Polimika – die Kolumne

April am Arsch

Das Wetter war selten so nervig und ekelhaft wie in den letzten Tagen und Wochen. Es ist kalt, es regnet, es schneit, verdammte Hacke! Ich finde, es wird höchste Zeit sich mächtig aufzuregen über diese Frechheit.

20. April 2018 - 09:22
SPIESSER-Autorin Individuot.
Deine Bewertung bewertet mit 5 5 basierend auf 1 Bewertungen
Individuot Offline
Beigetreten: 01.07.2014

Ich sprechʼ dann mal an, was allen anderen durch den Kopf geht: Was soll aus diesem Frühling eigentlich werden, wennʼs fertig ist? Ich weiß ja, der April ist einer von der ganz dickköpfigen Fraktion und macht bekanntlich, worauf er Bock hat. Und scheinbar ist er für die anderen Monate ein schlechter Einfluss, oder seit wann wollen die auch so cool sein und nur nach ihrer eigenen Pfeife tanzen?

Ich weiß ja, dass Gespräche über das Wetter öde sind, weil wir sie alle verdammt oft führen, weil wir mit ihnen unangenehme Momente der Stille überwinden oder unsere Nervosität überspielen. Aber das Wetter – insbesondere im Frühling – wirkt besonders intensiv auf uns. Oder zumindest auf mich. Und ich bin da ja so ein bisschen wie der April: Auch wenn euch das Thema so gar nicht juckt, schreib ich da trotzdem drüber. Weil ich das halt so will!

Was passiert denn so alles im Frühling? Es wird etwas wärmer, die Sonne lässt sich häufiger blicken, Photosynthese dreht auf und Zeugs fängt an zu wachsen und zu blühen. Joa. Aber was passiert mit uns Menschen? Blühen wir auch auf, werden nach dem grauen Winter wieder farbenfroher und generell positiver und optimistischer? Wer länger als ein Jahr auf dieser Welt weilt, weiß, dass das ganz sicher nicht auf alle zutrifft. Ich kenne um genau zu sein drei komplett unterschiedliche Frühjahrs-Typen: die Euphorischen, die Allergiker und die Frühjahrsmüden. Die Euphorischen starten beim ersten Sonnenstrahl sofort sowohl Diät als auch Trainingsplan, putzen die Wohnung bis sie blitzeblank ist, beenden ein Studium und würden eigentlich auch die Welt retten, wenn sie nur mehr Zeit hätten. Als Beobachter ist man der festen Überzeugung, dass sie sich Akkus in den Allerwertesten stecken. Wie soll denn sonst so eine Energieproduktion möglich sein?

Die Allergiker, naja, das sind einfach arme Säue. Auch wennʼs so wenig frühlingshaft wie jetzt ist, hat schon irgendwas geschafft zu blühen und die armen Allergiker laufen schniefend, tropfend und halbblind durch die Gegend. Bisschen ekelig aber vor allem bemitleidenswert.

Die Frühjahrsmüden sind das genaue Gegenteil zu den Euphorischen. Der Blutdruck ist wegen der Temperaturwechsel im Keller und das Schlafhormon Melatonin – vielleicht ja wegen des verpassten Winterschlafs – überschwemmt das Blut. Die Folge des Ganzen: Wir mutieren zu einem katzenähnlichen Lebewesen – schlafen 12 Stunden am Tag, gucken alte Episoden unserer Lieblingsserien, stehen eigentlich nur zum Essen auf und wollen die ganze Zeit gekuschelt und geknuddelt werden, weilʼs sich so am gemütlichsten einschläft. Ja, ich muss gestehen, vor allem dieses Jahr muss ich mich zu dieser Kategorie zählen.

Die drei Frühjahrs-Typen bilden den Frühling also eigentlich ziemlich gut ab – bloß dieses Jahr ist die Fraktion der Verschlafenen etwas größer geraten. Warum? Na guckt einfach mal raus, es ist Anfang April und morgens gibt’s Minusgrade. Und die Moral von der Geschicht? Frühling gibtʼs dies‘ Jahr nicht. Ich geh wieder ins Bett.

Text: Polina Boyko
Foto-Collage: Anja Nier

Dir gefällt dieser Artikel?

Kommentare

Sag' uns deine Meinung!
Mehr zum Thema „Kolumne
  • maxiise
    Kolumne

    Bushido und das unsinnige Gerede über Loyalität

    Wer spricht schon über Loyalität? Meistens die Leute, die sie von anderen einfordern oder sich selbst damit brüsten wollen, wie loyal sie doch sind. Oh, und Rapper natürlich. Echte Loyalität aber sollte nichts anderes sein als eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit.

  • maxiise
    Kolumne

    Anonymität – Der Preis des Erwachsenwerdens!?

    Unser Kolumnist Max schaut sich einen Text von sich selbst an, in dem er nach dem Abi verzweifelt auf die Welt der Erwachsenen geschaut hat. Heute sieht er vieles anders. Ist vielleicht doch nicht alles so scheiße, wie es manchmal scheint.

