Polimika – die Kolumne

April am Arsch

Das Wetter war selten so nervig und ekelhaft wie in den letzten Tagen und Wochen. Es ist kalt, es regnet, es schneit, verdammte Hacke! Ich finde, es wird höchste Zeit sich mächtig aufzuregen über diese Frechheit.

20. April 2018 - 09:22
SPIESSER-Autorin Individuot.
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Ich sprechʼ dann mal an, was allen anderen durch den Kopf geht: Was soll aus diesem Frühling eigentlich werden, wennʼs fertig ist? Ich weiß ja, der April ist einer von der ganz dickköpfigen Fraktion und macht bekanntlich, worauf er Bock hat. Und scheinbar ist er für die anderen Monate ein schlechter Einfluss, oder seit wann wollen die auch so cool sein und nur nach ihrer eigenen Pfeife tanzen?

Ich weiß ja, dass Gespräche über das Wetter öde sind, weil wir sie alle verdammt oft führen, weil wir mit ihnen unangenehme Momente der Stille überwinden oder unsere Nervosität überspielen. Aber das Wetter – insbesondere im Frühling – wirkt besonders intensiv auf uns. Oder zumindest auf mich. Und ich bin da ja so ein bisschen wie der April: Auch wenn euch das Thema so gar nicht juckt, schreib ich da trotzdem drüber. Weil ich das halt so will!

Was passiert denn so alles im Frühling? Es wird etwas wärmer, die Sonne lässt sich häufiger blicken, Photosynthese dreht auf und Zeugs fängt an zu wachsen und zu blühen. Joa. Aber was passiert mit uns Menschen? Blühen wir auch auf, werden nach dem grauen Winter wieder farbenfroher und generell positiver und optimistischer? Wer länger als ein Jahr auf dieser Welt weilt, weiß, dass das ganz sicher nicht auf alle zutrifft. Ich kenne um genau zu sein drei komplett unterschiedliche Frühjahrs-Typen: die Euphorischen, die Allergiker und die Frühjahrsmüden. Die Euphorischen starten beim ersten Sonnenstrahl sofort sowohl Diät als auch Trainingsplan, putzen die Wohnung bis sie blitzeblank ist, beenden ein Studium und würden eigentlich auch die Welt retten, wenn sie nur mehr Zeit hätten. Als Beobachter ist man der festen Überzeugung, dass sie sich Akkus in den Allerwertesten stecken. Wie soll denn sonst so eine Energieproduktion möglich sein?

Die Allergiker, naja, das sind einfach arme Säue. Auch wennʼs so wenig frühlingshaft wie jetzt ist, hat schon irgendwas geschafft zu blühen und die armen Allergiker laufen schniefend, tropfend und halbblind durch die Gegend. Bisschen ekelig aber vor allem bemitleidenswert.

Die Frühjahrsmüden sind das genaue Gegenteil zu den Euphorischen. Der Blutdruck ist wegen der Temperaturwechsel im Keller und das Schlafhormon Melatonin – vielleicht ja wegen des verpassten Winterschlafs – überschwemmt das Blut. Die Folge des Ganzen: Wir mutieren zu einem katzenähnlichen Lebewesen – schlafen 12 Stunden am Tag, gucken alte Episoden unserer Lieblingsserien, stehen eigentlich nur zum Essen auf und wollen die ganze Zeit gekuschelt und geknuddelt werden, weilʼs sich so am gemütlichsten einschläft. Ja, ich muss gestehen, vor allem dieses Jahr muss ich mich zu dieser Kategorie zählen.

Die drei Frühjahrs-Typen bilden den Frühling also eigentlich ziemlich gut ab – bloß dieses Jahr ist die Fraktion der Verschlafenen etwas größer geraten. Warum? Na guckt einfach mal raus, es ist Anfang April und morgens gibt’s Minusgrade. Und die Moral von der Geschicht? Frühling gibtʼs dies‘ Jahr nicht. Ich geh wieder ins Bett.

Text: Polina Boyko
Foto-Collage: Anja Nier

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