Florian porträtierte Luc Schaefer aus Metz.
SPIESSER unterwegs

Zeig mir deine Welt

Eine Diplomarbeit der anderen Art: Für seine Fotostrecke „Not for Sale“ im Fach Kommunikationsdesign reiste Florian Luxenburger (27) acht Monate durch die Welt und tauschte Gegenstände mit besonderem Erinnerungswert. Welche Erfahrungen er in dieser Zeit gemacht hat, erzählt er SPIESSER-Autorin Lisa.

29. Mai 2013 - 13:56
SPIESSER-Autorin mrsBrightside.
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mrsBrightside Offline
Beigetreten: 18.09.2009

 

Dies ist ein Beitrag des
SPIESSER Fernweh-Spezials.

 

SPIESSER: Andere Studenten absolvieren ihr Praxissemester im Fotostudio oder in einer Werbeagentur. Du bist auf Weltreise gegangen, um Gegenstände zu tauschen. Warst du zu faul zum Arbeiten?

Florian: Nein, das nicht. Es war einfach die letzte Möglichkeit im Studium, ein größeres, eigenes Projekt umzusetzen. Außerdem hatte ich keine Lust, mich nicht in Werbeagenturen oder Fotostudios „ausbeuten“ lassen. Und da ich schon immer gerne und viel gereist bin, lag die Weltreise nahe.


Für seine Diplomarbeit bereiste Florian
elf Länder.

Ziel deiner Reise war es, Gegenstände mit emotionaler Bedeutung und eigenen Geschichten zu tauschen. Wie hast du die Personen dafür ausgewählt?

Das hat sich alles sehr spontan ergeben. Manchmal hat mich jemand auf meiner Reise begleitet, manchmal habe ich Leute getroffen, bei denen sich eine Freundschaft entwickelt hat. Oft habe ich schon bei der ersten Begegnung von meinem von der Tauschaktion erzählt und dann gewartet, wie sie reagieren. Ob auch sie bereit wären, einen persönlichen Gegenstand einzutauschen, habe ich aber immer erst kurz vor der Abreise gefragt.

Du selbst bist mit einem Kaleidoskop im Gepäck gestartet. Welche Bedeutung hatte dieser Gegenstand für dich?

Das Kaleidoskop war ein Erbstück meiner Großmutter, allein deshalb hat es mir viel bedeutet. Außerdem steht es für meine frühsten visuellen Erinnerungen und symbolisch für das, was ich heute als Fotograf und Kommunikationsdesigner mache.

Du bist in Trier mit dem Auto gestartet und dann nach Istanbul gefahren. Was war dort deine erste Anlaufstelle?

Eine Bekannte meines Patenonkels. Auch die übrigen Kontakte weltweit waren Personen, die ich entweder von früheren Reisen kannte, während der Weltreise kennenlernte oder Bekannte von Bekannten, wenn möglich aus der Kunstszene.


Delio aus Mexico City tauschte seinen
Glücksstein gegen eine Krawatte.

Nach welchen Kriterien hast du dir deine Ziele ausgesucht?

Mein nächstes Ziel hat sich immer aus der Situation heraus ergeben. Meist habe ich im Internet nach günstigen Flügen gesucht. Ich bin aber auch mit Bus, Bahn und Boot gereist.

Gab es einen Tauschgegenstand mit einer Geschichte, die dich besonders berührt hat?

Da jedes Tauschobjekt für den Besitzer eine große Bedeutung hatte, war es auch für mich jedes Mal besonders. Sehr emotional war es bei Rossini Celestin in New York. Er tauschte ein Boot aus Holz ein, das ihn an seine ermordete Freundin Quisha erinnerte.

Hast du auch mal was Nützliches bekommen?

Nein, aber Alex aus Chicago hat ein Messer eingetauscht, das für ihn einen praktischen Nutzen hatte. Er hatte es bei sich, weil er sich in Chicago nicht sicher fühlte.

Du warst acht Monate unterwegs und hast elf Gegenstände getauscht. Warum nur so wenige?

Ich habe mir nicht das Ziel gesetzt, in jedem Land mindestens einen Gegenstand zu tauschen. In den USA habe ich zum Beispiel dreimal einen Gegenstand getauscht, in Indien keinen einzigen. Dort waren die Menschen zwar sehr offen, haben aber das Tauschprojekt nicht mitgemacht, weil sie nicht verstanden haben, Gegenständen emotionale Bedeutungen zuzusprechen.

Der letzte Gegenstand, den du getauscht hast, war ein Spielzeugroboter. Hat der jetzt einen Ehrenplatz bei dir?

Natürlich. Der Roboter steht bei mir auf dem Regal. Der stammt von meinem Bruder Mirko. Mehr oder weniger spontan bin ich auf meiner Rückreise dann in Amsterdam als letzter Station gelandet, wo er studiert.

 

Interview: Lisa Jäger

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Kommentare

Ein Kommentar
  • Die Reise muss einen unglaublichen emotionalen Wert haben! Ich selbst bin total fasziniert von der Idee, mit wildfremden Menschen Gegenstände, die von Bedeutung sind, zu tauschen. Das stärkt irgendwie den Zusammenhalt in der Welt, auch wenn es hier nur ein paar Menschen betrifft.
    Das ganze ist eine super Idee und verdient meinen vollen Respekt!! :)

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