Gerechtigkeit

Bildungs(un)-
gerechtigkeit!?

Deutschland – innovatives Bildungsland mit Chancengleichheit für alle? Von wegen! Schon in Deutschlands Schulen fangen die Ungerechtigkeiten an. SPIESSER-Autor Lukas zum Thema Bildungsgerechtigkeit.

02. September 2016 - 10:42
SPIESSER-Autor Lukas Hentschel.
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Lukas Hentschel Offline
Beigetreten: 06.01.2014

Alle Jahre wieder flammt die Debatte um Bildungsgerechtigkeit in Deutschland erneut auf. Im Fokus stehen vor allem die Unterschiede in den Bildungssystemen der verschiedenen Bundesländer und die schlechte Integration von sozial Schwächeren. Auch aktuell gibt es viel Grund zur Kritik – gerade im Hinblick auf die große Zahl an Flüchtlingskindern. Dabei garantiert bereits Artikel 3 des Grundgesetzes, dass niemand wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung oder seiner sozialen Herkunft benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Aber wie lässt sich diese Ungerechtigkeit verhindern, die immer wieder von Studien belegt wird?

Gymnasium, Real- oder Hauptschule?

Eine Studie des Instituts für Internationale Pädagogische Forschung von 2014 zeigt, dass die soziale Herkunft von Schülern einen sehr großen Einfluss darauf hat, welche weiterführende Schule ein Kind besucht. Demnach beeinflusst der soziale Status der Familie zu erschreckenden 28 Prozent, welche weiterführende Schule ein Kind besucht – im Vergleich dazu fließt die tatsächliche Leistung der Schüler gerade mal zur Hälfte ein. Steht ein Kind also notentechnisch auf der Kippe, wird es kaum auf dem Gymnasium landen, wenn es aus einer sozial schwachen Familie stammt. Wenn ihr mich fragt – der falsche Weg!

Deutsch als Basis

Während Kinder aus deutschen Familien meist nur durch ihre soziale Herkunft benachteiligt werden, haben es Kinder mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem noch schwerer. Zahlen des statistischen Bundesamtes von 2014 belegen, dass in Deutschland geborene Menschen mit Migrationshintergrund mehr als doppelt so häufig ohne Schulabschluss aus dem Bildungssystem ausscheiden, als Personen ohne Migrationshintergrund. Ich sage, dass die misslungene Integrationspolitik in der Bundesrepublik an diesem Problem ganz schön beigetragen hat. Nur so konnten sich in den letzten Jahrzehnten ungestört Parallelgesellschaften entwickeln, die einen schlechteren Zugang zu Bildung haben.

Viele junge Migranten haben aus Mangel an Angeboten gar keine Chance, Deutsch zu lernen. Dabei ist genau das eine wichtige Voraussetzung für Integration und Bildungsgerechtigkeit. Viel besser wäre es doch, Kinder mit Migrationshintergrund schon im Vorschulalter zu fördern. Nur so kann eine gerechte Ausbildung für alle Schüler erreicht werden.

Der Schlüssel zum Erfolg

Letztlich ist Bildung ja auch die Grundlage für eine gelungene Integration. Dabei ist die Zusammenarbeit zwischen Bundesländern, Schulen, Eltern und Schülern besonders wichtig. Eltern aus sozial schwächeren Familien sollten motiviert werden, ihre Kinder zu unterstützen. Schulen müssen bei der Bewertung der Schüler differenzierter vorgehen. Bundesländer müssen in Bildungsfragen mit den Schulen und Eltern kooperieren. Denn durch die Zusammenarbeit aller kann Bildungsgerechtigkeit erreicht werden. Und genau das muss das oberste Ziel im deutschen Bildungssystem sein: Chancengleichheit für alle.

Text: Lukas Hentschel
Foto: Anja Nier

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Kommentare

Ein Kommentar
  • Ich gebe dir da grundlegend recht, aber ich kann mich entsinnen, eine Statistik (glaube nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast) gesehen zu haben, welche zeigte, dass Ausländer sogar zu vielfachen das Abitur schaffen. Bei den Deutschen mit Migrationshintergrund stimmt deine Aussage. Kann auch gut sein, dass diese Statistik schon älter war. :)

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