtesten Kinozuschauer die Kinnlade runter, man sollte also wirklich darauf achten, dass keiner danach zu verstört ist.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪ ✪ ✪
Romantik: ✪
Humor:
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪
Was macht man danach?

Sehr tief durchatmen und, wenn das nicht hilft, online Tierbabyfotos anschauen.

In 3 Worten:

bewegend, schockierend, Psychoterror

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Der Film hat sich seinen Platz auf den großen Leinwänden weltweit außerordentlich verdient. Er wurde auf einem äußerst hohen Niveau produziert und hinterlässt mächtig Eindruck.

Mainstream oder Independent?

Ich habe schon lange nicht mehr so einen guten Film gesehen, es stimmte einfach alles. Von der Besetzung bis zur Musik. Ob Mainstream oder Independent, wird sich wohl zeigen – gut ist er in jedem Fall!

The Killing of a Sacred Deer

Regie: Yorgos Lanthimos
Darsteller: Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan, Alicia Silverstone, Raffey Cassidy, Sunny Suljic
Kinostart: 28.12.2017
Filmlänge: 121
Genre: Psychothriller, Drama
FSK: 12

 

 

Text: Rebekka Hörnig
Teaser: ©Alamode Film

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