Meinung

„Früher war alles besser“? – Quark!

Wie ticken die 14- bis 17-Jährigen? Die Sinus-Jugendstudie 2016 ist veröffentlicht – und mit ihr die Schlagzeilen und Kommentare dazu. „Die Jugend ist überangepasst“ oder „Alle wollen Mainstream sein“, heißt es. SPIESSER-Autor Sandro findet das ziemlich verkürzt. Und ist genervt von den Reaktionen auf die Studie.

04. Mai 2016 - 13:26
SPIESSER-Autor saschroeder.
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saschroeder Offline
Beigetreten: 23.02.2015

Die Sinus-Jugendstudie untersucht die Lebenswelt von 14- bis 17-Jährigen in Deutschland. Alle vier Jahre werden für die Studie 72 Jugendliche in ausführlichen Interviews zu ihren Ansichten befragt. In den 500 Seiten langen Ergebnissen, die von der 2016er Auflage veröffentlicht wurden, stecken spannende Erkenntnisse. Ich finde es mehr als ärgerlich, dass wir darüber so wenig sprechen!

Beispielsweise darüber, dass die befragten Jugendlichen zu großem Teil viel Empathie für die geflüchteten Menschen haben. Dass sie sich durchaus mit den Themen Flucht und Asyl beschäftigen. Oder darüber, dass sie eben keine stumpfen „Smombies“ sind, sondern selbstkritisch über ihr digitales Leben nachdenken. Aber nein, darüber wird kaum gesprochen.

Auf die Klischees, fertig, los!

Stattdessen stürzen sich viele Medien und vor allem Vertreter der älteren Generationen in ihren Kommentaren auf die alten Floskeln aus dem Jung-Alt-Konflikt. Gähn! Dass diese „jungen Leute von heute“ irgendwie nie den Erwartungen der vorhergehenden Generation gerecht werden – das ist nicht neu. Wirklich nicht.

Zur aktuellen Sinus-Jugendstudie gab es zahlreiche Schlagzeilen wie „Die Jugend heute: Strebsam, pragmatisch, überangepasst?“ in der Neuen Osnabrücker Zeitung oder „Deutschlands brave Jugend“ bei Spiegel Online. Solche Überschriften verkürzen natürlich die Aussage innerhalb der Artikel. Und die wiederum verkürzen natürlich so eine 500-Seiten-Studie auf ein paar wenige Absätze. Logo.

Aber allein weil in der Studie eben nur 72 Jugendliche befragt wurden, können die Studienergebnisse gar nicht repräsentativ sein. Das heißt: Die Untersuchung zeichnet eben kein absolut vollständiges Bild von DER Jugend. Das betonen die Herausgeber der Studie selbst und schreiben: „In beiden Vorgängerstudien (2008 und 2012) konnte aufgezeigt werden, dass es DIE Jugend nicht gibt. […] Das hat sich auch 2016 nicht geändert.“ (Wie ticken Jugendliche 2016?, Verlag Springer, S. 14)

Die Sache mit dem Mainstream

Vom „Alle über einen Kamm ziehen“-Prinzip mal ganz abgesehen, reiben sich die Reaktionen auf die Sinus-Jugendstudie an diesem Punkt: Mainstream ist heute kein Schimpfwort mehr. Die befragten Jugendlichen distanzieren sich nicht mehr so stark wie frühere Generationen, sie rebellieren nicht. „Alle wollen Mainstream sein“, titelt die Süddeutsche Zeitung dazu.

Natürlich werden solche Artikel bei Facebook und Twitter geteilt, vorzugsweise von Mittdreißigern bis Endfünfzigern, die sich dann über die so brave Jugend aufregen. Die zeitgleich betonen, wie unangepasst, rebellisch (sprich: „so viel toller“) die Jugendlichen früher doch waren.

„Noch nie seit der Nachkriegszeit war die Jugend in Deutschland so wenig rebellisch wie heute“, so oder so ähnlich beginnen fast alle Artikel zur Sinus-Jugendstudie. Ganz ehrlich? Was ist so falsch daran, den heutigen Mainstream zumindest okay zu finden? Seit den 1950ern ist er nun wirklich ein ganzes Stück breiter und auch toleranter geworden. Mit bunten Haaren und Gitarrenmusik habe ich als Teenager meine Eltern jedenfalls kein Stück aus der Ruhe gebracht. Im Gegenteil: Die fanden‘s sogar gut.

Text: Sandro Schroeder
Foto: Joris Louwes, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY 2.0), beschnitten

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Kommentare

Zwei Kommentare
  • Die Jugend wird einfach von Generation zu Generation schlimmer, weil man ja in gewisser Weise in diese Schei*e reingeboren wird und nur Wenige den Wille haben sich zu ändern. Solange man ist wie alle Anderen hat niemand von denen n Grund einen nich zu mögen mh?

  • Ganz ehrlich ? Ich hasse solche Texte über die Jugend, die nicht mehr rebellisch sei, zu strebsam, zu unflexibel; die für nichts mehr einstünde, keine Meinung mehr hätte.
    Ist das nicht vielleicht euer Verschulden ? Das, des vollgestopften Lehrplans und all dessen, was wir dürfen, sollen, müssen und nicht können ?
    Selbst wenn, was ist daran schlimm, dass wir, die Jugendlichen (dieser häufig verwendete Begriff mit dem eine große Spanne von Invidiuen zusammengefasst wird) angepasst oder spießig ist ? Wünscht ihr euch das nicht ?
    Ich bin gegen Das-über-einen-Kamm-scheren und sagt bloß nicht, dass wir keine Meinung haben !
    Die besten Grüße !

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