Kissenschlacht

Konfetti im Bundestag

Poetin, Musikerin und Schauspielerin – all das kann Julia Engelmann. Die Kanzlerschaft überlässt sie aber dann doch anderen und schreibt lieber über ihren eigenen kleinen Mikrokosmos. Wie sie dadurch einigen Schülerinnen und Schülern zu einer guten Abi-Note verhalf, erzählte sie SPIESSER-Autor Daniel im Hotel Honigmond Berlin.

23. Oktober 2018 - 09:29
SPIESSER-Autor Minkho.
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Minkho Offline
Beigetreten: 06.11.2012

Daniel: Vor fünf Jahren bist du fast über Nacht mit deinem Gedicht „Eines Tages Baby“ beim Bielefelder Hörsaalslam berühmt geworden. Nun tourst du mit deinen Texten, bist Musikerin, füllst ganze Hallen und hast sogar schon die ein oder andere Schauspielrolle gespielt. Warum treffen deine Texte auf so eine große Zuhörerschaft?

Julia: Das ist schön zusammengefasst! Es klingt immer sehr absurd, das so zu hören – ich habe damit nie gerechnet. Ich weiß nur, dass ich mich bei Menschen, die sehr ehrlich und verletzlich schreiben oder Ängste zugeben, sehr zu Hause fühle. Mit dem Versuch, zu dieser Ehrlichkeit beizutragen, bin ich damals angetreten.

Journalisten und Fans bezeichnen dich oft als die Stimme unserer Generation, die Generation der in den 90ern Geborenen. Was zeichnet unsere Generation aus? Und wo siehst du Unterschiede zu der Generation der 2000er, von denen die ersten ja auch schon 18 sind.

Ich weiß! Sie sind schon fast fertig mit der Schule. Total krass! Also ich tu mich immer schwer damit, das so zusammenzufassen. Ich denke, dass jeder seine Generation gleich gut zusammenfassen kann – das wird keiner besser als der andere können. Ich bin meine eigene Stimme und Teil meiner Generation, so wie du auch. Wir leben aber in einem Zeitalter, in dem es so unglaublich viele Möglichkeiten gibt. Ich habe gestern mit meinem besten Freund telefoniert und wir haben darüber gesprochen, wie krass wir diesen Wechsel erlebt haben. Von „ab und zu ‘ne SMS schreiben“ bis hin zu diesem Smartphone-Gefühl mit komplettem Informationsaustausch. Also natürlich haben wir viele Möglichkeiten und das wird uns auch oft gesagt. Für mich steht da die Frage im Raum: Was ist das beste Leben, das ich führen kann?

Welchen Auftrag siehst du dahingehend in deinen Texten?

Indem ich bestimmte Gedanken und Gefühle öffne, möchte ich den anderen zeigen: Falls du dich so fühlst – du bist nicht alleine! Und gleichzeitig die Frage stellen: Geht es anderen auch so? Mittlerweile hat sich das auch so bestätigt, dass ich unglaublich viele Zuschriften von Menschen bekomme, die sagen, das helfe ihnen und das klärt auch ein großes „Warum“ für mich.

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Kritiker bemängeln, dass sich die Lyrik der Neuzeit vom modernen Poetry Slam in einem Punkt unterscheidet: Der politische Bezug, der mit einer kritischen Haltung einhergeht, sei in den Texten der heutigen Poetry Slammer spärlich bis gar nicht vertreten. Ist die Kritik berechtigt?

Ich weiß nicht, ob ich die Richtige bin für so eine große Beurteilung. Ich habe ja nur meine Stichproben um mich herum. Ich schreibe über das, womit ich mich am wohlsten fühle, was mir am nächsten liegt oder leicht fällt. Das sind oft zwischenmenschliche Sachen, die sozusagen aus meinem Mikrokosmos stammen. Aus vielen Mikrokosmen setzt sich auch der Makrokosmos am Ende zusammen. Wenn jeder Mensch einen Ansatz verfolgt, sich wohlzufühlen und sich um sich zu kümmern, dann ist damit schon viel getan.

Was erfordert deiner Meinung nach aktuell umgehend Protest?

Ich finde sowohl Gleichberechtigung unglaublich wichtig als auch Toleranz und ich denke, dass es schnell passiert, dass Menschen aufgrund von einem Merkmal in eine Gruppe eingeordnet werden. Sei es Geschlecht oder Herkunft. Ich glaube, das ist eine Sache, die niemandem guttut.


Daniel und Julia mit den Früchten ihrer Arbeit
Welches Gesetz würdest du verabschieden, wenn du für einen Tag Bundeskanzlerin sein könntest?

Erst einmal würde ich meine ganze Familie einladen, damit wir alle zusammen im Bundestag abhängen können. (lacht) Dann bin ich ein großer Freund von Konfetti. Vielleicht würde ich davon einfach mehr verteilen wollen. Ansonsten glaube ich, dass es schon Sinn macht, dass Menschen, die Gesetze verabschieden, sich länger damit beschäftigen. (lacht)

Stell dir vor, in 20 Jahren bekommt eine Schulklasse deine Texte vorgelegt für eine Gedichtinterpretation. Welche Gedanken kommen dir bei dieser Vorstellung?

Das ist tatsächlich schon passiert. Ich bekomme wahnsinnig viele Nachrichten wie: „Ich hatte dich im Abi, vielen Dank! Ein Glück, habe ich dein Buch gelesen!“ (lacht) Ich habe auch eine Mail von einer Schulklasse und einem Lehrer bekommen, die sich miteinander angelegt haben, weil sie sich gefragt haben, was ich mit einer bestimmten Formulierung meine. Schließlich waren sie wirklich so weit, dass sie mir schreiben und nachfragen mussten. Das passiert mir schon sehr oft, und das weiß ich sehr zu schätzen. Die Vorstellung macht mich glücklich.

Dann hast du vermutlich schon vielen Leuten zu einer guten Abiturnote verholfen! (beide lachen)

Julia Engelmann
„Eines Tages, Baby, werden wir alt sein“ – Damit fing alles an, mit einem Text, der Millionen aus dem Herzen sprach. Mittlerweile ist Julia Vollzeitpoetin, dreifache SPIEGEL-Bestsellerautorin und Musikerin. Im Herbst diesen Jahres geht sie mit ihrem neuen Live-Programm „JETZT, BABY – Poesie und Musik“, einer Mischung aus bekannten und neuen Texten sowie Liedern ihres Debütalbums „Poesiealbum“, auf Tour:
18.10. | Aurich          12.11. | Erfurt
19.10. | Hannover       13.11. | Dresden
20.10. | Leipzig         15.11. | Saarbrücken
21.10. | Regensburg    16.11. | Mainz
23.10. | Crailsheim    17.11. | Kempten
24.10. | Rosenheim     23.11. | Aachen
25.10. | Wien          25.11. | Zürich
27.10. | Essenbach      26.11. | Innsbruck
28.10. | Chemnitz      27.11. | Salzburg
10.11. | Berlin         29.11. | Braunschweig
11.11. | Magdeburg

Text: Daniel Korenev
Fotos: Michael Kuchinke-Hofer
Kamera & Schnitt: Paul Henschel

Teaserbild: Lena Schulze

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