Meinung

Alle für einen

SPIESSER-Redakteurin Vicky geht die neue Sachsenfeindlichkeit mächtig gegen den Strich. Ein Appell an die Politik und ein Plädoyer für ihre Heimat.

25. August 2015 - 15:07
SPIESSER-Redakteurin MissFelsenheimer.
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MissFelsenheimer Offline
Beigetreten: 04.05.2009

Liebes Deutschland,

es reicht. Im Ernst. Wir haben verstanden, oder wie man hierzulande sagt: Nu, is kloar. Nach brennenden Asylunterkünften in Spe im sächsischen Meißen, einer pöbelnden Pegida-Menge vor der Dresdner Zeltstadt, Hitlergruß patrouillierenden Opas in Freital und mit Steinen werfenden Nazi-Familien in Heidenau, scheint Sachsens Image vollends dahin. Und zwar so weit, dass sich beispielsweise die ZEIT für einen Säxit ausspricht. Die neue Sachsenfeindlichkeit geht auf Facebook weiter: Immerhin 2.300 Menschen gefällt die Seite „Sachsen raus aus Deutschland“, die Sachsen als „das Tätervolk der Geschichte und Gegenwart“ betitelt.

Dass zur gleichen Zeit im baden-württembergischen Weissach eine geplante Asylunterkunft ausbrennt oder in Dortmund mit gelben Shirts getarnte Neonazis durch die Straßenbahnen laufen und für den „Stadtschutz“ Menschen mit anderer Hautfarbe bedrohen, findet vergleichsweise kaum Platz  in der täglichen Berichterstattung.

Warum? Ich weiß es nicht. Genauso wenig, wie ich eine Erklärung dafür habe, warum Sachsen solche Vorfälle wie ein brauner Magnet geradezu anzuziehen scheint. Aber ich weiß, dass ich als gebürtige Sächsin mir diesen Stempel nicht aufdrücken lassen und auf Grund meiner Herkunft nicht schief angeguckt werden möchte. Genauso wenig wie ich – trotz meiner sächsischen Herkunft – die Flüchtlinge schräg beäuge. Wir sind viel mehr als Freital, Heidenau und Meißen.

Doch um das zeigen zu können, brauchen wir die mediale Öffentlichkeit, die sich nicht nur auf die nächsten Ausschreitungen in irgendeiner sächsischen Kleinstadt stürzt, sondern auch der politisch gesunden Masse Platz bietet. Was den gemeinen besorgten Sachsen vom Rest der Bundesrepublik zu unterscheiden mag, sei vielleicht allein der Fakt, dass die Hemmschwelle, seinem Unmut Luft zu machen, niedriger ist.

Das genaue Gegenteil spiegelt leider die sächsische und die Bundesregierung wieder. Statt konkreter Taten, kommen als einziges Echo schnöde und hohle Verurteilungen gepaart mit viertelstündigen Besuchen am „Unfallort“. Der sächsische besorgte Bürger wird sich da nur ins Fäustchen lachen. Wir brauchen konkrete rechtliche Konsequenzen statt leerer Verurteilungen oder bedrohlich wirkenden Sicherheitszonen und Wasserwerfern vor der Asylunterkunft.

Aber damit das passiert, damit der gemeine besorgte Bürger aus Sachsen bekehrt wird, muss sich die Politik eines eingestehen: Der Rassismus in der Bevölkerung erlebt keine Renaissance, er war schlichtweg nie weg aus einigen Köpfen. Der besorgte Bürger, zeitweilen auch Asylkritiker genannt, ist einfach nur ein Synonym für den Nazi des 21. Jahrhunderts. Anstatt also die ganze Zeit irgendwelche Entschuldigungen für diese Ausschreitungen zu suchen, sollten die Politiker auf ihre Worte Taten folgen und auf Steine harte Gesetze fliegen lassen.

Um dann wirklich für ein innerdeutsches Happy End zu sorgen, sollten sich alle an den Schulterschluss von 1989 erinnern, als das kleine Sachsen in der friedlichen Revolution auf die Straßen gegangen ist. Einer für alle. Jetzt ist ganz Deutschland am Zug, sich auf politischer Ebene dafür zu revanchieren und uns eine kleine politische Revolution zu ermöglichen. Statt uns auszugrenzen und einen Stempel aufzudrücken, brauchen wir Schützenhilfe. Nur so kann der besorgte Bürger aus Sachsen bekehrt und die gewollte Willkommenskultur hergestellt werden.

Alle für einen eben.

Text: Victoria Gütter
Foto: flickr.com, User Michael Espig, CC-Lizenz (CC BY 2.0)

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Kommentare

Zwei Kommentare
  • Liebe Frau Nashorn,
    danke für deine ehrliche Meinung. Allerdings tust du genau das, wogegen ich argumentiere: Mich als "Jammerossi" in eine Schublade stecken. Damit baust du allerdings die von dir angesprochende Grenze auf und stampfst damit jegliche Debatte ein. Doch das löst das Problem in Sachsen leider auch nicht. Im Gegenteil: Es vertieft die Kluft nur noch mehr. Dabei brauchen wir eure Hilfe, den rechten Mob, das #heidepack in den Griff zu bekommen.
    Und ja: Natürlich finden in Sachsen zur Zeit gehäuft solche Vorfälle, Ausschreitungen ect. statt, das beunruhigt mich und ich wollte es keineswegs relativieren.
    Aber mich würde interessieren: Welche Lösung hättest du für das #sachsenproblem?

  • Was für ein peinlicher Artikel. Damit bekräftigst du doch bloß das Jammerossi-Klischee. Wie banal sind die Aussagen: Woanders ist auch Gewalt. Klar! Die Zeit leugnet das nicht, sie geht nur auf die Häufung der Gewalt dort ein, wo die Äußerung von Ausländerhass (nicht der Hass selbst, der eine gewisse Initialzündung braucht) gerade ihre Renaissance erlebt. All dieses nationale, heimattreue Geschwätz - fürchterlich! Was bringt es dir, auf deine deutsche/sächsische Heimat so einen Wert zu legen? Gerade diese Grenzen stehen einer sinnvollen Debatte doch im Weg. Nein: Ich bin Sachse, ich bin deutsch, die anderen ... ohje.

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