Wie spießig ist das denn?

Pilze sammeln

Wie spießig ist das denn? Maria und Milena sind dem Herbst-Hobby Nr. 1 nachgegangen: Pilze sammeln – zur Sicherheit mit einem Experten an der Seite.

07. Oktober 2016 - 10:04
SPIESSER-AutorIn millaialfons.
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millaialfons Offline
Beigetreten: 13.02.2012

„Und ist der auch giftig?“, fragt Maria und zeigt auf einen kleinen, feinen Pilz, der sich zwischen Laub und Bodenstaub seinen Weg gebahnt hat. Wir sind zusammen unterwegs im Wald, ja, in der echten Natur. Aber nicht einfach nur so. Wir haben eine „Mission“: Pilze sammeln. Euphorie, Euphorie!

Den Zeitungsmeldungen der vergangenen Tage nach zu urteilen, ist unser Vorhaben aber nicht gerade eine ungefährliche Angelegenheit. In Niedersachsen hat sich ein Rentner beim Pilze sammeln verlaufen und wurde als vermisst gemeldet. In einem rheinland-pfälzischen Wald hat ein Mann dabei seine Frau verloren. Das zeigt zwar: Pilze sammeln kann eine tolle Methode sein, (lästige) Menschen loszuwerden – mit Maria würde ich mich aber gerne wieder heil aus dem Laub machen. Und zwar ohne in Hänsel-und-Gretel-Manier vertrocknete Brotkrümel hinter uns herzustreuen.

Personal Mushroom Trainer

Frank aka „Der mit den Pilzaugen"

Damit das nicht nötig ist und wir auch nicht irgendwelche Pilz-Exemplare in unseren Korb schmeißen, die uns nach dem Verzehr entweder langsam (oder ganz schnell) töten, bestreiten wir unsere Mission nicht alleine. Wir haben uns ein wandelndes Pilzlexikon, eine Art Personal Mushroom Trainer, den Champignon unter den Champions organisiert: Frank, 73, pensioniert Physiker und passionierter Pilzfreund. Früher nannten sie ihn „Der mit den Pilzaugen“. Wer so einen Titel trägt, trägt uns auch sicher durch den Wald, denken wir uns.

Zurecht: Frank lotst uns souverän über den Blätterteig (ha, verstehste? Blätter auf dem Boden und davon ganz viele).

Währenddessen spult er sein geballtes Pilzwissen ab. Pilze wachsen nicht nur im Herbst, sondern das ganze Jahr über und außerdem richtig schnell: innerhalb einer Stunde kann ein neuer Pilz sprießen und essbare Pilze riechen meist auch lecker und schmecken bei der rohen Geschmacksprobe nicht scharf und und und.

Ich komme mir vor wie in einer Back-to-nature-Sondersendung im Radio – und muss feststellen, dass ich von Pilzen echt keine Ahnung habe. Ich gehöre offensichtlich der Steinpilz-Kategorie an. Ich kann einen Stein von einem Pilz unterscheiden. Aber auch nicht viel mehr.

Giftig oder nicht giftig?

In Deutschland gibt es etwa 1200 Pilzsorten, von denen sind sogar 90 Prozent essbar, davon schmecken aber nur etwa ein Viertel. Die Chancen auf einen Prachtfund sehen also eher mau aus. Oder andersherum gesagt: Die Chancen, einen der ungenießbaren Art zu erwischen, ganz gut.


Giftig? Giftig!

Bisher hätten Maria und ich aber nicht mal dazu eine Chance. Erst nachdem wir eine Stunde (oder fünf Minuten?) unterwegs sind, erspähen wir den ersten Pilz, ein eher mickriges Pilzchen. „Das ist der Dottergelbe Täubling“, erklärt Frank, während er den Winzling inspiziert. „Oooh“ rufen Maria und ich verzückt über den Namen – hilft leider nichts: „Der ist giftig“, teilt uns Frank mit. Irgendwie hatte ich mir das Pilzesammeln leichter vorgestellt. Ab in den Wald, zackzack, große Beute, raus aus dem Wald.

Nach einiger Zeit läuft es schließlich auch bei uns besser. Hallimaschs, Riesenschirmlinge, Maronenröhrlinge und der Violette Lacktrichterling landen in unserem Korb. Frank lobt uns brav für jedes Exemplar, das wir aufspüren: „Mensch, Maria, du hast richtig gute Augen!“.

Jedesmal, wenn wir vor einem neuen Pilz stehen, fühle ich mich kurzzeitig zu „Geld oder Liebe?“ versetzt, allerdings unter dem Titel „Giftig oder nicht giftig?“. Jedesmal gibt es nur eine fifty-fifty Chance, jedesmal herrscht kurz Aufregung – Frank von der Lippe kennt glücklicherweise immer die richtige Antwort.

Nicht zackzack, aber große Beute

Aus dem Korb in den Topf in den Bauch.

Nach drei Stunden über Stock und Stein schleppen Maria und ich uns und einen vollen Korb nach Hause. Keiner von uns ist verloren gegangen und Brotkrümel brauchen wir nur für unsere Semmelknödel, die wir anschließend zu den Pilzen kochen.

Njomm, njomm, njomm. Mission „Pilze sammeln“ erfolgreich abgeschlossen!

Pilznamen zum Einrahmen
- Bunter Klumpfuß- Unterträglicher Schleimkopf
- Geschwänzter Zärtling
- Steifstiegliger Mürbling
- Röhrige Keule
- Bärtiger Ritterling
- Wohlriechender Schuppenwulstling
- Ranziger Trichterling

Autorin: Milena Zwerenz
Fotos: privat

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Kommentare

Zwei Kommentare
  • Hey Lisschenlein,
    eine Pilz-Übersicht wird es im nächsten Heft leider nicht geben (im Winter ist nicht wirklich Pilzsaison) - dafür aber ganz viele andere tolle Sachen! :)
    Vielleicht hilft dir aber diese Übersicht weiter http://www.pilzfibel.de/index.php?go=pile
    Bestenfalls holst du dir aber auch einen Experten für die Pilzsuche an deine Seite oder lässt hinterher einen Pilzkenner auf dem Wochenmarkt mal einen Blick auf deine Funde werfen - nur so kannst du dir wirklich sicher sein, keine giftigen Exemplare zu essen. Die sehen den ungiftigen nämlich teilweise erschreckend ähnlich...

    Liebe Grüße aus der Redaktion
    Milena

  • Jetzt hab ich Hunger! Will Schlurrrrrb-Pilzchen! Gibts dann im nächsten Spiesser einen kurz Überblick über essbare Pilzchen? fände ich klasse!

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