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11 Millionäre müsst ihr sein – König Fußball und die Demokratie

Ein Monarch ist er, der König Fußball, und regiert in Deutschland über die Parteigrenzen hinweg, blau-weiß, gelb-schwarz, rot-weiß. Doch wie wichtig ist für die Demokratie, kaiserlich bei einem Weißbier die WM ins Land zu mogeln und die Vollzeitkommerzialisierung des Sports voranzutreiben?

03. September 2019 - 10:23
SPIESSER-Autor Der Mann den Sie Pfirsich Nannten.
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Der Mann den Sie Pfirsich Nannten Offline
Beigetreten: 24.04.2015

Der Deutsche Fußball Bund (DFB) und seine Bundesligaclubs, eingetragene Vereine und per Definition gemeinnützig. Der DFB hat die Gemeinnützigkeit, die FDP und Union sowie der Bundesfinanzhof attac, der Deutschen Umwelthilfe und anderen NGOs aberkennen wollen, um sie damit finanziell zu ersticken, da sie zu politisch agierten. Der Fußball erstickt auch, aber im Geld. 350 Millionen Umsatz erzielte der DFB e.V. 2018 (Statista 2019) und konnte dabei die Steuervorteile eines Vereins nutzen: „Dazu zählen beispielsweise die Befreiung von der Körperschafts- und Gewerbesteuer, der ermäßigte Umsatzsteuersatz in Höhe von 7 %“, kann man der Website des DFB entnehmen.

Im Februar kamen Dokumente im Zusammenhang mit Football-Leaks an die Öffentlichkeit, die offenbarten, dass teure Flüge und Partys mit den gemeinnützigen Geldern bezahlt wurden. Eine Luxusuhr wurde DFB-Präsident a.D. Grindel geschenkt und nicht gemeldet und er konnte auf seiner neuen Uhr sehen, dass es Zeit war zu gehen. Vergangene Woche wurde Anzeige erstattet gegen die DFB-Funktionäre, die 2006 die WM nach Deutschland holten. Die Gerichtskosten sind sicher gemeinnützig.

Dass der Fußball sich finanziell von der Realität entkoppelt hat, beweisen jährlich gebrochene Rekordtransfersummen und Gehälter. Hinzu kommen Werbeeinnahmen aller Art bis das letzte Gesicht gecremt und das letzte Weißbrot mit Nutella beschmiert wurde. Die Kosten für die Übertragungsrechte der Bundesliga steigen und schon lange können öffentlich-rechtliche Fernsehsender bei den Summen nicht mehr mithalten, wenn das restliche Fernsehprogramm nicht von Andrea Kiewel durchmodertiert werden soll. Alles im Dienste der Gesellschaft, denn die Gesellschaft braucht den Fußball und kauft ihn um jeden Preis. Christian Streich, Trainier des SC Freiburg e.V., fand in einer Pressekonferenz auf Nachfrage zum 222-Millionen-Transfer des Brasilianers Neymar deutliche Worte, wenn auch mit badischem Dialekt: „Ich weiß nicht, wie's denen geht, die nichts haben, wenn sie das [den 222-Millionen-Transfer] lesen. […] Ich weiß nicht, ob das förderlich ist für unsere demokratische Ordnung. Ich weiß nicht, ob's gut ist, aber ich glaube, es ist nicht gut. Aber ich werd's nicht verhindern. Wir sind im irrealen Bereich, aber es ist gerade Realität.“

Die Todsünde Gier, im Profi-Fußball wird sie Gemeinnützigkeit. Doch mit dem wachsenden Einfluss großer Geldgeber im Fußball und der Vereinssuperkonzerne, die um den Geldfluss entstehen, wächst bei vielen Fans gleichsam der Unmut. Sie müssen inzwischen bei verschiedenen Kanälen zu sechs Anstoßzeiten die Bundesliga gucken – alles, damit möglichst viele möglichst viel bekommen. Das ist gemein, aber nicht nützlich. Ins Stadion zu gehen und den Polyesterlappen der aktuellen Saison, fünffach mit Ekelkonzernen beflockt, für einen dreistelligen Betrag zu kaufen, lässt auch dem eingefleischtesten Fan das gestreckte Bier hochkommen.

Sportvereine aller Art und alle ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten einen tollen Dienst an der Gesellschaft, beleben Dörfer und Städte und geben der Jugend neben Knochenbrüchen und Hänseleien auch ein tolles Miteinander und schweißtreibenden Ehrgeiz. Doch die Vormachtstellung des Fußballs überstrahlt das und der Profisport bringt nur noch die zweifelhaften Ikonen hervor, die Ruhm gegen die Jugend tauschen und sich von Marketingagenturen nahbare Social-Media-Beiträge schreiben lassen.

Mit Milliarden sorgt der DFB dafür, dass Fußball nicht hinterfragt wird, nie hinterfragt wird. Fußball ist der König und der lebe lang. Wie bei Konzernen werden daher Marketingstrategien bei Kindern angesetzt, sodass man nur über die Sommermärchen und „unsere Jungs“ redet, nicht über Schmiergelder, Verantwortung und Rechtsbrüche. Wer wie Konzerne agiert, muss auch so zahlen. Wenigstens das. Nach Football-Leaks hat Profifußball einen bitteren Beigeschmack wie Inlandsflüge, deshalb wäre es nur richtig dem DFB und den Top-Verdiener-Vereinen die Gemeinnützigkeit zu entziehen und in Unternehmen umzuwandeln. Von mir aus auch mit Videobeweis.

 

Text: Christian Schneider
Teaserbild: Photo by Izuddin Helmi Adnan on Unsplash

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