Meinung

Technik kann unkreativ und abhängig machen – wenn man sie falsch nutzt

Soziale Medien können Fluch und Segen zugleich sein. Den einen machen sie abhängig, den nächsten beflügeln sie. Und ich? Ich dümpele irgendwo dazwischen.

13. September 2019 - 13:13
SPIESSER-AutorIn Freigeistgefluester.
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Freigeistgefluester Offline
Beigetreten: 19.01.2019

Ich nutze gerne mein Handy. Auf Social-Media-Plattformen wie Pinterest und Instagram lasse ich mich gerne von anderen Menschen inspirieren. Gleichzeitig nutze ich sie – vor allem Instagram – gerne, um mich selbst auszudrücken.

Zusätzlich zu meinem Handy benutze ich schulbedingt ein iPad, das mich oft dazu verleitet, in den Tiefen des Internets zu verschwinden. So berauschend dieser Konsum sein kann, so tückisch und giftig ist er für meine Kreativität. Diese ist für mich sehr wichtig, weil ich als kreativer Mensch auf verschiedene Weisen durch Malen, Zeichnen und Schreiben die Möglichkeit – und auch das Bedürfnis – habe, mich auszudrücken und meine Gefühle zu verarbeiten.

Toxizität Handy

Zwar inspirieren mich viele kreative Posts, aber gleichzeitig blockieren sie mich. Je mehr Ideen im Netz veröffentlich und von mir konsumiert werden, desto weniger eigene Ideen fallen mir ein. Hinzu kommt ein schon suchtähnliches Verhalten: das krankhafte Verlangen nach mehr. Nicht nur nach mehr Social-Media-Input, sondern auch nach mehr Handykonsum. Viel zu oft ertappe ich mich dabei, wie ich das Handy in die Hand nehme, ohne überhaupt etwas Spezielles damit vorzuhaben. Ich lasse den Bildschirm aufleuchten und kann trotzdem nicht sagen, wie spät es ist, obwohl mir die Uhrzeit ganz groß angezeigt wird. Somit beginnt schleichend ein Teufelskreis, der immer stärker meine Gefühle blockiert.

Einfach mal abschalten

Um dem Teufelskreis zu durchbrechen, lege ich ein „Digital Detox“ ein. Vielleicht seid ihr ja schon mal über den Begriff gestolpert. Falls nicht: Kurz gesagt handelt es sich um ein bewusstes Nichtnutzen von digitalen Medien. In meinem Fall: Handy und iPad kommen weg. Wie „streng“ man die Sache dabei sieht, ist jedem selbst überlassen. So kann man sich zum Beispiel jeden Tag fünf bis zehn Minuten erlauben, sein Handy zu benutzen, um z. B. private Nachrichten zu beantworten. Auch kann der Entzug von einzelnen Tagen bis hin zu mehreren Wochen reichen. Für mich persönlich hat sich mit der Zeit herausgestellt, dass es mir weniger darum geht, komplett handyfrei zu leben, sondern sich so zu arrangieren, dass der Konsum keine Überhand mehr nimmt.

Anfangs fiel es mir schwer. Immer herrschte ein innerlicher Drang, die sozialen Netzwerke zu checken und sich in den ganzen Beiträgen und Posts zu verlieren. Doch nach ein paar Tagen setzte sich dann ein unglaublich befreiendes Gefühl ein. Der Druck lies nach. Ich wurde wieder kreativer, aktiver und unabhängiger. Ich wandelte mich von einem Zmombie zurück in ein lebendes Wesen.

Ein Leben ohne Handy ist trotzdem unmöglich

Leider gehöre ich nicht zu diesen super enthaltsam lebenden Menschen, die ihr Handy verkaufen und ohne leben können. Dazu nutze ich die Vorteile des Internets viel zu gerne. Mit der Zeit habe ich aber entdeckt, dass ich auch digital kreativ sein kann – was als kleiner Nebeneffekt noch viel nachhaltiger ist. Denn zum Schreiben oder Malen kann ich mein iPad benutzen, was Ressourcen spart. So kann ich kreativ sein, digitale Medien nutzen und gleichzeitig der Umwelt etwas Gutes tun.

Seit dieser Entdeckung gehe ich mit dem Thema „Technik und Lifestyle“ ganz anders um. Ich versuche nicht mehr, mich dazu zu zwingen, im Verzicht zu leben. Viel mehr finde ich immer neues Potential, das meine Kreativität sogar fördert. Ich kann viel mehr aus dem Malen und Zeichnen herausholen seit ich technische Medien als Ventil anerkenne und schätze.

Dennoch ist Achtung geboten: Wer anfängt, Technik bewusst mehr in den Alltag zu integrieren, läuft Gefahr, unbewusst wieder in eine Falle zu tappen. Mögliche Folgen können Abhängigkeit oder Kreativitätsblockaden sein. Wer dieses Risiko aber eingeht und sich bewusst macht, welche Beziehung man genau zu technischen Medien hat, kann diese Unannehmlichkeiten umgehen und sogar Profit daraus schlagen.

Für mich hat sich auf jeden Fall herausgestellt, dass man Technik und Lifestyle miteinander kombinieren kann, wenn man sich selbst mit dem Thema auseinandersetzt und auf sein Bauchgefühl hört.

 

Text: Rebecka Juchems
Teaserbild: Photo by Bram Naus on Unsplash

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