  • maxiise
    Kolumne

    Die „Generation Rezo“ kann selber denken

    Bei den Reaktionen auf das Rezo-Video fällt auf: Nicht nur die CDU versteht die Jugend nicht mehr, auch Medienmacher haben den Zugang zur jungen Generation verloren. Vielleicht braucht es die Jungen, um den Alten etwas zu erklären.

  • maxiise
    Kolumne

    Gleichberechtigung unerwünscht

    Unsere Gesellschaft ist so gleichberechtigt wie noch nie zuvor. Trotzdem gibt es einige empörte Feministinnen und Feministen, die anscheinend nicht an Gleichberechtigung interessiert sind und damit die Glaubwürdigkeit und den Wert ihrer Bewegung untergraben.

  • Individuot
    5
    Polimika – die Kolumne

    Mädchen-Mädchen-Tag

    Liebe Freundinnen des Rosas und Pinks, der Blumen und Schokolade – der Valentinstag ist mit seinem Kitsch und seinen Klischees mal wieder über uns geschwappt. Und wisst ihr was? Ihr könnt ihn haben, euren Prinzessinnen-Tag. Besser gesagt: Haltet ihn uns ja vom Leib!

  • maxiise
    Kolumne

    Handball-Revolution: König Fußball muss gestürzt werden

    Nicht Weltmeister, kein Finale, nicht mal Dritter. Die Handball-Heim-WM hat Deutschland in den Bann gezogen – und am Ende flossen bittere Tränen. Die deutsche Mannschaft löste Zuschauerrekorde in den Hallen und an den Bildschirmen aus. Doch scheinbar nur, weil der grausame Riese Fußball

  • Ka.thi
    Kolumne

    Körperchaos

    Katharinas Kolumne: Diesmal über Protest unter Einsatz des eigenen Körpers.

  • maxiise
    5
    Kolumne

    Wer Neujahrsvorsätze braucht, braucht auch eine Therapie

    Ein Anfang kann eine Chance sein, ein Risiko, das Ende einer Ära, ein leeres Blatt. Das neue Jahr beginnt und bringt tausende neue Anfänge mit sich. Manche ganz willkürlich, andere sehr geplant. Aber wer den Jahreswechsel braucht, um sich selbst neu zu erfinden, der hat wirklich ein Problem.

  • Ka.thi
    Kolumne

    Ende mit Ekel

    SPIESSER-Autorin Katharinas letzte Kolumne. Besser ein Ende mit Ekel als ein Ekel ohne Ende.

  • Ka.thi
    Kolumne

    Von enttäuschenden Erleuchtungen

    SPIESSER-Autorin Katharina blickt seit Kurzem ganz anders in den Sternenhimmel.

  • Ka.thi
    5
    Kolumne

    Teilzeitegoistin im Tauschrausch

    SPIESSER-Autorin Katharina über die Lebenszeit ihrer Jeans und Kommerzialisierungskomponente von Second Hand.

  • Ka.thi
    5
    Kolumne

    Diplomatie im Dattel-Dschungel

    Was macht einen Menschen eigentlich zum Mensch? Wie hilft die moderne Technik dabei? Werden Maschinen bald bessere Romane schreiben als Menschen? Über diese und andere Fragen hat sich SPIESSER Autorin Katharina Gedanken gemacht.

  • Ka.thi
    5
    Kolumne

    Menschenskinder, diese Technik!

    Was macht einen Menschen eigentlich zum Mensch? Wie hilft die moderne Technik dabei? Werden Maschienen bald bessere Romane schreiben als Menschen? Über diese und andere Fragen hat sich SPIESSER Autorin Katharina Gedanken gemacht...

  • Der Mann den Sie Pfirsich Nannten
    5
  • Der Mann den Sie Pfirsich Nannten
    5
    Kolumne

    Die Flucht nach vorn

    Wenn der Wahlkampf etwas Gutes hatte, dann das ein Thema wieder Platz findet in den zeilensprunghaften Leitmedien: Migration. In der Debatte wird das Thema Integration genutzt, um sich vom politischen Gegenüber abzugrenzen.

  • Der Mann den Sie Pfirsich Nannten
    5
    Kolumne

    Geheime Wahl,
    geh heim

    Es gibt zwei Aussagen, die mich aktuell regelmäßig verzweifeln lassen. Gern auch in Kombination. Einerseits hat beim Datenschutz keiner was zu verbergen. Andererseits wird auf die Frage „Wen wählst du?“ sich gesetzestreu aufs Wahlgeheimnis berufen. Als würde man ein Stück

  • Der Mann den Sie Pfirsich Nannten
    5
    Kolumne

    Die Kunst,
    modern zu reisen

    Ich packe meinen Koffer und nehme mit: Einen Selfie-Stick, einen Marco- Polo-Reiseführer und Desinfektionstücher. Ich möchte heute mit einem Vorurteil aufräumen. Mit dem Vorurteil, dass Reisen automatisch bildet. Reisen kann bilden, in letzter Zeit bekomme ich aber vermehrt Fälle

  • Der Mann den Sie Pfirsich Nannten
    5
    Kolumne

    Im Lebensfrühling überwinten

    Die Pubertät. Für die meisten von euch sicher, ebenso wie für mich, eine Zeit in Ketten gelegt. Vor allem, was die Zähne anbelangt. Mündig werden und Zahnspange tragen – da sind Probleme vorprogrammiert.

