Härtetest

Wie die Ratte im (Sport-)Labor

Was sonst nur Hochleistungssportler oder Reha-Patienten über sich ergehen lassen, hat SPIESSER- Autor Paul am eigenen Leib getestet. Im Bewegungslabor des Gesundheitssportvereins Leipzig wurde er selbst zur Laborratte. Und Paul, wie hat sich das angefühlt?

04. Juli 2018 - 08:46
SPIESSER-Autor PaulausMdorf.
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PaulausMdorf Offline
Beigetreten: 18.05.2016

Es ist der bisher kälteste Februarmorgen. Ich habe mir bereits an der Straßenbahnhaltestelle Finger und Zehen abgefroren und nach erfolgreicher Reanimierung einen olympiaverdächtigen Sprint zum ICE nach Leipzig hingelegt. Ja, ich denke, ich kann guten Gewissens behaupten, dass der Tag für mich schon mit einem Härtetest begonnen hat.


„Dann geht der Test jetzt los“, sagt Kai.
„Jetzt erst?“, denke ich.
Let the Tests begin ...

Beim Gesundheitssportverein Leipzig finde ich mich in einem Raum wieder, der mich sehr stark an das Behandlungszimmer eines Arztes erinnert. Im Zentrum steht ein Gerät mit vielen Hebeln, Winkeln und schwarzen Schaumgummikissen. „Damit messen wir die Maximalstärke von verschiedenen Muskelgruppen“, sagt Kai, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins und diplomierter Sportlehrer. Schneller als gedacht bin ich in der Maschine fixiert. „Jetzt musst du so stark es geht mit dem Rücken nach hinten drücken“, sagt Kai. Ich gebe mein Bestes, während ich nur die jeweils von Kai angesagten Körperteile bewegen kann. Zum Glück dauert der Test pro Körperteil nur sieben Sekunden.

„Du bist im Wesentlichen im Durchschnitt. Aber deine untere Rückenmuskulatur könnte stärker sein“, Kai beschreibt mir Übungen, mit denen ich genau diese Muskelgruppe trainieren kann. „Normalerweise würde man jetzt mit einem Trainer auf Basis der Daten ein Trainingskonzept ausarbeiten, das auf deine Bedürfnisse ausgerichtet ist“, fügt er noch hinzu. Hier im Gesundheitssportverein finden diverse Kurse für alle Altersgruppen statt. Vor allem ältere Menschen sowie Reha-Patienten aber auch einige Sportler kommen her, um ihr Training effizienter zu machen.

Eine schräge Sache

„Beim nächsten Test geht es um deine Koordinationsfähigkeit“, meint Kai grinsend, als er mich endlich aus dem Kraftstuhl befreit. Ich soll mich auf eine runde Wippe stellen und das Gleichgewicht halten. Klingt machbar, ist aber unfassbar schwer. Endlich schaffe ich es und stehe einigermaßen stabil! „Dann geht der Test jetzt los“, sagt Kai. „Jetzt erst?“, denke ich und kippe direkt nach rechts! Hilflos mit den Armen rudernd versuche ich mein Gleichgewicht wiederzufinden. Ohne Erfolg. Meine Ergebnisse könnt ihr euch vorstellen. Egal. Kommen wir zum nächsten Test!

„Jetzt setzt du dich einfach gemütlich hin und entspannst“, sagt Kai, während er mir einen kleinen grauen Kasten auf die Brust drückt: „Den musst du festhalten. Das Gerät misst unter anderem deine Atmung und deinen Herzschlag und errechnet daraus deinen Stresslevel.“ Ich lehne mich zurück. Außer einem leichten Kribbeln merke ich nicht viel. So habe ich meinen Härtetest gerne! Nach zwei Minuten zeigt mir Kai, was die Messung ergeben hat. Mein Grundstresslevel ist quasi nicht vorhanden, ich habe also ein sehr geringes Burnout-Risiko. Super, entspannen kann ich schon mal! Kai erklärt: „Meistens ist das Veranlagung, aber man kann sein Stresslevel auch mit autogenem Training verbessern.“


Da grüßt der Muskelkater von morgen.
Auge in Auge mit dem Zentaur

Mittlerweile haben wir das Behandlungszimmer verlassen und sind in einem Saal mit diversen Trainingsgeräten angekommen. Neben dem Eingang steht der Zentaur, ein 2,20 Meter großes schwarzgelbes Ungetüm, auch Übungsgerät genannt. Und ich muss da jetzt rein. An den Beinen festgeschnallt und die Arme unter einen Bügel gelegt fühle ich mich wie in einem Exoskelett. Vor mir sehe ich ein kleines Fadenkreuz mit einem grünen Punkt. „Du musst versuchen, den Punkt in der Mitte zu halten“, erklärt Kai. Und dann geht’s los: Der Zentaur dreht mich in verschiedene Richtungen und ich habe mächtig zu tun, dagegenzuhalten. Nach einer gefühlten Ewigkeit werde ich freigelassen und spüre endlich meine Beine wieder. „Damit kann man wunderbar die Tiefenmuskulatur trainieren“, meint Kai lockerflockig zum Abschluss. Zum Glück war das der letzte Test.

Auf dem Weg nach Hause freue ich mich schon auf den Tiefenmuskelkater – und habe Zeit für ein Resümee. Das Wichtigste: Ich habe den Härtetest bestanden! Außerdem habe ich gelernt, wo meine Problemzonen sind und dass ich vermutlich nie an Burnout erkranken werde. Da hat sich der kurze Sprint heute Morgen doch richtig gelohnt.

 

Text: Paul Hilliger
Fotos: Daniel Scholz

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