Schmökern

„Tell Me Three Things“

Als Teenager befindet sich das eigene Leben mehr denn je im Wandel. Erst recht, wenn man zu allem Überfluss auch noch dazu gezwungen wird, ans andere Ende des Landes zu ziehen – so wie die Protagonistin Jessie. Mit ihr durchlebte SPIESSER-Autorin Katja alle High School-Klischees, die man sich vorstellen kann.

21. August 2018 - 14:44
SPIESSER-AutorIn katjamitk.
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katjamitk Offline
Beigetreten: 26.08.2017

Worum geht's?

Nach dem Tod ihrer Mutter heiratet Jessie Holmes‘ Vater heimlich eine wohlhabende Frau aus Los Angeles – und schleift Jessie kurz darauf ungefragt von Chicago nach Kalifornien. Dort wird sie schlagartig mit der geballten Kraft des Lebensstils der Reichen und Schönen konfrontiert, als ihre ungebetene Stiefmutter ihr eine Privatschule finanziert, auf der ebenso verwöhnte wie arrogante Teenager ihr Unwesen treiben. Aber da ist eine Sache, die doch eher unkonventionell ist: Jessie bekommt anonyme Nachrichten von jemandem, der sich online „Somebody Nobody“ (SN) nennt und ihr helfen will, in ihrem neuen Umfeld klarzukommen. Er – oder besser gesagt das, was er schreibt – gefällt ihr nach und nach immer besser, und damit bildet das Rätsel um seine Identität natürlich den Kern der Geschichte.

Tell Me Three Things

Autor: Julie Buxbaum
Verlag: Bastei Lübbe, One Verlag
Veröffentlichung: 29. Juni 2018
Seitenzahl: 396

Wer steckt dahinter?

Die 1972 in New York geborene Bestseller-Autorin Julie Buxbaum lebt mittlerweile seit Jahren selbst in L. A. Neben „Tell Me Three Things“ veröffentlichte sie noch zahlreiche andere Bücher, so zum Beispiel „What to Say Next“ und „Mein Herz in allen Einzelteilen“. Bevor sie sich voll und ganz dem Schreiben von Romanen für Erwachsene und Jugendliche mit teilweisem Fantasy-Einschlag widmete, arbeitete sie als Anwältin.

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Mit knapp 400 Seiten bietet „Tell Me Three Things“ ein gutes Mittelmaß für alle, denen ein dünnes Heftchen zu wenig und ein dicker Wälzer zu viel ist. Die Seiten blättern sich durch den einfachen Satzbau, den ungezwungenen Schreibstil und die jugendliche Geschichte allerdings wie von selbst um.

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

Insbesondere die Chatverläufe sind erfrischend und lockern jede Situation auf. Daher ist das Buch perfekt für den Heimweg von der Schule mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. So kann man Leichtigkeit in die Langeweile bringen, die aufkommt, wenn die Bahn sich mal wieder im Schneckentempo fortzubewegen scheint.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie schwer ist es, das Buch wegzulegen?

Das Buch kommt leicht und locker daher und es ist einfach, nach einer Pause wieder einzusteigen. Leider hat das aber einen Grund, der zugleich die Schattenseite bildet: Die Handlung ist nicht besonders komplex. Alle Klischees werden bedient – von den hübschen Mädchen, die auf bissige Art und Weise den Ton in der Schule angeben und angesagte Partys in den riesigen Luxusvillen ihrer reichen Eltern schmeißen, über die umschwärmten Mitglieder der Schulband hin zu der Protagonistin Jessie, die unter dem gesellschaftlichen Druck ihres Alters und nicht zuletzt an ihrer eigenen Unsicherheit leidet.

Sie ist das typische junge Mädchen, das sich wenig zutraut, nicht mit ihrem Äußeren zufrieden ist und Schubladendenken einerseits verurteilt, es andererseits aber vollkommen bedient und sich selbst sowie andere Mädchen permanent bewertet. Abgesehen davon kann man Jessies Gedankengänge teilweise nicht ganz nachvollziehen. Sie zieht voreilige und unlogische Schlüsse über die Identität von SN und scheint völlig auf dem Schlauch zu stehen, während es für den Leser ab einem gewissen Punkt offensichtlich ist, wer sich hinter dem Onlinenamen verbirgt. Leider wiegen die Klischees und die Vorhersehbarkeit für mich schwerer als die Leichtigkeit des Romans – und er endet damit bei 4 von möglichen 10 Punkten.

Wem borgt man es als erstes?

Der Person im Freundeskreis, die ein Faible für die typischen High School-Dramen hat, Teenager-Romanzen verschlingt und auf Serien wie „O.C., California“ steht.

Lieblingszitat:

„Ich denke an das Wochenende in Chicago, an Scar und Adam und ihr neues Leben ohne mich. Wie wir uns alle entwickelt haben – weiterentwickelt – und wie dorthin zurückzugehen in gewisser Hinsicht ein Rückschritt wäre.“ (Seite 368)

In drei Worten:

frisch, jung, klischeehaft

 

Text+Teaserbild: Katja Stenzel

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