  • Der Mann den Sie Pfirsich Nannten
    5
    Kolumne

    Wo ist der Logout beim Stammbaum?

    Es gibt Sätze, die möchte man bei Facebook einfach nie angezeigt bekommen. Zum Beispiel „Deine Freundin hat ihren Beziehungsstatus auf ,Es ist kompliziert‘ geändert“ oder „JETZT RAY BAN BRILLE 50% RABATT!“ Oder eben „Deine Mama hat dir eine Freundschaftsanfrage geschickt.“

  • Henk Marzipan
    Kolumne

    Auf Pilgerfahrt für
    Gott und Instagram

    Ihr könnt mich alle mal! Ich bin dann mal weg! Wer hat das noch nicht gedacht? Ich jedenfalls schon oft. Damit kann ich wirklich jeden verstehen, der aus der Zivilisation ausbrechen will: kein Smartphone, kein Facebook, kein Alltag. Mal volle Dröhnung auf sich selbst konzentrieren und schauen,

  • Henk Marzipan
    Kolumne

    Durchschnitt und
    stolz darauf

    Ich verstehe Mode nicht. So grundsätzlich und überhaupt. Ich bin der Typ, der immer noch seine zwei Jahre alten H&M-Standard-Shirts trägt und darin kein Problem sieht. Immerhin bin ich dabei dünn.

  • Henk Marzipan
    Kolumne

    Nur das Pech
    ist gerecht

    Manchmal versagt einfach das System. Im Niedersächsischen Mathe-Abi war es wieder soweit. Fragen zu schwer, Zeit zu kurz, Schülerproteste und dann mussten Noten angepasst werden. Reichlich unangenehm für alle Beteiligten, und die Schüler sind die Leidtragenden.

  • Henk Marzipan
    Kolumne

    Ich sporte, also bin ich!?

    Wir müssen alle gesund sein, und schön, und zwar sofort! Und da die meisten von uns ihre Arbeit am Schreibtisch erledigen, wenn uns vorher die Maschinen nicht komplett ersetzen, bleibt uns nur der Sport. Als Millennial gehe ich natürlich nicht zum örtlichen Sportverein auf aschebedeckten

  • Henk Marzipan
    5
    Kolumne

    Hauptsache, das Label stimmt

    Nachhaltigkeit ist so 2007. Da gewann Al Gore für eine Umweltdoku noch einen Oscar. Der Klimawandel war neu, aufregend, sexy. Die große Bedrohung, die uns alle zu vernichten droht. Das ist so lange her, da war MTV (gerade) noch ein wichtiger Jugendsender. Und auch der machte eine sexy Kampagne

  • Henk Marzipan
    5
    Kolumne

    Schon mal gevögelt wie im Porno?

    Wenn ich ins Netz gehe, umgibt mich nackte Haut. Meist weibliche. Seltener männliche, dann aber mit Waschbrettbauch. Sexappeal verkauft sich gut – von der Strumpfhose bis zur Schlagbohrmaschine. Wir leben im Jahr 2016.

  • Individuot
    Polimika – die Kolumne

    Zepter abzugeben

    Etwas Selbstreflexion steht jedem gut zu Gesicht – definitiv auch unserer Polimika. Doch auch dabei kommt sie nicht ohne ihre geliebte Meckerei aus. Aber: Genug gemeckert, jetzt müssen mal andere ran. Du vielleicht?

  • Individuot
    Polimika – die Kolumne

    Anti-YOLO

    You only live once – war wohl die nervigste möchtegern philosophische Weisheit der letzten Jahre. Jaja, es stimmt schon, wir leben nur einmal, aber was daraus im Twitter-Universum gemacht wurde, ist ganz schöner Quatsch. Ein Plädoyer gegen YOLO und für die Faulheit.

  • Individuot
    Polimika – die Kolumne

    Heul doch

    Stressresistenz macht einen evolutionären Vorteil aus. Das müssen wir nutzen – jetzt wo das Leben immer schneller wird. Sich regelmäßig Horrorstreifen reinzuziehen ist schon mal ein guter Ansatz. SPIESSER-Autorin Polina meint, dass wir mit Angst noch viel mehr bewirken können.

  • Individuot
    Polimika – die Kolumne

    Die Jack-Wolfskin-Illuminati

    Es beginnt mit den ersten fallenden Blättern und zieht sich bis zu den ersten blühenden Bäumen und Heuschnupfen-Anfällen: Ein geheimes Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst-Spiel, an dem mit besonderer Hingabe Pärchen in ganz bestimmten Klamotten teilnehmen.

  • Individuot
    Polimika – die Kolumne

    Baby-Fame

    Wenn Kleinkinder und Babys in die Öffentlichkeit gedrängt werden, ist das immer fragwürdig. Die Royal Babys haben sogar eigene Fanpages mit einer halben Million Likes. Eine Fan-Seite für das eigene Sandwich ist mindestens genauso sinnvoll, findet SPIESSER-Autorin Polina.