Kinofeeling

Simpel

„Simpel“ ist so ganz und gar nicht einfach: Gemeinsam mit seinem Bruder Ben und dem geliebtem Stofftier HaseHase bricht der geistig behinderte Barnabas auf, um seinen Vater zu finden. Ob euch die ungleichen Brüder auf dieser Odyssee mitreißen können, verrät euch SPIESSER-Autorin Stephanie.

14. November 2017 - 16:10
SPIESSER-Autorin Kirschblütenrot.
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Kirschblütenrot Offline
Beigetreten: 18.06.2015

Worum geht's?

Ben und Barnabas sind zwei sehr unterschiedliche Brüder. Ben opfert seine gesamte Freizeit für Barnabas, den Bruder mit geistiger Behinderung, welcher von allen nur „Simpel“ genannt wird. Als unerwarteterweise die Mutter stirbt, soll Simpel in ein Heim eingewiesen werden. Da gibt es für den sympathischen Ben nur eine Lösung: Auf nach Hamburg! Denn da soll ihr Vater leben, der als einziger diesen Beschluss rückgängig machen kann.

Mit an Bord ist Monsieur HaseHase, das Stofftier von Simpel. Gemeinsam treten alle einen amüsanten Trip an. Erste Begegnungen mit Chantal vom Kiez oder der zurückgezogenen Sanitäterin Aria – ihre Reise erzählt von einem ständigen Auf und Ab sowie neuen Herausforderungen. Denn Simpel lebt in seiner eigenen Welt, in der andere Regeln spielen, welche für seine Mitmenschen nicht immer erkennbar sind.

Wer spielt mit?

Außerordentliche Rollen erfordern außerordentliche Schauspieler. Als Barnabas seht ihr David Kross. Dieser ließ sich für die Hauptrolle auf viele Gespräche mit Psychotherapeuten und Menschen mit Behinderungen ein. Zu sehen war er vorher in der Titelrolle von „Krabat“ oder „Der Vorleser“.

Frederick Lau ist durch den Überraschungshit „Victoria“ oder „Traumfrauen“ bekannt. Mit dabei ist auch Emilia Schüle, welche gerade erst in „High Society“ zu sehen war und in „Freche Mädchen“ und „Gangs“ das Publikum begeisterte. Auch Axel Stein, u.a. aus „7 Zwerge“ bekannt, wurde von zahlreichen Preisen überhäuft. Euch ist das immer noch nicht genug? Erwähnt seien nur noch David Striesow und Annette Frier als weitere hochkarätige Schauspieler.

Filmischer Augenschmaus?

Die Hamburger Stadt wurde selten so beeindruckend ins Bild gesetzt, wie es Regisseur Markus Goller getan hat. Simpels Eindrücke und Entdeckungstouren werden von detailreichen und liebevollen Locations geschmückt. Simpel nimmt die Welt wie sie ist und entdeckt seine eigenen Kontinente in ihr. Ob mit Fernglas und Stofftier unterwegs im Watt, beim Rummelbesuch oder auf der Reeperbahn – der Film lässt einen die Außenwelt vergessen.

Gibt’s was zu meckern?

Meckern kann man nur über die Missverständnisse oder Vorurteile, welche auch heute noch gegenüber Menschen mit Behinderungen an den Tag gelegt wird. Dieser Film bietet die Möglichkeit, alle Seiten, ob mit oder ohne Behinderung, betrachten zu können und dafür gibt es keine Kritikpunkte.

Braucht man Taschentücher?

Ihr seid nah am Wasser gebaut? Dann ist dieser Film eine echte Herausforderung für euch. Auch dank der grandiosen Schauspieler lautet meine Prognose: Da bleibt kein Auge trocken.

Mit wem angucken?

Simpel bringt euch zum Lachen sowie zum Weinen. Daher empfiehlt sich der Genuss dieses Films mit der besten Freundin oder einem guten Familienmitglied, vor allem da er genügend Gesprächsstoff liefert.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪ ✪
Romantik: ✪ ✪ ✪
Humor: ✪ ✪ ✪ ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪
Was macht man danach?

Die Welt ein klein wenig mit anderen Augen sehen und hoffentlich alle Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen abschütteln.

In 3 Worten:

Gefühlvolle, tränenreiche Erlebnisfahrt.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Große Leinwand. Denn dann fällt es auch nicht sofort auf, wenn in der Dunkelheit des Saales ein paar Tränchen kullern.

Mainstream oder Independent?

Independent. Nicht viele Filme wagen sich an ein so schwieriges Thema heran.

Simpel

Regie: Markus Goller
Darsteller: David Kross, Frederick Lau, Emilia Schüle, Axel Stein, Annette Frier etc.
Kinostart: 9. November 2017
Filmlänge: 113 Minuten
Genre: Drama, Komödie
FSK: 6

 

 

Text: Stephanie Schulze
Bildmaterial: © Universum Film GmbH

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