Mittagspause mit ...

„Interdisziplinarität
ist das Wort der Zukunft.“

Extrasolare Planeten, interstellarer Staub, Chemie des Lebens – bei Pizza und Knäckebrot sprach SPIESSER-Autorin Eva mit Prof. Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, über das Leben im All, eine Karriere als Astronaut und die Notwendigkeit von naturwissenschaftlicher Forschung.

21. Juli 2017 - 09:10
SPIESSER-Autorin Eva SchautindieLuft.
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Eva SchautindieLuft Offline
Beigetreten: 23.10.2013

Hilft Ihnen die Forschung des DLR mir die Frage nach unserem Ursprung zu beantworten?

Auf die Frage gibt es keine Pauschalantwort. Trotzdem stellen wir sie, denn die Menschheit ist getrieben von Neugier und muss sich weiterentwickeln. Aber selbstverständlich hilft die Forschung des DLR bei der Suche nach Antworten auf globale gesellschaftliche Probleme. Wir betreiben Grundlagenforschung in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verkehr, Energie und Sicherheit. Zum Beispiel entwickeln wir im Bereich der Raumfahrt Erdbeobachtungssatelliten, die bei der Erforschung des Klimawandels eine Rolle spielen. Wie abhängig wir heutzutage von der Raumfahrt sind, merken wir gar nicht. Aber stellen sie sich mal vor wir würden alle Satelliten abschalten, dann säßen wir ganz schön im Dunkeln.

Das Leben im All stellen sich die meisten als grüne Aliens vor. In der Forschung werden dagegen Wassermoleküle auf fernen Planeten als Sensation gefeiert – warum?

Als Wissenschaftler versucht man das zu ergründen, was logisch ist. Stellen Sie sich mal vor: Die Erde ist ungefähr 4,6 Milliarden Jahr alt. Und dann hat es noch einmal sehr lange gedauert bis wir da waren – also wirklich intelligente Wesen. Wir kennen die Konditionen unserer Erde, auf der Wasser und die Atmosphäre eine wichtige Rolle spielen. Wenn wir also Wassermoleküle auf anderen Planeten finden, dann laufen wir vor Freude schreiend ums Gelände – auch wenn wir lieber Aliens hätten. Intelligentes Leben würde uns natürlich auch freuen, aber in unserem Sonnensystem haben wir eher die Chance auf primitive Mikroben. Außerhalb unseres Sonnensystems ist dagegen vieles möglich.

Prof. Pascale Ehrenfreund

Prof. Pascale Ehrenfreund ist seit 2015 Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Als erste Frau an der Spitze einer deutschen Großforschungseinrichtung kümmert sich die Astrophysikerin darum, dass das DLR innovativ und vernetzt arbeitet. Bevor die gebürtige Österreicherin zum DLR kam, arbeitete sie bereits in Kalifornien, Frankreich und den Niederlanden. In ihrer Habilitation erforschte Frau Ehrenfreund kosmischen Staub. Als Auszeichnung für diese Forschung wurde sogar ein Asteroid nach ihr benannt.

Was sind Ihre Aufgaben als Vorstandsvorsitzende beim DLR?

Zusammen mit den anderen fünf Vorständen des DLR vertrete ich mehr als 8.150 Mitarbeiter an 20 Standorten. Hinzu kommen Außenbüros zur Förderung internationaler Kooperationen. Insgesamt arbeiten wir mit über 400 Organisationen aus 60 Ländern zusammen. Der Vorstand kümmert sich um den Austausch zwischen den Instituten und sorgt dafür, dass diese sich strategisch weiterentwickeln. Es ist auch nach 1,5 Jahren noch immer mein Traumjob. (lacht)

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst fliegt 2018 wieder zur ISS. Wie bereitet er sich auf den Einsatz im All vor?

Alexander wird nächstes Jahr der erste deutsche Kommandant einer Raumfahrtmission sein und muss lernen die Sojus-Rakete zu fliegen. Dafür finden viele Vorbereitungen in Köln statt. Wir haben hier das Astronautenzentrum der europäischen Raumfahrtorganisation ESA. Hinzu kommt unser Envihab-Labor mit einer Zentrifuge und vielen anderen Einrichtungen wo medizinische Übungen und Tests durchgeführt werden. Alexander trainiert aber auch viel in Russland und Amerika.

Was mich noch brennend interessiert: Könnte ich auch Astronautin werden?

Natürlich! Bei ESA und NASA sind die medizinischen und psychologischen Auswahlkriterien allerdings ziemlich streng und es gibt viel Konkurrenz. Außerdem muss man sehr teamfähig und für die wissenschaftlichen Tests geeignet sein. Allerdings bieten auch immer mehr private Initiativen wie „Space X“ Möglichkeiten für space trips an, dafür braucht man allerdings genug Geld.

Sind diese privaten Firmen eine ernstzunehmende Konkurrenz für das DLR?

Nein. Private Initiativen sind meist sehr spezialisiert auf ein Thema. Sie betreiben auch keine Grundlagenforschung wie das DLR. Space X treibt Pläne voran, mit einem Raumschiff auf dem Mars zu landen – das wird aber noch dauern. Davor muss noch viel Forschung und Technologieentwicklung geleistet werden. Das kann eine Firma allein nicht schaffen. Deshalb glaube ich nicht, dass private Firmen Raumfahrtagenturen komplett ablösen. Stattdessen ist es eine komplementäre Art die Raumfahrt voranzutreiben.

Was raten Sie jungen Leuten, die in die naturwissenschaftliche Forschung wollen?

Kommen Sie zum DLR! (lacht) Ein Studium im Bereich der Naturwissenschaften ist natürlich hilfreich, Erfahrungen im Ausland unerlässlich. Und im Hinblick auf globale Herausforderungen ist Interdisziplinarität das Wort der Zukunft. Wenn man zwei Fächer studiert, kann man sich nach dem Studium besser auf dem Arbeitsmarkt platzieren. Wichtig ist aber, das zu machen was einem wirklich Spaß macht.

Text: Eva Bosse
Fotos: Jakub Kaliszewski

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