Mittagspause mit ...

„It’s all about brains“

Hier ist keiner auf dem Holzweg: Bei Schnittchen und Tee sprach SPIESSER-Autorin Cana mit Prof. Dr. Otmar Wiestler, dem Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft und Mediziner, über eine verheißungsvolle Zukunft in der Forschung und ob Wissenschaft und Glaube vereinbar sind.

12. Dezember 2016 - 15:46
SPIESSER-AutorIn cana.
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cana Offline
Beigetreten: 12.05.2016

Wir sitzen hier in der Helmholtz-Geschäftsstelle Berlin. Wofür steht der Name Helmholtz eigentlich?

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist die größte Forschungsorganisation Deutschlands. Unsere Stärke ist es, in 18 Zentren viele herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen unter einem Dach zusammenzubringen. Gemeinsam erforschen wir die großen Herausforderungen unserer Zeit, in der Gesundheit, der Luft- und Raumfahrt oder beim Klima zum Beispiel.

Sie melden rund 400 Patente jedes Jahr an. Welche großen Innovationen könnten in den nächsten Jahren auf uns zukommen?

Innovationen wird es in allen Forschungsbereichen geben, etwa neue Energiespeicher, neue Materialien, neue Verfahren für eine personalisierte Medizin, neue Mobilitätskonzepte oder völlig neue Wege der Informationsverarbeitung. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zum Beispiel im Februar eine Großforschungsanlage in Greifswald eingeweiht. Die Kernfusion, die in der Sonne stattfindet, wird dort nachgestellt. Im Moment ist das noch Grundlagenforschung. Dahinter steckt aber die Idee, hier langfristig neue Energie zu erzeugen.

Warum lohnt es sich für mich, bei der Helmholtz-Gemeinschaft zu arbeiten?

Weil ich hier in einer großen Familie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Spitzenforschung erlernen und betreiben kann. Neben einer stabilen Finanzierung, bieten wir auch Zusammenarbeit mit fantastischen internationalen Partnern an: Man kann einzigartige Infrastrukturen nutzen, Methoden und Programme austauschen. Wir haben in unseren Zentren die besten Köpfe der Welt. It’s all about brains! Deshalb konzentrieren wir uns darauf, jeden einzelnen auf seinem Weg in der Wissenschaft bestmöglich zu begleiten. Das ist ein Markenzeichen unserer Organisation.

Prof. Dr. Otmar Wiestler

Prof. Dr. Otmar Wiestler ist seit September letzten Jahres der amtierende Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Der promovierte Mediziner kam 1956 in Freiburg zur Welt. Von 2004 bis 2015 leitete er das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Die Helmholtz-Gemeinschaft setzt sich aus 18 Forschungszentren zusammen. Insgesamt haben sie über 38.000 Mitarbeiter. Zur Organisation gehört beispielsweise das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder das Alfred-Wegener-Institut. Mit einem jährlichen Budget von mehr als 4 Milliarden Euro ist die Helmholtz-Gemeinschaft die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Und wenn ich nun so ein „brain“ besitze: Wie kann ich nach der Uni in der Wissenschaft Fuß fassen?

In der Wissenschaft kann man Fuß fassen, wenn man getrieben ist von der Neugier, Dinge zu entdecken und zu verstehen. Diesen Antrieb braucht man zum Forschen. Nach meiner Einschätzung sind die Möglichkeiten für junge Wissenschaftler nie besser gewesen. Jetzt ist die Zeit, um in die Wissenschaft zu gehen!

In dieser Ausgabe geht es um das Thema Glaube. Inwieweit lässt sich Glaube mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen überhaupt vereinbaren?

Ich komme aus einer Familie, die den katholischen Glauben sehr pflegt, habe aber selbst keinen Bezug zur Institution Kirche. Unter den Religionen fühle ich mich der jüdischen Religion verbunden. Ich würde nicht sagen, dass es eine prinzipielle Unvereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft gibt.

Ist Ihnen schon mal etwas passiert, das Sie sich nicht wissenschaftlich erklären konnten?

Nein. Ich bin Wissenschaftler aus der Überzeugung geworden, dass man jedes Phänomen erklären kann. Die Wissenschaft strebt danach, dieses zu tun.

Wie gehen Sie dann mit so sensiblen Themen wie der oft kritisierten Genforschung um?

Erstens soll kein Missbrauch getrieben werden mit neuen Erkenntnissen. Und zweitens: Wenn es Technologien gibt, die uns helfen, sollte man die auch nach allen Regeln der Kunst nutzen.

Text: Cana Durmusoglu
Fotos: Tony Haupt

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