Meinung

Abrissparty mit unserer Erde?

Betrachtet man die Gewinn-Verlust-Rechnung, hätte die Europawahl nicht deutlicher ausfallen können. Während SPD und CDU herbe Verluste erlitten, triumphierten die Grünen, die ihr Ergebnis gegenüber 2014 fast verdoppeln konnten. Auch die Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen brachten den Grünen ordentliche Zugewinne. Die Grünen sind im Aufwind und es zeichnet sich eine Trendwende im Verhältnis der Deutschen zur Klimapolitik ab.

26. September 2019 - 09:47
SPIESSER-AutorIn Thomas Alb.
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Thomas Alb Offline
Beigetreten: 23.06.2019

Das geschieht nicht ohne Grund. Die Hitzesommer 2018 und 2019 und die Fridays-for-Future-Demonstrationen zeigen eins: Es wird immer dringlicher, den Worten zum Klimaschutz Taten folgen zu lassen. Das Kyoto-Protokoll und das Pariser Klimaabkommen machen deutlich, dass die Mehrheit der Staaten auf der Welt die Treibhausgasemissionen als ein Problem ansieht. In Deutschland sind die Grünen die Partei, der man am ehesten glaubt, dass sie es mit dem Klimaschutz ernstmeint, vor allem, da sie seit ihrer Gründung für konsequenten Klimaschutz steht. Für manche zu konsequent. Aber kann man in einer Krisensituation überhaupt zu konsequent sein?

Für die anderen Parteien nur ein Nebenaspekt

Dass die Grünen ziemlich ambitionierte Ziele in der Klimapolitik haben, wird an ihren politischen Strategien deutlich. So fordern sie unter anderem die Einführung der CO2-Steuer und den Ausstieg aus der Kohle bis spätestens 2030. Dann soll der Strombedarf in Deutschland zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Keine andere Partei im Bundestag kann so konsequente Forderungen vorweisen. Vor allem CDU und SPD wirken immer noch so, als wäre Klimaschutz auf der Prioritätenskala zwar vorhanden, aber nicht weit oben. Dabei ist es so dringend wie nie, sich klar zu der Frage zu positionieren, wie wir als Gesellschaft mit dem anbrechenden Klimawandel umgehen wollen.

Die Frage ist: Wollen wir eine letzte Abrissparty mit unserem Planeten feiern oder wollen wir die Erde zu unserem Wohle und dem der zukünftigen Generationen bewahren? Während die Grünen eine klare Meinung zu diesem Thema haben, scheint die deutsche Bundesregierung lieber ein „Weiter so!“ zu betreiben. Man wolle ja nicht die Wirtschaft gefährden, heißt es dann immer. So kommt es dann halt, dass man die eigenen Klimaschutzziele zum Jahr 2020 einfach verfehlt. Statt 40 Prozent CO2 gegenüber 1990 einzusparen, werden wohl gerade mal 32 Prozent erreicht und das als Land, das sich im Klimaschutz gerne als Vorreiter sieht!

Nicht nur die Schuld der Politik

Der Klimawandel ist allerdings nicht nur eine Sache der Politik. Er ist das Problem der gesamten Gesellschaft. Wir alle wissen in der Regel um den Klimawandel und seine Folgen. Wir wissen, dass die Polkappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt und Dürren zunehmen. Allerdings handeln nicht nur Parteien, sondern auch viele Unternehmen und Einzelpersonen nicht dementsprechend. Fridays for Future mag den Anschein erwecken, es sei die Politik und die Wirtschaft der „Älteren“, die Schuld haben und die nun etwas tun müssten, damit die Zukunft der jungen Generation nicht zerstört wird. Fakt ist, die „ältere“ Generation hat viel zu lange die Klimaerwärmung ignoriert und belächelt. Der Haken ist allerdings, es sind nicht nur „die da oben“ oder „die Älteren“, die diesen Planeten zerstören, sondern es sind wir alle. Wenn spritfressende SUVs nicht nachgefragt werden würden, hätte kein Unternehmen der Welt mehr Interesse daran, diese Autos herzustellen. Natürlich kaufen junge Leute in der Regel keine SUVs, aber dasselbe Prinzip gilt für Fast Fashion oder unnötige Billigflüge.

Wir sitzen alle im selben Boot und sollten endlich damit anfangen, den Klimawandel als Bedrohung anzusehen, als Konsumenten, Unternehmer und Wähler. Die Grünen wirken, als würden sie am ehesten durchgreifen, um Deutschland wirklich zum Musterschüler in Sachen Klimaschutz zu machen. Sobald sie mehr Macht haben, müssen sie aber anfangen, sich zu beweisen. Sonst sind sie nicht besser als andere Parteien.

 

Text: Thomas Alb
Teaserbild: Fabian Heil von flickr (CC BY 2.0)

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